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Sunday 31st of May 2020
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Islam richtig kennenlernen (20)

Ergänzend zu dem was wir bisher zur Beweisführung der Existenz Gottes gesagt haben, möchten wir diesmal über den Beweis sprechen, den die Fitra – die Gott gegebene menschliche Natur - hierzu liefert. Zu den Grundfragen, die den
Islam richtig kennenlernen (20)

  Ergänzend zu dem was wir bisher zur Beweisführung der Existenz Gottes  gesagt haben, möchten wir diesmal über den Beweis sprechen, den die Fitra – die Gott gegebene menschliche Natur  -  hierzu liefert.


Zu den Grundfragen, die den menschlichen Geist schon immer beschäftigt haben gehört die Frage nach dem Ursprung der Schöpfung. Daher gehörte es zu den wichtigsten Aufgaben der Propheten Gottes, den Schöpfer  richtig vorzustellen. Ein Gottesbeweis ist hierbei die Fitra.
 
Der Gottesglaube ist wie bereits gesagt, eine Angelegenheit der Fitra – der angeborenen Natur des Menschen. Die Beweisführung anhand der Fitra unterstreicht, dass ein inneres Gefühl den Menschen in Richtung Gott lenkt und der Mensch von Natur aus Gott zugeneigt ist und sich nach Ihm sehnt.  Eine innere Stimme, die aus seinem unversehrten menschlichen Wesen  aufsteigt, scheint ihn zu dem Ursprung des Daseins und allen Lebens und der Schöpfung herbeizurufen.  Damit ist das, was die Propheten Gottes  dem Menschen vorlegen, in Wahrheit  genau das, wonach er  aufgrund seiner angeborenen Natur sucht.
 
Bevor wir jedoch das Thema Gottessuche aufgrund natürlicher Neigung des Menschen weiterführen, sollten wir auf einige Punkte bezüglich der Fitra, der natürlichen Tendenzen des Menschen hinweisen.
 
Die natürlichen Neigungen im Menschen hat er sich nicht zugelegt, sondern Gott hat sie ihm mitgegeben. D.h. kein externer Faktor hat einen Einfluss auf ihr Vorhandensein. Allerdings können externe Größen in einer Weise  einwirken, dass sie diese natürlichen Neigungen an ihrer Entfaltung verhindern oder zum Brachliegen bringen.
 
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Tatsache, dass die Neigungen der Fitra allgemein gelten. Alle Menschen besitzen diese Neigungen ausnahmslos. Die Wahrheit „Mensch“ ist mit diesen natürlichen Neigungen verwoben.  Sie sind daher unabhängig von Zeit, Ort und besonderen Bedingungen. Dennoch kann es sein, dass der eine oder andere diese natürlichen Neigungen vernachlässigt oder sogar dementiert, was allerdings kein Beweis dafür ist, dass es sie nicht gibt. Möglicherweise wählt der Mensch einen Weg auf dem seine wahre  angeborene und unversehrte Natur wegen Stolz und Selbstsucht und Scheinpositionen zu erlöschen droht.  Aber dennoch geht diese Natur, die Fitra, niemals verloren und sie macht sich hin und wieder bemerkbar, wenn eine Situation es erfordert.
 
Eine weitere besondere Eigenschaft der natürlichen Neigungen besteht darin, dass der Mensch sie verspürt, wenn er ein wenig tiefer nachdenkt.  Will er zum Beispiel die Frage klären,  ob der Mensch von Natur aus Ehrlichkeit oder Lügen mag, braucht er nur kurz in sich selber hineinzuschauen.  Jeder von uns wird die  innere Erfahrung machen, dass wir die Ehrlichkeit lieben und ihr zugeneigt sind.
 
Alles an der Fitra – der Gott gegebenen Natur – ist positiv. Sie enthält nichts Böses. Dies ist ein weiterer wichtiger Punkt.
 
Schlechtes geht niemals auf die Fitra zurück, auch  wenn ungerechtes und schlechtes Verhalten unter den Menschen weit verbreitet sein sollte. Selbst die größten Unterdrücker sprechen von der Gerechtigkeit und möchten von allen als gerecht betrachtet werden.
 
Aber eine starke Liebe des Menschen zu den materiellen Dingen und den körperlichen Verlangen ist zum Beispiel ein Handicap für  die Entfaltung und Weiterentwicklung der Gott gegebenen guten Fitra.  Wer sich selber von diesen  Vorlieben freimacht der findet problemloser zu Gott. Manchmal löst sich der Mensch auch notgedrungen von ihnen, wenn er zum Beispiel in eine Situation gerät, in der er die Hoffnung darauf aufgibt, dass ihm irgendwelche materielle Dinge aus der Not helfen könnten. In dem Moment weichen die Schleier, die seine Fitra bis dahin bedeckt haben, zur Seite und er spürt dass er in Beziehung zu dem höheren Ursprung des Daseins steht. In der Sure 29 (Ankabut) weist Gott im Vers 65 auf diese Wahrheit hin, denn dort heißt es:
 
„Und wenn sie ein Schiff besteigen, dann rufen sie Gott an - aus reinem Glauben heraus (und vergessen alles andere). Bringt Er sie dann aber heil ans Land, siehe, dann stellen sie (Ihm) Götter zur Seite.“
 
Zweifelsohne existiert das Licht der Gottessehnsucht in allen Menschen. Aber manchmal wird es  durch abergläubische Bräuche,  falsche Erziehung, abwegige Gedanken und Ansichten oder Illusionen wie von einem dichten Vorhang verschleiert. Dennoch sucht der Mensch wie von selber im überirdischen Reich nach Hilfe, wenn er von allen Seiten Gefahr verspürt und keinen Ausweg mehr  sieht. In solchen Situationen, wenn er sich ernsthaft bedroht fühlt, schaltet  er jeden polytheistischen Gedanken ab  und wendet sich mit seinem ganzen Sein Dem Einzigen zu, auf Den er noch hofft.
 
 
 
In den Überlieferungen steht, dass einmal jemand zu Imam Dschafar Sadiq (a) sagte: „Die Diskussionen und der Streit über die Existenz Gottes haben mich verwirrt. Zeig mir den Weg zu Gott.“
 
Der Imam fragte: „Hast du schon einmal  ein Schiff bestiegen?“
 
Der andere bejahte.  Der Imam fragte: „Und ist es vorgekommen, dass das Schiff in einen Sturm geriet und es  inmitten der Wogen keinen rettenden Ausweg für dich gab?“ Wieder sagte der Mann: „Ja!“
 
Da sagte Imam Sadiq (a) zu ihm: „Hast du in dem Augenblick, wo du auf nichts mehr gehofft hast,  nicht doch in  jemanden Hoffnung gesetzt, der dich rettet?“
 
Der Mann antwortet: „Doch! Ich hatte Zuversicht und wusste, dass mich eine Macht retten wird!“
 
Da sagte Imam Sadiq (gegrüßet sei er): „Es ist Gott, der (den Menschen vor einer Gefahr) retten kann, wenn es keinen Retter gibt!“
 
In diesem Hadith spricht Imam Sadiq (gegrüßt sei) von Augenblicken, wo der Mensch die Hoffnung auf alle materiellen Faktoren aufgegeben hat.  Jeder, sogar derjenige, der Gott leugnet, wird in diesem Moment auf seine angeborene  von Gott verliehene  Natur aufmerksam und wendet sich seinem Herrn zu.
 
Der Koranexeget Allamah Mohammad Husein Tabatabai schreibt darüber:
 
„Wenn der Mensch in große Schwierigkeiten gerät und die Hoffnung auf sichtbare Faktoren aufgibt, beginnt er Gott um Hilfe zu rufen. Selbst Menschen, die nicht glauben, hoffen in einer solchen Situation auf Gott den Allmächtigen, es sei denn ihre Fitra wäre vollkommen unterdrückt. …  Dieses Hoffen des Menschen ist ein Beweis dafür, dass die menschliche heile Natur eine höhere Ursache erkennt, die über den wahrnehmbaren Mitteln und Ursachen steht und die  nicht von den schlimmen Ereignisse, (von denen er betroffen ist) beeinflusst werden kann.“
 
 
 
Ja, Leiden und Härten können den Menschen wachrütteln und ihn auf Gott aufmerksam machen. Daher denken die meisten Menschen, wenn sie in große Not geraten, an Gott und beten aus tiefsten Herzen zu ihm.  Menschen, welche so sehr mit dem materiellen Leben beschäftigt sind,  dass sie Gott vergessen, verhalten sich ähnlich  wie ein Kind, welches sich derartig in ein Spiel vertieft hat, dass es nicht mehr an seine Eltern denkt. Aber sobald  etwas Beängstigendes passiert, ruft dieses Kind sofort nach ihnen,  damit sie ihm helfen.
 
Der Mensch ist mit allen möglichen Dingen tagtäglich beschäftigt und das hält ihn oft davon ab, an den Schöpfer zu denken. Doch wenn er durch ein Unglück aus dem gewohnten Leben gerissen wird und sich nicht zu helfen weiß, sucht er nach einer übernatürlichen Macht, die ihm in dieser sensiblen  Situation zur Hilfe eilt. Wenn dem Menschen von allen Seiten eine Gefahr droht - wie bei einer Überflutung oder einem Erdbeben oder einem Feuerbrand oder bei einer gefährlichen Erkrankung -    richtet sich sein Herz auf eine Stütze , die immateriell ist und er spürt, dass es eine barmherzige Macht gibt, welche ihm helfen kann.  Also bittet er in seiner Not  dieses überirdische Wesen um Beistand. Auf diese Weise liegt in der Fitra des Menschen, in seiner angeborenen unversehrten Natur – ein Gottbeweis.


source : irib
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