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Saturday 5th of December 2020
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Bittgebet vor Siffin

171. Predigt – Bittgebet vor Siffin

 

Als er (a.) sich entschloss, dem Gegner bei Siffin entgegenzutreten, sprach er (a.) folgendes Bittgebet:

 

Oh Allah, Herr des erhöhten Himmels und der eingefassten Luft, die Er zum Quell für Tag und Nacht gemacht hat (d.h. für Helligkeit und Dunkelheit) und als Umlaufbahn für die Sonne und den Mond, verschiedenartige, umherziehende Sterne. Und eine Gruppe von Deinen Engeln hast Du als Bewohner für sie gemacht, die nicht müde werden, Dir zu dienen. Herr dieser Erde, die Du als Niederlassungsplatz für die Menschen gemacht hast, sowie als Straße für die Insekten und das Vieh und unzähliger (anderer Wesen), die sichtbar und unsichtbar sind. Herr der hoch aufgerichteten Berge, die Du zu Stützpfeilern für die Erde und als verlässlichen Schutz für die Menschen gemacht hast. Wenn Du uns über unseren Gegner den Sieg verleihst, dann halte Ungerechtigkeit von uns fern und lenke uns zur Wahrheit, und wenn Du sie über uns obsiegen lässt, so gewähre uns den Märtyrertod und schütze uns vor der Zwietracht.

Aufruf zum Kampf

 

Wo sind diese, welche die Ehre verteidigen und die dafür Eifernden, welche die Treuen entschlossen und mit Einsatz verteidigen in der Zeit der Härte? Die Schande ist hinter euch, während das Paradies vor euch liegt!

Erläuterung

 

Über die Tatsache, wie Imam Ali (a.) von vielen immer wieder im Stich gelassen wurde, wurde bereits in den Erläuterungen der vorangegangenen Predigten berichtet. Hier folgt als Ergänzung das Bittgebet, dass er für sich und seine Getreuen spricht.

 

 

 

172. Predigt – Über die Beratungsversammlung

 

(Diese Predigt wurde gehalten) über die Beratungsversammlung [schura] und die Kamelschlacht.

 

Alle Lobpreisung gehört Allah, vor Dem der Himmel keinen anderen Himmel verdecken kann noch die Erde eine (andere) Erde.

Der Tag der Beratungsversammlung [schura]

 

Jemand sagte (zu mir): „Oh Ibn Abi Talib, du bist gierig auf diese Sache (das Kalifat)“, und ich habe zu ihm gesagt: „Aber bei Allah, ihr seid gieriger (danach), wiewohl ihr weiter (davon) entfernt seid, während ich dafür distinguierter und (ihm) näher bin. Ich habe nur das gefordert, was mein Recht ist, während ihr versucht, zwischen ihm und mir durch Listen dazwischen zu gehen und mein Antlitz davon abwendig zu machen.“ Als ich ihn vor der versammelten anwesenden Zuhörerschaft mit Beweisen bezwang, stürzte er plötzlich los und war sprachlos und wusste nicht, was er mir antworten sollte.

Seine Bitte an Allah um Hilfe gegen die Quraisch

 

Oh Allah, ich bitte Dich um Beistand gegen die Quraisch[1] und gegen die, die ihnen helfen! Sie haben (mein Recht auf) die Verwandtschaft (zum Propheten) abgeschnitten, meine hohe Stellung klein gemacht, sich gegen mich zusammengeschlossen, um mit mir zu streiten über die Sache (des Kalifats), das mir zusteht. Dann sagten sie: „Höre, es ist recht, wenn du es an dich nimmst, und es ist recht, wenn du es lässt (das Kalifat).“

Leute der Kamelschlacht

 

Ein Teil der gleichen Predigt, in der er (a.) die Leute der Kamelschlacht beschreibt

 

Sie[2] kamen hervor und zerrten die Frau des Gesandten (s.) Allahs herbei wie eine Sklavin, die zum Verkauf gezerrt wird. Sie nahmen mit ihr Kurs auf Basra, schlossen ihre eigenen Frauen in ihre Häuser ein und ließen die Frau des Gesandten (s.) Allahs für sie und andere vortreten, in einem Heer, in denen es keinen Mann gab, der mir nicht (zuvor) seinen Gehorsam gezollt hatte und mir großzügig den Treueid geschworen hatte, aus freiem Willen ohne Zwang.

 

(Hier in Basra) gingen sie zu meinem dortigen Gouverneur und dem Schatzmeister des öffentlichen Staatsschatzes [bait-ul-mal] und anderen ihrer (Basras) Bewohner. Eine Gruppe von ihnen töteten sie in Gefangenschaft und eine andere Gruppe durch Verrat. Doch bei Allah, wenn sie nur auf einen einzigen Mann von den Muslimen geschossen hätten mit der Absicht, ihn zu töten, ohne Verbrechen, dann wäre es für mich erlaubt gewesen, jenes gesamte Heer zu töten, da sie anwesend waren, es aber weder missbilligten noch es mit Zunge und Hand verhinderten, abgesehen davon, dass sie die gleiche Anzahl der Muslime getötet hatten, mit der sie bei ihnen einmarschiert waren.

Erläuterung

 

Der „Jemand“, der am Anfang der Predigt erwähnt wird, dürfte Sa´d ibn Abi Waqqas sein. Bei der Beratungsversammlung wiederholte er, was der Kalif Umar in seinen letzten Stunden gesagt hatte, nämlich: „Oh Ali, du bist sehr gierig auf das Kalifat“, und Imam Ali (a.) antwortete sinngemäß: „Wer das ihm zustehende Recht einfordert, kann nicht als gierig bezeichnet werden; vielmehr ist der gierig, der ihn daran hindert, sein Recht zu sichern und es zu ergreifen versucht, obwohl er dafür nicht geeignet ist.“ Es besteht kein Zweifel, dass der Befehlshaber der Gläubigen (a.) das Kalifat als etwas betrachtete, das ihm zustand und sein Recht einforderte. Die Forderung nach einem Recht vertreibt das Recht nicht, so dass es als Ausrede benutzt werden könnte, ihm das Kalifat nicht zuzuteilen und die Forderung danach als ein Zeichen von Gier bewertet werden könnte. Selbst wenn es Gier gewesen wäre, wer war nicht in diese Gier verwickelt? War denn nicht der Streit zwischen den Helfern [ansar] und den Auswanderern [muhadschirun], das gegenseitige Bekämpfen der Mitglieder der Ratsversammlung und die Unheilstiftung von Talha und Zubair das Ergebnis gerade dieser Gier? Wenn der Befehlshaber der Gläubigen (a.) auf diese Position gierig gewesen wäre, hätte er darauf bestanden und vor den Konsequenzen und Resultaten die Augen verschlossen, und als der Onkel des Propheten (s.) Abbas und Abu Sufyan Druck auf ihn ausübten, den Treueid zu akzeptieren, und als nach dem dritten Kalifen die Leute ihn bedrängten, um ihm den Treueid zu schwören, hätte er ihr Angebot angenommen, ohne den verschlechterten Bedingungen Aufmerksamkeit zu widmen. Aber der Befehlshaber der Gläubigen (a.) tat zu keiner Zeit irgendeinen Schritt, der zeigen könnte, dass er das Kalifat um des Kalifats willen gewollt hätte, vielmehr erfolgte seine Forderung nach dem Kalifat nur mit dem Ziel, dass dessen Beschaffenheit nicht verändert und so die Religion geschützt wird, und nicht, damit er die Vergnügungen des Lebens genießen könnte, was als Gier gewertet werden könnte.

 

Ibn Abu´l Hadid schrieb in seiner Erklärung, dass der Befehlshaber der Gläubigen (a.) dieses zu sagen beabsichtigte: „Sie[3] waren nicht allein damit zufrieden, mich von meinem Recht auf das Kalifat fernzuhalten, was sie mir enteignet haben, sondern sie behaupteten auch, dass es ihr Recht sei, es mir zu gewähren oder mich daran zu hindern, und dass ich kein Recht habe, mit ihnen zu diskutieren.“

 

Außerdem war die Absicht (Imam Alis, a.) folgende: „Wenn sie nicht gesagt hätten, dass es rechtmäßig sei, mich vom Kalifat fernzuhalten, dann wäre es leicht gewesen, es auszuhalten, weil dies letztendlich gezeigt hätte, dass sie mein Recht zugegeben haben, obwohl sie nicht bereit waren, es (mir) einzuräumen.“

 

[1] Der Stamm, aus dem sowohl die Ahl-ul-Bait und viele Anhänger als auch die größten damaligen Feinde des Islam stammen.

 

[2] Gemeint sind Talha und Zubair

 

[3] Gemeint sind die Quraisch und ihre Helfer [ansar]

 

 

173. Predigt – Wer des Kalifats würdig ist

 

(Diese Predigt wurde gehalten) über Allahs Gesandten (s.), wer des Kalifats würdig ist, und über die Verächtlichkeit des Diesseits.

Über Allahs Gesandten (s.)

 

Der Gesandte Allahs war der Treuhänder Seiner Offenbarung, das Siegel Seiner Gesandten, der Bringer Seiner frohen Botschaft der Barmherzigkeit und der Warner vor Seiner Strafe.

Die Würdigkeit für das Kalifat

 

Ihr Menschen, wahrlich, der, der für diese Angelegenheit (des Kalifats) am meisten berechtigt ist, ist der, der am stärksten dafür unter euch (geeignet) ist und der am meisten Wissen über Allahs Befehl diesbezüglich hat. Wenn durch einen Unruhestifter der Frieden gestört wird, wird von ihm verlangt, dem Recht zuzustimmen, doch wenn er sich weigert, dann wird er bekämpft werden. Bei meinem Leben, wenn das Imamat nicht beschlossen worden wäre, bevor die Masse der Leute anwesend war, dann hätte es keinen Weg dahin gegeben (es mir zu verweigern). Aber die, die dem zugestimmt hatten, urteilen über jemanden, der nicht dabei anwesend ist. Dann konnte der Anwesende nicht von dieser (Entscheidung) zurücktreten, noch konnte der Abwesende wählen. So wisset, dass ich zwei Männer bekämpfen werde: Den, der das in Anspruch nimmt, was ihm nicht zusteht, und den anderen, der das von sich weist, was für ihn verpflichtend ist.

Notwendigkeit der Weisheit beim Kampf gegen Abtrünnige

 

Ich rate euch, ihr Diener Allahs, zur Gottesehrfurcht, denn das ist das Beste, was sich die Diener (Allahs) gegenseitig raten können, und sie ist der beste Ausgang der Dinge bei Allah. Die Tür zum Krieg zwischen euch und den Leuten der Qibla (d.h. den anderen Muslimen) wurde bereits geöffnet, und dieses Banner kann nur jemand tragen, der Scharfsicht, Standhaftigkeit und das Wissen über die Stellung der Wahrheit besitzt. So wendet euch dem zu, was euch befohlen wurde, und macht bei dem Halt, das euch verwehrt wurde.

Die Verächtlichkeit des Diesseits

 

Fürwahr, es ist wirklich das Diesseits, das ihr zu begehren begonnen habt und nach dem ihr strebt, und es ist dahin gekommen, dass es euch (manchmal) zornig macht und euch (manchmal) zufrieden stellt. Es ist nicht eure (dauerhafte) Heimstätte und nicht eure Wohnung, für die ihr geschaffen wurdet, noch die (Wohnung), zu der ihr eingeladen wurdet. So seht, es wird euch nicht (für immer) bleiben, noch werdet ihr (in) diesem (Diesseits für immer) bleiben. Wenn euch etwas davon betrogen hat, dann seid ihr bereits vor dessen Übel gewarnt worden. So lasst dessen Trug beiseite zugunsten der Warnung davor sowie das Begehren danach zugunsten der Furchteinflößung davor. So wetteifert darin zu der Heimstätte, zu der ihr eingeladen wurdet, und wendet eure Herzen von diesem (Diesseits) ab. Niemand von euch soll schluchzen wie eine Sklavin über das, was ihm von diesem (Diesseits) weggenommen wurde. So strebt nach der Vervollkommnung des Gnadengeschenks Allahs an euch durch die Standhaftigkeit im Gehorsam gegenüber Allah und der Bewahrung dessen, was Er von euch zu bewahren verlangt hat, (nämlich) Sein Buch. Fürwahr, der Verlust irgendeiner Sache eurer (diesseitigen) Welt kann euch keinerlei Schaden zufügen, nachdem ihr die Grundpfeiler eurer Religion bewahrt habt. Und wahrlich, wisset auch, dass euch nach dem Verlust eurer Religion nichts von eurem Diesseits nützen kann, das ihr euch bewahrt habt. Möge Allah unsere und eure Herzen zur Wahrheit bringen, und möge Er uns und euch zu Standhaftigkeit inspirieren!

Erläuterung

 

Als sich die Leute im Zusammenhang mit der Wahl zum Kalifen in Saqifa versammelt hatten, mussten sich sogar die, die dort nicht anwesend gewesen waren, den dort getroffenen Entscheidungen beugen. Man führte das Prinzip ein, dass die, die bei der Versammlung anwesend gewesen waren, kein Recht darauf hatten, die Angelegenheit noch einmal zu überdenken oder den Treueid an Abu Bakr zu brechen und dass die, die bei der Wahl nicht dabei waren, die getroffene Entscheidung nur hinzunehmen hatten. Doch als Jahre später die Bewohner von Medina dem Befehlshaber der Gläubigen (a.) den Treueid leisteten, weigerte sich Muawiya, der Gouverneur von Syrien, mit der Begründung, dass er bei der Wahl Imam Alis (a.) nicht anwesend gewesen war und daher nicht verpflichtet sei, sich daran zu halten, worauf der Befehlshaber der Gläubigen (a.) eine Antwort in der obigen Predigt über die Doppelzüngigkeit jenes Verhaltens gab in dem Sinn: „Da die Bewohner von Medina, die Helfer [ansar] und die Auswanderer [muhadschirun], mir in meine Hand den Treueid geschworen haben, hatte Muawiya kein Recht, sich davon fernzuhalten unter dem Vorwand, er sei nicht dabei anwesend gewesen, noch waren Talha und Zubair berechtigt, den Treueid zu brechen, nachdem sie ihn (selbst) geschworen hatten.“

 

Bei dieser Gelegenheit argumentierte der Befehlshaber der Gläubigen (a.) nicht kraft irgendeiner Aussage des Propheten (s.), die als endgültiger Befehl über das Kalifat dienen könnte – obwohl es die Aussagen gab – weil die Gründe für die Weigerung in diesem Fall in der Vorgehensweise des Wahlprinzips lagen. Entsprechend den Erfordernissen der Situation konnte daher nur eine Antwort aufgrund der vom Kontrahenten akzeptierten Prinzipien selbigen zum Schweigen bringen. Selbst wenn er kraft eines Befehls des Propheten (s.) argumentiert hätte, wäre das zum Objekt verschiedener Interpretationen geworden und die Angelegenheit wäre in die Länge gezogen statt gelöst zu werden.

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Kyanna
Hey, good to find smoeone who agrees with me. GMTA.
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2011-08-04 19:23:12