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Friday 22nd of February 2019
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Kommentar zu Sport-Sperre : Konsequente Ringer langen richtig zu

 Kommentar zu Sport-Sperre : Konsequente Ringer langen richtig zu

Drei muslimische Ringer verweigern einer deutschen Schiedsrichterin den Handschlag – aus religiösen Gründen. Nun werden sie bis August gesperrt. Die genaue Strafe ist aber zweitrangig. Interessant ist etwas anderes.

Es war der erste Titel des neuen Jahres in der „Bild am Sonntag“: „Handschlagstreit: Kann man von Muslimen in Deutschland erwarten, dass sie Frauen die Hand geben – oder ist das zu viel verlangt?“ Am 21. Dezember leitete Ramona Scherer den Auftritt des Ringerteams der RWG Hanau-Erlensee beim AC Bavaria Goldbach. Verbandsliga Hessen Nord-Ost, rund 50 Zuschauer, schrieb der Reporter der „Mainpost“ zwei Tage später. Goldbach siegte 32:0, weil der Russe Junady Bisultanow, sein Bruder Naschawdy und der Bulgare Sunay Hamidow sich weigern, von Ramona Scherer angefasst zu werden.

„Als ich die Fingernägel kontrollieren wollte, sind sie zurückgezuckt“, wurde die Schiedsrichterin in der „Mainpost“ zitiert. Als die drei dann den Handschlag mit ihr auf der Matte verweigerten, disqualifizierte Ramona Scherer wie angekündigt die Ringer und entsprechend der Regeln. Die drei Muslime gaben an, ihre Kämpfe seien noch nie von einer Frau geleitet worden, für ihre Verweigerung hätten sie religiöse Gründe. Hamidow sagte den Reportern der „Bild am Sonntag“ später, er habe mit seiner Haltung den Partner der Schiedsrichterin ehren und seiner Frau eine Freude machen wollen. Grund zur Aufregung?

Die drei Ringer, die seit mehreren Jahren in Deutschland kämpfen, wurden nun vom hessischen Ringer-Verband wegen verbandsschädigenden Verhaltens gesperrt, bis einschließlich 31. Juli. Das ist konsequent. Wer mit dem Regelwerk des eigenen Sports in Konflikt steht, aus welchem Motiv auch immer, darf nicht antreten. Die Fingernägel, die Kontrolle des Rückens – trocken oder eingeölt? –, das Heben der Siegerfaust, ohne Körperkontakt mit dem Schiedsrichter funktioniert Ringen nicht. Das ist eindeutig und insofern das Gegenteil eines Streits.

Ob die Ringer mit dem Ausschluss oder mit Gelegenheit zur Bewährung oder einer Art tätiger Reue oder aber mit allem angemessen sanktioniert sind, ist letztlich zweitrangig. Interessant ist, dass es einen solchen Fall im hessischen Ringer-Verband, der zwölf Mädchen und Frauen als Kampfrichterinnen aufführt, bislang nicht gegeben haben soll. Ramona Scherer, die Bundesliga-Kämpfe geleitet hat, erklärte dem Publikum in Goldbach anschließend, so etwas sei ihr noch nie vorgekommen. Angesichts der Popularität des Ringens in Ländern, in denen soziokulturelles Verhalten ausgelebt wird, das durch eigenwillige Interpretationen religiöser Vorschriften – nicht nur des Islams – geprägt wird, ist das eine ermutigende Aussage.

Offenkundig sind die Ringer nicht auf dem schlechtesten Weg, schließlich stehen in deutschen Vereinen viele Muslime auf der Matte, ohne Berührungsängste, ohne Streit. Wie der – vielfach ehrenamtlichen – Integrationsarbeit der Sportvereine geholfen werden kann? Mit mehr Schiedsrichterinnen. Und mit dem Verweis auf den konsequenten Umgang der hessischen Ringer mit den drei Sportlern, falls es anderswo hapert mit dem nötigen, unabdingbaren Respekt auch vor Schiedsrichterinnen – ganz gleich aus welchem Motiv.

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