Deutsch
Friday 22nd of February 2019
  38
  0
  0

Die böse Weißheit

Die böse Weißheit

Feminismus als Legitimation des Schleiertragens, Laizismus zur Begründung religiöser Forderungen? In Frankreich wehren sich Intellektuelle gegen die in ihren Anfängen emanzipatorische Bewegung des Dekolonialismus.

Im vergangenen Juli wurde der Begriff „Rasse“ aus der französischen Verfassung gestrichen, in den akademischen Institutionen ist er dagegen Gegenstand eines Kulturkampfs, in dem es um den „Hegemonieanspruch“ an den Universitäten geht. In die Öffentlichkeit kam die Debatte durch ein Manifest, das achtzig namhafte Intellektuelle im Nachrichtenmagazin „Le Point“ veröffentlichten. Der aus den „postkolonialen Studien“ hervorgegangene „Dekolonialismus“, schreiben die Autoren, sei zur Ideologie geworden: Sie wird als wissenschaftliche Wahrheit ausgegeben, die Gegner würden diskreditiert und des Rassismus wie der Islamophobie bezichtigt. Außerdem verweigerten sich die „Dekolonialisten“ jeglicher Debatte. Ihre seien eine Form von intellektuellem Terror. Unterzeichnet haben dieses Manifest unter anderen Élisabeth Badinter, Alain Finkielkraut, Jean-Pierre Le Goff, Pierre Nora, Mona Ozouf und auch der algerische Schriftsteller Boualem Sansal.

Es stützt sich auf eine breite Bestandsaufnahme. Die „dekoloniale Bewegung“, so die Autoren, werde von mehr als zwei Dutzend Vereinigungen getragen, die Zugang zu Theatern, Museen und Universitäten haben. Ein vor kurzem in der renommierten „Fondation Maison des Sciences de l’homme“ zum Thema „Gender, Nation, Laizismus“ veranstaltetes Seminar befasste sich mit Themen wie „Gender-Kolonialismus“, „Weißer Feminismus“, „Gender–Rasse–Macht“. Eine in ihren Anfängen emanzipatorische Bewegung würde auf diese Weise in ihr Gegenteil verkehrt, meinen die Unterzeichner des Manifests: „Mit dem Feminismus wird das Tragen des Schleiers legitimiert. Mit dem Laizismus werden die religiösen Forderungen begründet. Der Universalismus muss die ethnische Absonderung der Parallelgesellschaften rechtfertigen.“ Eine Selbstverständlichkeit sei für die „Dekolonialisten“, einen „Staatsrassismus“ anzuprangern und gleichzeitig von ebendiesem Staat Wohlwollen wie Subventionen einzufordern und auch zu bekommen.

 

  38
  0
  0
امتیاز شما به این مطلب ؟

latest article

      Kommentar zu Sport-Sperre : Konsequente Ringer langen richtig zu
      Die böse Weißheit
      Drei Männer nach Moscheeanschlag in Lauffen am Neckar vor Gericht
      Das Freitagsgebet der Woche am 26. Mai 2017 im Zentrum der islamischen Kultur Frankfurt e.V
      Das Freitagsgebet vom 9. Juni 2017 im Zentrum der islamischen Kultur Frankfurt e.V.
      Muslimische US-Abgeordnete korrigiert 181 Jahre altes Gesetz
      Syrische Kurden nehmen 2 us-amerikanische IS-Anhänger fest
      Islamkonferenz beschäftigt Freund und Feind
      Eine Frau wie du: Infostand in Delmenhorst
      Die Debatte ist ein gutes Zeichen

 
user comment