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Sunday 7th of June 2020
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Frage : Wie können wir mit dem Phänomen unserer Zeit „Depression“ umgehen?

 


Frage: Wie Sie sicherlich wissen, ist Melancholie die typische Krankheit unserer Zeit. Psychologische Kliniken sind überfüllt mit kranken Menschen, deren Leben durch Melancholie aus den Fugen geraten ist. Ich habe einen melancholisch introvertierten Vater. Obwohl er erst vierzig Jahre alt ist, sieht er aus wie siebzig. Dieser Zustand macht unser Familienleben schwer. Ich bin 15 Jahre alt, aber ich weiß nicht was meinen Vater soweit gebracht hat. Hat der Islam Lösungen, auf die man zurückgreifen kann, um solchen kranken Menschen zu helfen? Würden Sie bitte ausführlich auf dieses Thema eingehen, denn es gibt viele Menschen wie mich, die diesbezüglich dringend Rat brauchen.

Antwort: Der Islam hat für alles eine Lösung. Er legt die Maßnahmen zur Heilung der Melancholie und ähnliches dar und betont ausdrücklich ihre Vorbeugung. Im Folgenden fasse ich die Antwort in fünf Punkten zusammen:

Erstens: Die Überlieferungen des Propheten (ص) und der unfehlbaren Imame (ع) haben auf „Melancholie“ Bezug genommen und sie als ein „Kummer“ und „Leiden“ bezeichnet. Und sie haben die Muslime gewarnt und ihnen mitgeteilt, dass „wenn der Kummer zunimmt, der Körper krank wird“ und „Kummer ist die Hälfte der Greisenhaftigkeit“ und „Kummer ist die Krankheit der Geisteshaltung“.

Langeweile, üble Laune, Appetitlosigkeit, körperliche oder psychologische Schwäche, Schlafstörungen, Labilität, Geistesabwesenheit, Pessimismus, Erschöpfung, Schuldgefühle, Trägheit, keine Freude zu empfinden angesichts schöner Naturszenen oder anderer schöner materieller Dinge, Vernachlässigung der eigenen Gesundheit und dem Leben keine Bedeutung beimessen, das alles sind Eigenschaften von melancholischen Menschen und wurden in Überlieferungen in bestimmten Zusammenhängen erwähnt. 

Zweitens: Es gibt da einen engen Zusammenhang zwischen Melancholie und der Kultur des Individuum und der Gesellschaft. Manche religiöse und soziale Kulturen führen durch ihre tragischen literarischen Werke, ihre traurige Musik und das Weinen zu Melancholie, so wie es in den östlichen Ländern verbreitet ist. Was die westlichen Länder betrifft, so treibt die Loslösung von Familienbeziehungen die Menschen in die Melancholie, als sie sich alleine dastehen sehen mit niemandem, mit dem sie ihre Freuden und Sorgen teilen können. Darauf ist auch die zunehmende Suizidrate in den westlichen Ländern, in denen Familienbeziehungen vernachlässigt werden, zurückzuführen, während in Japan, wo der Familienzusammenhalt aufrechterhalten und die Beziehungen gepflegt werden, die Suizidrate sehr niedrig ist, zugleich verzeichnen die religiösen und ländlichen Gesellschaften die niedrigste Suizidrate und sind am wenigsten betroffen von Melancholie, weil in solchen Gesellschaften die Religion den Suizid als ein Mord ansieht, der mit dem ewigen Aufenthalt in der Hölle vergolten wird. Ferner leistet die Religion den sentimentalen und spirituellen Bedürfnissen des Menschen Genüge und gibt ihm Kraft, sich an Veränderungen anzupassen und kurbelt in ihm positive Antriebskräfte an, die der Melancholie standhalten. 

Drittens: Die auslösende Ursache für Melancholie muss definiert werden, denn es sind nicht die gleichen Ursachen für alle Menschen, sondern sie unterscheiden sich von Fall zu Fall. Als Ursache kann z.B. für jemanden der Mangel an Liebe und Zuneigung sein und für einen anderen die Anstauung von seelischem Leiden, oder Gewissensbisse nach dem Begehen einer Sünde bzw. Gräueltat, Enttäuschung, der Tod einer geliebten Person, Auswanderung und fern der Familie und Verwandten sein, großer finanzieller Ruin oder Armut und Bedürftigkeit.

Viertens: Wie kann man diese Krankheit erfolgreich behandeln?

Moderne psychologische Anstalten greifen bei der Behandlung dieser Krankheit auf Beruhigungstabletten zurück, wie Valium oder andere glücksstimulierende Mittel, und wieder andere Kliniken bevorzugen Elektroschocks. All diese Behandlungen werden von der Islamischen Medizin abgelehnt, die die zunächst auf Vorsorge beruht und dann auf Heilung.

Zur Heilung dieser Krankheit beschreibt der Islam folgendes:

1. Eine kalte Dusche nehmen, und insbesondere das kalte Wasser über den Kopf brausen lassen; Imam Ali (ع) sagte: „Wenn jemand Kummer hat, den er nicht bestimmen kann, dann soll er sich sein Kopf waschen“.

2. Kleidung waschen und schlechte Gerüche entfernen, was bedeutet sich im Allgemeinen sauber zu halten; Imam Ali (ع) sagte: „Seine Kleidung zu waschen, nimmt den Kummer und die Sorgen“.

3. Gott viel erwähnen, insbesondere indem man folgendes sagt: „Es gibt keine Macht außer in/mit Allah“; der Prophet (ص) sagte: „Das Sagen von ‚Es gibt keine Macht außer in/mit Allah‘ hat eine Heilung vor 99 Krankheiten, die kleinste davon ist Kummer“. Imam Sadeq (ع) sagte: „Wenn der Kummer zunimmt, erwähne „Es gibt keine Macht außer in Allah“.

4. Trauben essen hilft, wie es in den Überlieferungen des Propheten (ص) und der unfehlbaren Imame (ع) berichtet wird.

Fünftens: Schutz ist die effektivste Art und Weise vor Melancholie und Introvertiertheit. Der Islam hat konstruktive Lehrmethoden entwickelt, um jeden negativen Zustand, der die Behaglichkeit und das Glück eines Menschen zerstören kann, zu verhindern. Zunächst baut der Islam den Glauben in einem Menschen auf und dann festigt er diesen Glauben bis der Mensch das Niveau erreicht, in dem er von der Weisheit Allahs überzeugt ist und sich zufrieden gibt mit dem Schicksal, das Allah für ihn bestimmt hat.

Der Prophet (ص) sagte: „Allah ließ durch seine Weisheit und Gunst Behaglichkeit und Freude mit Sicherheit und Zufriedenheit einhergehen und Kummer und Sorgen mit Zweifel und Unzufriedenheit.“

Ein wahrer Gläubiger sieht die Gründe für Melancholie als belanglos an, insbesondere wenn er folgenden Koranvers rezitiert: „Es kann sein, dass ihr etwas hasst, und Gott veranlasst darin viel Gutes.“

Ein wahrer Gläubiger beneidet andere nicht, weil er weiß, dass „Neid die guten Taten frisst, wie das Feuer das Feuerholz frisst.“ Imam Ali (ع) sagte: ‚Ich habe niemand ungerechteren gesehen als denjenigen der beneidet: ständiges Keuchen, aufgewühltes Herz und endlose Sorgen‘. Ein wahrer Gläubiger trachtet nicht nach den materiellen Freuden dieses Lebens, weil er das islamische Konzept kennt über das irdische Leben, „es enttäuscht, zerstört und scheidet dahin.“

Ein wahrer Gläubiger unterwirft sich der Überlieferung vom Imam as-Sadeq (ع), die besagt: ‚Das irdische Leben zu lieben verursacht Kummer und Sorge, und sich davon loszulösen bereitet dem Herzen und dem Körper Behaglichkeit‘.

Ein wahrer Gläubiger hechelt nicht nach seiner Lust und Laune, die in seinem Inneren schlummern und denkt auch nicht darüber nach, denn er hat die Ermahnung des Propheten gehört (ص): ‚Die Lust eines Moments kann lang andauernde Sorge bringen‘.

Daher schützt sich ein Gläubiger bevor er in Melancholie verfällt. Das ist das Schutzschild des Glaubens, das den Menschen vor Melancholie und dergleichen bewahrt.

Lieber Bruder, lies diese Antwort deinem Vater vor und sage ihm:

1. Glaube an Allah und gehe mit der Hoffnung vor, das Glück des Paradieses zu erlangen, weil diese Haltung den Menschen für die Erschwernisse des Lebens Geduld und Ausdauer verleiht.

2. Sei aktiv und nicht träge.

3. Keine Fehler zu machen, ist kein Grund stolz zu sein. Stolz gebührt eher jenem, der seine Fehler meistert und sie behebt.

4. Lieber Vater, erhebe dich und bringe Licht auf deinen Weg und auf den Weg anderer, weil eine umgedrehte Kerze kein Licht gibt.

5. Hast du über Blumen nachgedacht und ihre Düfte gerochen? Wenn es keine Blumen im Leben gäbe, wären die Szenen der Schönheit unvollständig.

6. Glück ist eine Gabe von Allah. Warum erhebst du nicht deine Hände Richtung Himmel, um diese Gabe zu erhalten?

Schließlich kannst du ihm sagen, dass Sorge, Unmut, Angst und Melancholie den Menschen von Allah fortnehmen und deshalb sollte er Allah gedenken und Ihm nahe sein, um frei von all diesen psychischen Krankheiten zu sein. Sage ihm: „Komm schon, vergiss die Vergangenheit und ändere deinen und unseren Zustand zum Besseren durch die Hilfe Allahs.“

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