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Wednesday 25th of November 2020
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Warum der letzte Prophet?

Warum der letzte Prophet?

Seyyed Modjtabaje Musawi

Der Prophet des Islams ist der letzte aller von Gott ausgesandten Propheten! Dieser Grundsatz gilt als wichtiges Kernstück unserer Religion und bedeutet somit, daß nach dem Überbringer des Islams kein neuer Gottgesandte in Erscheinung treten wird.

Wenn immer vom Islam die Rede ist, so bleibt die Rolle des Propheten als Endglied in der Kette der Gottgesandten unübersehbar. Welcher Moslem wird, wenn er an Mohammad (s.a.s.) denkt, nicht sofort immer wieder in ihm auch den letzten aller Propheten sehen? Welcher wird daran zweifeln, daß der heilige Koran die letzte vonseiten Gottes offenbarte Botschaft an die Menschen darstellt?!

In keiner anderen Lehre außer der des Islams treffen wir das Phänomen an, daß diese Lehre bekannt gibt, die letzte aller Botschaften zu sein. Und keiner der vom Himmel her Beauftragten und Auserwählten hat je gesagt, daß seine Botschaft bis zum Ende aller Zeiten gälte.

Der Sonnenaufgang des Islams am Horizont der Menschheit liegt inzwischen mehr als 14 Jahrhunderte zurück. 14 Jahrhunderte lang wird der Prophet des Islams als letzte aller Propheten genannt, der Prophet, welcher die von Gott herabgesandten Gebote vervollständigte und abschloß und es,

 

bewies seine Botschaft mit ihrem wirkungsvollen, überreichen Inhalt, ihrem einleuchtenden Grundsatzprogramm auch durch diesen langen Zeitraum hindurch, daß sie den Rang des vervollkommenden Endgliedes in der Reihe der von Gott erfolgten - durch Propheten übermittelten - Botschaften verdient.

Im Gegensatz zu den vorangegangenen religiösen Lehren, die nicht über einen bestimmten Zeitraum oder Ort hinausgingen, kennt der Islam keine solche Begrenzung. Er geht über Ort und Zeit hinaus und ist die Zusammenfassung und das allseitige Resümee aller zuvor herabgesandten göttlichen Offenbarungen.

Und auch der heilige Koran zeichnet Mohammad (s.a.s.), wenn er dessen strahlende Erscheinung beschreiben will damit aus, daß er jener Gottgesandte ist, durch den das Kapitel der Prophetschaft abgeschlossen wird.

An dieser Stelle fragt es sich, wie der scheinbare Widerspruch zu lösen ist, nämlich der zwischen der Erforderlichkeit einer - zur Dynamik und Belebung führenden Aussendung von Propheten auf der einen Seite und dem Abbruch des Phänomens aufeinanderfolgender Propheten auf der anderen. Wie kann zwischen der Unumstößlichkeit islamischer Anordnungen und dem Prinzip der gesellschaftlichen Umwandlung bzw. der Suche nach

 

neuen Bedeutungen und neu einzusetzenden Regelungen eine Harmonie hergestellt werden?

Infolge technischer und industrieller Fortschritte hat sich der Mensch inzwischen in ein Wesen verwandelt, das stetig nach Neuem ausschaut, das in allen Bereichen seines Lebens eine Brücke zu immer wieder anderen Grundsätzen und neuen Systemideen zu schlagen wünscht. Kann daher ein solcher Mensch sein Leben und die Umwandlungen in seiner Gesellschaft mit Hilfe einer Religionslehre regeln, die vor mehr als 14 Jahrhunderten in Erscheinung trat und ihn zur Beachtung einer ganzen Reihe von festen Wertstellungen und bleibenden Gesetzen auffordert sowie von jeder Art von Meinungsänderung in bezug auf die überlieferten Bestimmungen abhält?

Diese Frage wird durch den Islam selbst erwidert. In ihm wurde das Ende der Aussendung von Propheten bekanntgegeben und er selbst löst die scheinbaren Widersprüche durch entsprechende Antworten:

Einer der Gründe dafür, daß zuvor wiederholt Botschaften von Gott ausgingen und wiederholt seine Propheten auftraten, ist in den Änderungen und Fälschungen zu sehen, die die Himmelsbücher vorangegangener Gottesboten mit den Zeit erfuhren, und aufgrund derer ihre ursprüngliche Eignung als Mittel zur Führung und Lenkung der Menschheit verlorenging.

Sobald diese Menschheit aber die Rangstufe geistiger Entwicklung und Fähigkeit erreicht hat, auf der sie religiöse Gesetze und Lehren auch

 

in die Zukunft hinein vor Abänderungen und vor Entstellungen zu bewahren in der Lage ist und sie verbreiten kann, fällt der wichtigste Grund zur erneuten Aussendung und zur Überbringung einer neuen Botschaft für immer flach.

Die Ära, in der der Prophet des Islams erschien war jenen Zeitabschnitten, die mit dem Auftreten der anderen Propheten zusammenfielen, voraus, denn die Menschheit hatte ihr geistiges Erwachsensein begonnen. Und so waren die Bedingungen dafür geschaffen, die Prophetschaft zu vollenden, zu beenden. Dieser - einen wichtigen Grundpfeiler im Glauben darstellender - Abschluß der Aussendung von Gottgesandten konnte dank gesellschaftlicher Reife und dank zunehmenden Wissens und dem In-Erscheinung-Treten der Wissenschaft erfolgen und deshalb, weil der Mensch nunmehr das Niveau erreicht hatte, die für ihn von Gott herabgesandte Religion so, wie sie ist, zu bewahren und für sie zu werben, sie zu verbreiten. Die Aufgabe einer solchen Werbung, aufklärung, Führung und Lenkung konnte somit den Händen von Gelehrten und Ulamas(religiösen Gelehrten) anvertraut werden. Nach Abbruch der göttlichen Missionen, obliegt es nunmehr der Menschheit, mit Hilfe der letzten heiligen Schrift und unter Zuhilfenahme der eigenen kulturellen und sozialen Entwicklung das geschichtliche Erbe und die geistig - seelischen Errungenschaften aufrechtzuerhalten, zu bewahren,

 

und die Entstellung und Änderung der letzten Offenbarungsschrift zu verhindern. Die Verantwortung für diese letzte Botschaft Gottes lag und liegt nicht mehr auf den Schultern nur einer Person, sondern wurde auf viele Schultern verteilt, wandelte sich von der individuellen zur kollektiven Aufgabe um.

Der Koran spricht in Sure AI-Emran, Aje 104:

"Aus euch all eine Gemeinschaft sein, die zum Guten aufruft, gebietet, was recht ist und von dem abhält, was verwerflich."

Im Laufe gesellschaftlicher Umwandlungen erreicht der Mensch letztendlich eine Phase, in der schrittweise chirurgische Eingriffe(wie Reformen) keine Wirkung mehr zeigen. In einer solchen Phase schickt er sich zur Schaffung einer neuen Ordnung an. Hier wird es der prophetischen Mission zur Aufgabe, die Verbindung vom Punkt des Abbruches zur Bahn des Fortdauerns zu schaffen. Und hier obliegt es wiederum den Menschen, ihre eigene Zukunft zu bestimmen, d.h. sie haben mit offenen Augen, Klugheit und Erforschung dessen, was ihnen durch göttliche Offenbarung zuteil wurde, den richtigen Entschluß zu fassen.

Es muß auf der Kreuzung dieser Entscheidungsphase eine geistige und gesellschaftliche Ordnung bereitstehen. Eine Ordnung, die menschliches Denken und Handeln von der Last hemmender, zermürbender, innerer und äußerer Abhängigkeiten befreit.

 

Eine Ordnung zur Regelung eines ununterbrochenen und im Zeichen Gottes stehenden Mühens um das Gute im Tun und im Gedanklichen.

Die Grundrisse und Grundsätze einer solchen Ordnung werden durch den heiligen Koran, dieses ewige göttliche Wunder, dargelegt und aufgezeigt. Und mit dieser Denkweise und dank dieses kulturellen Planes eilt der Mensch, sich seinen Weg glättend, voran und strebt immer weiter vorwärts, aufwärts.

Der Koran stellt unter den anderen Himmelsschriften das einzige heilige Buch dar, welches im Laufe der Zeit keinen Schaden erlitt. Sein Inhalt blieb unberührt, unverfälscht, intakt, und er besteht eindeutig aus Lehren voller Kreativem, an denen wir immer wieder aufs neue Neues entdecken können.

Im Vers 9, Sure Hedjr, lesen wir:

"Wir selbst haben diese Schritt herabgesandt und wir geben auch auf sie acht."

Indirekt enthält diese Aje den Hinweis darauf, daß der wichtigste Grund, der die wiederholte Aussendung von Propheten erfordert hatte, weggefallen ist. Man muß im Auge behalten, daß, wenn der Moslem an das Vorhandengewesensein aller göttlichen Gesandten glaubt, dies gleichbedeutend ist mit der Überzeugung von einem Vorgang, der ununterbrochen die Geschichte durchzog und sich seit Anbeginn der Menschheit und

 

Anbeginn der ersten gesellschaftlichen Formen an der Front des Rechts gegen das Unrecht bewegte. Ein Vorgang, der sich bis zum endgültigen, entscheidenen Sieg des Rechts und des Rechten in die Zukunft fortsetzen wird, wobei hinzuzufügen ist, daß der Weg jedes Propheten und damit Überbringers von Erkenntnis bun geistiger Entwicklung über die jeweils zur Zeit in der Gesellschaft gegebene Kapazität und Möglichkeiten führte.

Das Vorliegen von teilweisen Unterschieden in den religiösen Gesetzen und Vorschriften beeinflußt keineswegs das Wesen und die Grundlagen der einen und in allen Missionen enthaltenen göttlichen Religion. Derartige Nichtübereinstimmungen betreffen lediglich sekundäre Richtlinien und Nebenbestimmungen, sind jedoch nicht der Art, daß sie grundlegende Differenzen in bezug auf Lebensanschauung und Lehre darstellen könnten.

Fehlentwicklungen und Abweichungen von der ursprünglichen Lehre sind grundsätzlich nur durch eine weit gefächerte und spezielle Vorgehensweise wieder korrigierbar und diese Vorgehensweise muß den konkreten Umständen entsprechend programmiert werden.

Wenn wir demnach beim Vergleich des Lebenswerkes eines Propheten mit dem eines oder mehrerer anderer teilweise Nicht-Übereinstimmung hinsichtlich der Methodik antreffen, so bleibt die gemeinsame Basis und das Grundziel aller G ott g e s an d t e n stets von diesen Nicht-Übereinstimmungen unberührt.

 

Sie alle wollen jene Menschen, die in ihrer Zeit im kulturellen und gesellschaftlichen Dunkel zubringen und von sich aus die eigentliche Wahrheit und Realität nicht erfassen können, neu erziehen und ihren Gedanken die rechte Form geben.

Daher liegt grundsätzlich keinerlei Widerspruch zwischen den prophetischen Botschaften der einzelnen Gottgesandten vor. Der heilige Koran sagt in Sure Ma'ede, Aje 46:

"Und wir sandten - nach den Propheten - Jesus, den Sohn der Maria, aus, der bestätigte, was vor der Thora des Moses da war..."

Quelle: Gottes letzte Botschaft an die Menschheit.

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