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Wednesday 3rd of June 2020
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Hochmut und Angeberei

Hochmut und Angeberei

 Hochmut bedeutet, den anderen gegenüber so tun, als sei man etwas Großes und Besseres. Dieses Fehlverhalten entsteht dadurch, dass jemand sich zeitweilig als großartig, zeitweilig aber auch als zu gering betrachtet und Minderwertigkeitsgefühle empfindet. Von Imam Jafar as-Sadiq (ع) wurde in diesem Zusammenhang nachstehende Definition überliefert: „Hochmut besteht darin, dass du die anderen als geringwertig betrachtest und dich der Wahrheit und Gerechtigkeit nicht unterordnest.“ Und anderes Mal sagte er: „Es gibt niemanden, der sich hochmütig verhält und Unrechtes erzwingen will, ohne dass dies die Folge von Selbstmissachtung und Schwäche wäre, die er in seinem Inneren gegen sich selbst verspürt.“

Hochmut ist zudem ein Zeichen für Mangel an Vernunft oder wie Imam Jafar as-Sadiq (ع) es ausdrückt: „In keines Menschen Seele ist etwas von Hochmut zu finden, es sei denn dass sein Verstand nicht auch in dem gleichen Masse nicht mehr und nicht weniger geschmälert wäre.“ Wer Wert und Stellung der eigenen Person so sieht wie sie sind, sich richtig einschätzt und zum unparteiischen Urteil bereit, die guten Eigenschaften der anderen eingesteht und die Wahrheit akzeptiert, der wird schon von selbst nicht überheblich werden. Der Hochmütige jedoch spürt, während er nach außen hin als großartig und selbstherrlich auftritt, in seinem tiefsten Innern Schwäche. Er weiß, dass es ihm an vielem mangelt und dies quält ihn. Anstatt, dass er aber danach strebt, dieses Manko mithilfe von Scharfsinn und Fleiß zu verringern, verschleiert er die Tatsachen und gibt, um sein Problem der Geringwertigkeit zu lösen vor, innerlich groß zu sein.

Dabei verfügt doch nur Gott über wahre Größe und Erhabenheit. In Ihm sind alle Tugenden in unbegrenzter Form vereint. Nur Er besitzt absolute Allmacht, Allwissen, Allherrschaft und unbegrenzte Herrlichkeit. Von eigener Größe zu reden, Seine Herrlichkeit und Erhabenheit zum Ausdruck zu bringen, steht allein Ihm zu, da Er wirklich groß und erhaben ist. Die anderen aber, die ja alle von Ihm erschaffen, behütet und verwaltet werden, die von sich aus nichts besitzen und alle Seine Untertanen darstellen, sind nicht würdig, sich etwas selbst als groß zu betrachten und hochmütig zu sein. Nein, anstatt dass sie, obwohl im Innern schwach und unfähig und weit entfernt von allen Tugenden, nach außen hin den Großartigen und Erhabenen spielen, sollten sie alles daran setzen, wirklich an Größe und Würde zu gewinnen, sowie mittels Aneignung einer besseren Moral sich in Richtung Gott hinentwickeln und Ihn anstreben.

Imam Jafar as-Sadiq (ع) hat einmal folgendes gesagt: „Hochmut tritt unter schlechten Menschen in Erscheinung, denn Größe und Erhabenheit sind göttliches Schmuckgewand und ein jeder, der mit Gottes Herrlichkeit und Würde konkurrieren will und versucht, sich als großartig heraus zu tun, dem vermehrt Gott nur seine innere Schwäche und Niedertracht.“ Hochmütige bedeuten eine Gefahr für das Gesellschaftsleben. Sie sind derartig selbstherrlich, dass sie sich einbilden, nur die eigene Meinung und Meinungsäußerung träfe zu, obwohl sie ja in Wirklichkeit ausschließlich in allem ihren persönlichen Vorteil suchen und nur an das Ansehen und Image ihrer selbst denken. Die verschiedenen würdevollen Kompetenzen eines Menschen sind sämtlich nur in ihnen vereint und in keinem anderen, so glauben sie zumindest und schenken folglich der Meinung und dem Recht, Ansehen und der Position anderer keinerlei Beachtung.

Sie erwarten, dass alle ihnen gehorchen und dienen. Alle das wollen, was sie wollen und ihnen auf jedem Fest und jeder Versammlung ehrerbietig den Weg freimachen. Alle sich nur ihrer Meinung unterwerfen und sämtlich ihnen huldigen. Und genau sie, die Hochmütigen, sind es auch, die nach und nach zu Abgöttern werden, zu Abgöttern, da sie sich eigensinnig und ihren Lauen folgend das Recht anmaßen, die anderen beliebig zu unterdrücken und nach Herzenslust Gewalt gegen sie auszuüben. Abgötter deshalb, weil sie sich als uneingeschränkt bevollmächtigt halten, über Tod und Leben, Gut und Habe und Ansehen eines Volkes zu bestimmen und damit einen Zustand in der Gesellschaft hervorrufen, der zu verurteilen ist und genau im Widerspruch zu den erzieherischen und sozialen Grundsätzen des Islams steht. Der Islam betrachtet alle Menschen im gleichen Maße als Wesen, die der eine und einzige Gott erschaffen hat. Jedem einzelnen stehen dabei die allgemeinen Grundrechte sowie der Anspruch auf Respektierung zu und niemand darf seines Rechtes beraubt, in seinem Ehrgefühl verletzt oder gleichgültig behandelt werden, auch nicht die sozial gesehen Allerschwächsten einer Gesellschaft. Sich selbst als höhergestellten Menschen und unbeschränkten Herrscher über die anderen zu betrachten, dazu ist im Islam keiner ermächtigt.

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      So tretet durch die Tore der Dschahannam ein, um darin zu wohnen. Schlimm ist wahrlich die Wohnstatt der Hochmütigen. 16:29
      
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      Und am Tage der Auferstehung wirst du diejenigen, die über Allah logen, mit geschwärzten Gesichtern sehen. Ist nicht in Dschahannam ein Aufenthalt für die Hochmütigen? 39:60
      
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      "Und wenn zu ihnen gesprochen wird: ""Kommt her, der Gesandte Allahs will für euch um Verzeihung bitten!"", dann wenden sie ihre Köpfe zur Seite, und du siehst, wie sie sich in Hochmut abkehren." 63:5
      
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      Wahrlich, denjenigen, die Unsere Zeichen für Lüge erklären und sich mit Hochmut von ihnen abwenden, werden die Pforten des Himmels nicht geöffnet werden, noch werden sie in das Paradies eingehen, ehe denn ein Kamel durch ein Nadelöhr geht. Und so belohnen Wir die Verbrecher. 7:40
       

Eine kleine Geschichte zu Hochmut

Bei einer Zusammenkunft hatten sich die Gefährten um den Propheten (ص) versammelt. Da kam ein armer, in Lumpen gekleideter Mann herein. Nach islamischer Sitte setzt sich der Neuankömmling ohne Ansehen der Person dorthin, wo ein Platz frei ist. Er sucht sich keinen besonderen, seiner gesellschaftlichen Stellung entsprechenden Platz aus. Der Mann schaute sich um, fand einen freien Platz und setzte sich dort hin. Zufällig setzte er sich neben einen angesehenen und reichen Mann. Der Reiche rückte zur Seite und hielt Abstand. Der Prophet (ص), der ihn beobachtete, wandte sich an ihn und fragte: "Hast du befürchtet, er könnte dich mit seiner Armut anstecken?" Der Reiche antwortete: "Nein, Gesandter Gottes." - "Warum dann bist du zur Seite gerückt und hast Abstand gehalten?", fragte der Prophet (ص) nach. "Ich gebe zu, ich habe mich geirrt und einen Fehler gemacht. Um diesen Fehler wieder gutzumachen und diese Schuld zu sühnen, bin ich bereit, die Hälfte meines Vermögens diesem muslimischen Bruder, dem ich Unrecht getan habe, zu schenken", sagte der Reiche. Der lumpenverhüllte Mann antwortete: "Ich nehme es aber nicht an." Die Versammlung war erstaunt und fragte: "Warum nicht?"

"Weil ich fürchte, ich könnte eines Tages so von Hochmut befallen sein, dass ich einen muslimischen Bruder genauso behandeln könnte, wie dieser Mann mich behandelt hat", war die Antwort.


source : .al-shia
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