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Tuesday 17th of September 2019
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Imam Mussā Kāzim (a.s.)

Imam Mussā Kāzim (a.s.)

Von: Ayatollah Motaharie

Vorweg:

Mit Ausnahme des Zwölften Imam (a.t.f.), der in dieser Welt lebt, schieden alle Imame (a.s.) als Märtyrer aus diesem Erdenleben. Als "Schahid". Niemand von ihnen starb eines natürlichen Todes. Nicht durch Krankheil, nicht weil auf natürliche Weise ihre Lebensuhr abgelaufen wäre. Und auch das ist etwas, was sie ehrt. Wünschten sie sich doch selbst immer das Schahādat auf Gottes Wege. Dies geht aus ihren Du'ās 88, die sie uns lehrten und selbst rezitierten, hervor.

So wünschte sich Ali (a.s.): 'Ich möchte nicht auf meinem Schlaflager sterben. Tausend Schwerthiebe, die auf mich niedergehen und mich zu Boden strecken, sind mir lieber als eines natürlichen Todes sterben.'

Jedenfalls, was sie unter anderem ehrt und an das wir durch ihre Du'ās als auch die "Ziāratnāmehs", die wir beim Besuch ihrer Grabstätten lesen, immer wieder erinnert werden ist, daß sie zur Schar der Märtyrer auf Gottes Wege zählen. Daß sie als Schahid aus diesem Leben schieden.

88 Du'ā: Bittgebet, flehentliches Rufen und Bitten zu Gott

 

Wie es im "Ziārat Ğāme'eh Kabireh" heißt:

'Ihr seid die besten "Pfade", die hervorragendsten "Hauptwege". Ihr seid Märtyrer - Schuhadā - in dieser und Fürbittende (die von Gott erhört werden) in jener Welt.'

Nebenbei - "Schahid" ist auch ein Beiname Imam Hussayns (a.s.). Mit dem Beinamen "Schahid" bezeichnen wir gewöhnlich ihn. "AI Hussayn usch Schahid". Ebenso wie Imam Ğa'far (a.s.) den Beinamen "Sädiq" erhalten hat. Wir nennen ihn "Ğa'far us Sādiq". Und Imam Mussā Ibn Ğa'far (a.s.) ward der Beiname "Kāzim" gegeben, also Imam Mussā Kāzim. Daß Imam Hussayn (a.s.) - Seyyid Schuhadā - als "Hussayn usch Schahid" bezeichnet wird, bedeutet aber nun nicht etwa, daß nur er Schahid geworden sei, daß die anderen Imame (a.s.) nicht als "Schahid" diese Welt verlassen hätten. Daß sie nicht Schahid bzw. Märtyrer seien. Ebenso, wenn wir beispielsweise Imam Mussā Ibn Ğa'far als "Kāzim" bezeichnen, so heißt das keinesfalls, daß die übrigen Imame nicht "kāzim" 89gewesen wären. Und daß Imam Ridā (a.s.) den Beinamen "Ridā" bekam, besagt nicht, daß die anderen dieser Eigenschaft nicht entsprochen hätten. Oder Imam Ğa'far Sādiq (a.s.) - daß er als "Sādiq" bezeichnet wird, ist keinesfalls Hinweis darauf, daß die übrigen nicht "sādiq" waren. Vor derlei Annahmen bewahre uns Gott!

Zeitliche Bedingungen sind mitentscheidend

Warum fanden - abgesehen von Imam Hussayn (a.s.) - auch die übrigen Imame (a.s.) das Schahādat?! Schließlich erhoben sie sich, wie die Geschichte berichtet, nicht zum offenen Kampf gegen die Gewaltmächtigen ihrer Zeit?! Ihr Vorgehen war doch - so scheint es wenigstens - ein anderes als das Seyyid Schuhadās. Er erhob sich zum offenen Widerstand, kämpfte, wurde Schahid. Warum aber Imam Hassan? Warum Imam Sağād? Warum Imam Bāqir, Imam Ğa'far, Imam Mussā und die übrigen Imame (a.s.). Warum fanden sie das Schahādat?

Antwort: Wer annimmt, Imam Hussayn (a.s.) sei anders gewesen als die übrigen Imame (a.s.), irrt sich gewaltig. Einige sagen: Er sei kämpferischer Natur gewesen, er habe sich zum offenen Kampf gegen das Gewaltregime erhoben, die anderen Imame aber nicht.

Wer so denkt, ist auf dem Holzweg. Die Geschichte sagt etwas völlig anderes, und auch Indizien und Nachweise sprechen gegen eine solche Annahme.

89 Kāzim: jemand, der seinen Zorn zu zügeln vermag

 

Betrachten wir die Angelegenheit doch einmal von einem anderen Blickwinkel aus. Kein wirklicher Muslim, kein tatsächlicher Gläubiger, geschweige denn ein Imam (a.s.), wird sich einem Gewaltregime arrangieren. Unmöglich! Undenkbar, daß er sich einem solchen Regime anpaßt. Im Gegenteil, er wird ihm immer die Stirn bieten. Immer in Konfrontation zu ihm stehen, immer in Kampfeshaltung sein.

Nur - und das ist hier der springende Punkt: Welche Kampfesart ist in der Situation, in der man sich befindet, angebracht und sinnvoll? Denn der Kampfesformen und -möglichkeiten gibt es etliche. Da haben wir den sogenannten "offenen Kampf, der unverblümt und mit der Waffe geführt wird. Und dann jenen, bei dem es zwar auch um das Bezwingen des Gegners geht, darum, ihn aus dem Wege zu schaffen, darum, die Leute von ihm abzubringen, über das Unrecht, daß er zufügt, aufzuklären und und und. Aber dieser Kampf ist ein indirekter, bei dem nicht zur Waffe, nicht zum Schwert gegriffen wird.

Das heißt also, es kommt bei der Wahl der Kampfesart auf die die Umstände und Bedingungen der betreffenden Zeit und Situation an. Gekämpft wird - aber in welcher Form?!

Um es deutlicher zu machen: Es ist keinesfalls so, daß es in der oder jener Zeit erlaubt sei, sich mit dem Unrecht zu arrangieren, in einer anderen aber nicht. Nein, keineswegs! Niemals ist es erlaubt und vertretbar, Unrecht und Tyrannei zu tolerieren. Zu keiner Zeit, unter keinen Umständen, an keinem Ort. Nirgendwo und nirgendwann ist derlei gestattet. Wohl aber gilt es, hinsichtlich der Kampfesform zu überlegen. Für welche Art Kampf sollte man sich in dem betreffenden Fall, unter den gegebenen Verhältnissen, entscheiden?! Mal ist der offene, direkte oder bewaffnete Kampf sinnvoll, mal der indirekte, versteckte Kampf, der sozusagen "hinter dem Vorhang" bzw. "unterirdisch" geführt wird.

Die islamische Geschichte gibt Auskunft darüber, daß sich die Imame (a.s.) fast ständig im Kampf befanden. Gegen das Unrechtregime ihrer Zeit, gegen Unrecht und Verderbnis in Gesellschaft und Kalifat. Und wenn berichtet wird, daß sie einen insgeheimen Kampf führten - "Taqiyah" - so ist das nicht gleichzusetzen mit: "Hände in den Schoß legen und stillschweigend zuschauen". "Taqiyah" hat ebenso wie "Taqwā" die Sprachwurzel "Waqy". "Taqiyah" bedeutet somit "insgeheime Verteidigung von etwas, unter Wahrung von Vorsicht und Klugheit". "Taqiyah" - eine Art Schutzschild, der dazu eingesetzt wird, um sich gegen den Angriff des Gegners weitmöglichst zu schützen, dieweil man diesem aber nach Möglichkeit das Handwerk zu legen versucht. Das aber heißt noch lange nicht, daß man sich aus dem Kampf zurückzieht.

 

Und so sehen wir, daß sich alle unsere Imame (a.s.) rühmen können - ja, rühmen können! - sich niemals mit einem der Unrechtkalifen ihrer Zeit arrangiert zu haben. Daß sie immer im Kampfzustand waren. Und heute, noch nach 1.300 Jahren und mehr, erkennen wir, daß Kalifen wie Abdulmalik Marwān (ab der Zeit vor Abdulmalik Marwan bis Abdulmalik Marwan, die Söhne Abdulmaliks und dessen Onkel, die Bani Abbās, Mansur Dawāniqi, Abu 1 Abbs Saffāh, Harun ar Raschid, Ma'mun und Mu'tiwakkil), die zu den Verrufensten in der Geschichte zählen, seitens der Schi'ah - völlig natürlich! - und selbst in den Reihen Ahl-Tassanuns geschaßt wurden bzw. werden. Wer aber hatte über sie und ihr Unrechtregime aufgeklärt??

Wenn der Widerstand der Imame (a.s.) gegen sie nicht gewesen wäre bzw. sie nicht deren Untaten, Ruchlosigkeiten und Korruption offenkundig gemacht und die Gesellschaft nicht über deren Unrechtmäßigkeit, Verworfenheit und fehlende Eignung zu Führung und Kalifat in Kenntnis gesetzt hätten, so würden wir heute Harun ar Raschid und insbesondere Ma'mun der "Schar der Heiligen" zuordnen.

Hätten die Imame nicht die Gesinnung Ma'muns ans Tageslicht gebracht und über ihn nicht richtig aufgeklärt, so würde er als großer Held der Wissenschaft und Religion gefeiert werden...

Doch zurück zu den Gründen, die zum Schahādat Imam Mussā Ibn Ğa'fars (a.s.) führten. Warum fand er das Schahādat?

Daß er Schahid wurde, ist eine nicht zu leugnende, geschichtliche Tatsache. Niemand zweifelt daran. Gemäß zuverlässiger, bestätigter und allseits bekannter Riwāyāt brachte Imam Mussā Kāzim (a.s.) vier Jahre lang in finsteren Kerkergruben zu. Und im Kerker starb er auch. Während seines Kerkeraufenthaltes wurde ihm mehrere Male vorgeschlagen, ein Schein-Geständnis abzulegen und den Kalifen formell um Vergebung zu bittten. Der Imam aber war dazu nicht bereit. Das berichtet uns die Geschichte.

Im Kerker von Basrah

Imam Mussā Kāzim (a.s.) war nicht nur in einem Gefängnis, sondern in etlichen. Von einem Kerkerverließ zum anderen wurde er gebracht. Deswegen, weil er überall, wo er hinkam, Eindruck hinterließ. Weil man ihm glaubte und ihm folgte, sobald man ihn ein wenig näher kennengelernt hatte.

Zunächst wurde er in das Verließ von Basrah gestoßen. Issa bne Ğa'far Ibn Abi Ğa'far Mansur - also ein Enkel Mansur Dawāniqīs - war seinerzeit Gebieter von Basrah. Ihm - einem Schwerenöter, der Wein, Tanz und Gesang über alles liebte - wurde Imam Mussā Kāzim (a.s.) überantwortet.

 

Einer seiner Angehörigen berichtete: Man brachte den Imam, diesen gottesfürchtigen Mann, an einen Ort, wo er Dinge hörte, die er bis dahin niemals vernommen. Es war am 7. Tag des Monats Di 1 Hağğeh des Jahres 178 HQ, als man ihn ins Gefängnis von Basrah stieß. Also in einer Zeit, da alle in Feststimmung sind und in Fröhlichkeit, Jubel und Trubel eintauchen, setzte man dem Imam vor allen Dingen psychisch heftig zu.

Jedenfalls - längere Zeit stand er nun unter Aufsicht dieses Issa bne Ğa'far Ibn Abi Ğa'far Mansur. Bis in diesem - nach und nach - Sympathie für den Imam erwachte und er ihn schätzen lernte.

Er hatte zunächst das, was das Herrscherhaus propagierte, für bare Münze genommen. Nämlich, daß der Imam lediglich ein Meuterer sei, dem es um nichts anderes als um das Kalifat ginge. Der den Thron wolle, sonst nichts. Doch mit der Zeit erkannte er: Nein, so war es nicht. Der Imam war ein Mann von höher Geistlichkeit. Und wenn er tatsächlich am Kalifat interessiert war, so aus geistig-geistlichen Gründen. Nicht um lediglich zu herrschen und die Macht in Händen zu haben. Nicht irdisch-materieller Werte wegen...

Und so befahl er, ein gutes Zimmer herzurichten für den Imam, das er ihm dann zur Verfügung stellte. Doch nicht nur das. Er selbst war es, der ab nun den Imam bewirtete.

Als Harun ar Raschid ihn dann insgeheim beauftragte, den Imam aus dem Weg zu schaffen, sagte er: Nein, das werde ich nicht tun!

Schließlich schrieb er dem Kalifen: Nimm ihn von hier fort, sonst werde ich ihm selbst die Freiheit geben. Einen Mann wie den Imam kann ich nicht länger als Gefangenen bei mir sehen.

Ja - und weil Issa bne Ğa'far ein Vetter des Kalifen war und zudem Enkel des Mansur, sah man sich veranlaßt, seiner Forderung nachzukommen.

In weiteren Kerkern

Sie brachten den Imam nach Bagdad und übergaben ihn Fadl Ibn Rabi', dem Sohn des Rabi', des berühmten Torwächters - "Hāğib"90 - am Abbassiden-Hofe.

90 Die Abbassiden-Kalifen hatten an ihrem Hofe einen Torwächter - einen "Hāğib" - namens "Rabi' ". Er diente zunächst dem Kalifen Mansur. Nach diesem dann dem Abbassiden-Kalifat. Auch sein Sohn stand in Harun ar Raschids Diensten

Sie zählten zu den wichtigen Leuten am Hofe der Abbassiden und besaßen deren großes Vertrauen.

 

Ihm also lieferte Harun den Imam aus. Doch auch er begann nach einiger Zeit, den Imam mit anderen Augen zu sehen und ihn zu ehren und zu schätzen. Und auch er sorgte nun dafür, daß die Lebensbedingungen für den Imam - wenn auch unfrei - besser und erträglicher wurden.

Spione meldeten dies Harun. Sagten ihm, daß Mussa bne Ğa'far ein angenehmes Leben in Rabi's Gefängnis führe. In Wirklichkeit werde er nicht wie ein Gefangener gehalten, sondern wie ein Gast.

Harun ließ den Imam fortbringen. Zu Fadl Ibn Yahyā Barmaki. Doch wieder das gleiche. Es dauerte nicht lange, und auch Fadl Ibn Yahyā empfand Zuneigung für den Imam.

Harun war voller Zorn. Er entsandte Kundschafter nach Bagdad, die recherchieren sollten. Sie prüften nach und stellten fest, daß die Angelegenheit genau dem entsprach, was Harun gemeldet worden war.

Fadl Ibn Yahyā fiel in Ungnade.

Sein Vater, also Yahyā Barmaki - Haruns Wezir und zudem Iraner, der aber so gar nicht auf iranischer Seite stand - geriet in Sorge um seinen Sohn und befürchtete, daß Harun diesen schwer strafen würde. So gab er dem Kalifen zu verstehen: Wenn auch mein Sohn dir nicht gehorchte, so werde ich jedoch alles tun, was du mir sagst. Mein Sohn bereut, daß er deinen Befehl nicht ausführte. Es tut ihm nun leid. Er ist dir ein guter und treuer Untertan...

Und so geschah es. Yahyā ging nach Bagdad, übernahm den Imam und brachte ihn in ein anderes Gefängnis. In den Kerker des Sandi Ibn Schāhik. Über ihn wird berichtet: Er war kein Muslim, und in seinem Gefängnis erging es dem Imam sehr schlecht. Hier gab es nichts als nur Qual und Leid...

Hāruns Forderung

Ungefähr eine Woche vor dem Schahādat des Imam (a.s.) schickte Harun Yahyā Barmaki zu dem Imam ins Gefängnis und ließ ihm - mit milden Worten - ausrichten:

'Mein Gruß an meinen Vetter, dem ich hiermit mitteile, daß ihn selbst keine Schuld trifft. Nur - leider habe ich geschworen. Meinen Schwur aber darf ich nicht brechen. Ich schwor, dich nicht eher auf freien Fuß zu setzen, als bis daß du deine Schuld eingestanden und mich um Gnade gebeten hast. Niemand braucht etwas davon zu erfahren, wenn du das tust. Es genügt, wenn du dieses Eingeständnis Yahyā gegenüber aussprichst. Nicht ich brauche bei deinem Geständnis zugegen sein und nicht jemand anders - nur Yahyā. Es geht mir lediglich darum, meinen Schwur nicht zu brechen.

 

Also, du brauchst nur vor Yahyā zu sagen: 'Ich bitte um Verzeihung, ich habe mich vergangen. Der Kalif möge mir vergeben.1

Das reicht. Wenn du das tust, werde ich dich freilassen, du kannst zu mir kommen und ich werde mich erkenntlich zeigen...'

Ja - und nun seht, wie stark und fest sich der Imam (a.s.) demgegenüber verhielt.

Warum werden sie - unsere Imame - wohl als "Schufa'dār ul fanā' " bzeichnet?! Warum fanden sie das Schahādat?!

Auf dem Wege ihres unverbrüchlichen Glaubens und ihrer festen Überzeugung wurden sie Schahid. Damit brachten sie zum Ausdruck: Unser Glaube erlaubt uns nicht, mit den Tyrannein gemeinsame Sache zu machen...

Kurz - Mussa bne Ğa'far (a.s.) antwortete Yahyā: 'Richte Hārun aus, mein Leben geht nun sowieso zuende.'

Und so geschah es. Nach einer Woche wurde der Imam (a.s.) vergiftet.

Grund seiner Verhaftung

Warum ließ Hārun Imam Mussā Kāzim (a.s.) festnehmen?

Weil er den Imam um sein Ansehen und seine Beliebtheit beneidete und die eigene Position gefährdet sah. Wenngleich doch Mussā Kāzim in keinster Weise aufrührerische Aktionen unternahm. Wirklich und wahrhaftig - er tat nichts, das nach einer offenen Meuterei und Rebellion ausgesehen hätte. Aber man befürchtete, daß er eine geistig-ideologische Revolution in die Wege leitete.

Als Hārun die Thronfolge seines Sohnes Amin - und nach diesem dann seiner weiteren Söhne Ma'mun und Mu'tamin - absichern wollte und dazu die Gelehrten und hohen Persönlichkeiten des Landes aufforderte, sich nach Mekka zu begeben, da er, der Kalif, dort ein großes Treffen veranstalten wolle, bei dem alle denTreueid schwören sollten, ging ihm jedoch der Gedanke, daß da jemand ist, der das alles verhindern könnte, nicht aus dem Kopf.

Wer?

Jener, der - solange er lebt - die Aufmerksamkeit aller auf sich zieht und sich jedermann sagt: Nur er ist des Kalifats würdig...

Wer also?

Natürlich - Mussa bne Ğa'far.

Als Hārun nach Medina kommt, erteilt er den Befehl, den Imam zu verhaften. Nebenbei, Yahyā Barmaki hatte zuvor schon einem seiner Vertrauten gesagt: 'Ich denke, daß der Kalif heute oder

 

Morgen den Befehl geben wird, Mussa bne Ğa'far einzukerkern.' Man fragte ihn: 'Warum?' Yahyā antwortete: 'Ich begleitete den Kalifen, als er das Grabmal des Propheten besuchte. Als er dem Propheten sein "Salām" entbot, hörte ich, wie er hinzufügte:

'O Gesandter Gottes, verzeih mir, daß ich genötigt bin, deinen Sohn Mussa bne Ğa'far festzunehmen. Ich kann nicht umhin, denn wenn ich es nicht tue, wird es im Land zu Unruhen kommen. Um der Ruhe und Sicherheit im Staate willen muß ich leider so vorgehen. Verzeih mir darum, o Gesandter Gottes.'

(Als ob man dem Gesandten Gottes etwas vormachen könnte!)

Jedenfalls - Harun befiehlt seinen Häschern, den Imam festzunehmen. Sie gehen also zu seinem Haus, doch der Imam ist nicht da. Wo ist er? In der Moschee des Propheten. Als sie eintreten, verrichtet der Imam gerade das Gebet. Sie aber lassen ihn nicht zuende beten, sondern stürzen sich auf ihn und zerren ihn - noch während seines Betens - hinaus auf die Straße. Und sehen, wie der Imam noch einen letzten Blick auf das Grabmal des Propheten wirft und spricht:

"O Gesandter Gottes - o mein Vater, sieh nur, wie deine Gemeinde mit deinen Nachkommen umgeht!"

Warum geht Hārun in dieser Weise vor? Warum nur?!

Darum, weil er möchte, daß man seinem Sohn - als Thronfolger - den Treueid schwört. Dabei hatte Mussa bne Ğa'far doch nichts getan, nicht gemeutert, keinen Aufstand veranlaßt. Nichts...

Der Grund ist ein ganz anderer. Nämlich der, daß Hārun und dessen Söhne das Kalifat wollten, auch wenn es ihnen nicht zustand. Daß sie es unrechtmäßig an sich rissen.

Ma'muns Rückerinnerung

Ma'mun verhielt sich so, daß viele Historiker ihn als Schi'it verstehen. Und was mich betrifft - nun, ich denke, daß es schon möglich ist, daß jemand zwar von etwas überzeugt ist, aber dennoch entgegen seiner Überzeugung handelt. Meiner Meinung nach war er Schi'it, einer der schiitischen Gelehrten. Die Geschichte berichtet über etliche Diskussionen, die er mit sunnitischen Gelehrten hatte. Und tatsächlich, ich wüßte keinen Gelehrten Ahl-Taschayyuhs, der so logisch-fundiert wie er diskutiert hätte...

 

Vor einigen Jahren schrieb ein türkischer Gelehrter Ahl-Tassannuns ein Buch, das sich mit den Nachkommen des Gesandten Gottes befaßt.91 In diesem Buch wird die Argumentation Ma'muns vor sunnitischen Gelehrten -und zwar im Zusammenhang mit dem unaufhebbaren Kalifat Imam Alis (a.s.) und der weiteren Imame (a.s.) - zitiert. Die Begründungen Ma'muns sind dermaßen interessant und brilliant, wie bisher wohl kaum jemals ein schiitischer Gelehrter diskutierte.

Wie berichtet wurde, hatte Ma'mun geäußert: Wollt ihr wissen, wer mich mit der schiitischen Lehre vertraut machte?

Sie fragten ihn: Wer?

Er: Mein Vater - Hārun. Er hat mich die schiitische Lehre gelehrt.

Sie: Wie kann das sein?! Niemand war Ahl-Taschayyuh und den schiitischen Imamen so feindlich gesonnen wie er.

Er: Trotzdem - so ist es aber. Auf einer seiner Hağpilgerungen begleitete ich meinen Vater. Ich war noch ein Bund damals, und alle kamen, um ihn zu begrüßen. Auch die hohen und angesehenen Persönlichkeiten des Landes, die Ältesten der Sippen und Stämme - insbesondere sie mußten kommen und ihn begrüßen. Mein Vater hatte zudem angeordnet, daß jeder, der kam, sich vorzustellen habe. Das heißt, jedermann mußte seinen Namen und den seines Vaters und seiner Vorväter nennen. Deswegen, damit der Kalif feststellen konnte, wer von den Quraisch abstammte und wer nicht. Wer beispielsweise zu den "Ansār" - zu den "Khazrağ" oder aber "Us"- gehörte. Das wollte er wissen - von einem jeden, der kam.

Das heißt, wer kam, wurde zunächst vom Schloßwart vorgestellt. Dieser sagte: 'Soundso, dessen Vater und Vorväter diese und jene sind, ist gekommen,; um dich zu sehen.'

Einmal sagte er: 'Da kommt jemand, der sagt, daß er Mussa bne Ğa'far ibn Muhammad Ibn Ali Ibn al Hussayn Ibn al Ali Ibn Abi Tālib sei.'

Wie er diesen Namen nannte, sprang mein Vater auf und sagte:

'Sag ihm, er möge kommen. Aufsitzend komme er, nicht zu Fuß.'

Uns aber gebot mein Vater, ihm entgegenzugehen.

Und wir gingen ihm entgegen. Ihm, einem Mann, dem man seine Gottesfurcht und Tugend deutlich ansah. Er war einer jener außergewöhnlichen Gottesfreunde. Er ritt näher heran. Mein Vater rief ihm schon von weitem entgegen: 'Bei wem soll ich dich beschwören, nicht abzusteigen, sondern aufsitzend zu mir zu kommen?'

Und weil er so sehr darauf bestand, kam der Mann aufsitzend näher. Dann, als er bereits auf den Teppichen war, liefen wir hin zu ihm und hoben

91 "Taschrih wa muhākemch dar bāreyc Āle Muhammad"

 

ihn herunter. Mein Vater wies ihn an, sich zu ihm zu setzen. In aller Höflichkeit. Nun begann die Befragung.

- Wieviel Kinder hast du? (Er hatte eine große Familie.)

- Wie geht es dir? Wie kommst du zurecht?

- Meine Situation ist diese.

- Wie ernährt ihr euch?

- Meine Einkünfte bestehen aus diesem oder jenem.

Dann ging er wieder. Als er sich verabschiedete, sagte mein Vater zu mir:

'Begleitet ihn.'

Wir begleiteten ihn. Bis zu seinem Haus. Er sagte in ruhigem Tone zu mir:

'Du wirst einst Kalif sein und ich möchte, daß du dich gegen meine Nachkommen nicht schlecht verhältst.'

Ich wußte nicht, wer er war. Wir kehrten zurück, zu meinem Vater. Als alle fort und wir allein mit ihm waren, fragte ich - ich war beherzter als meine Geschwister - ihn: 'Wer war er, daß du ihn so respektvoll behandeltest?!'

Hārun lachte und meinte: 'Wenn du es richtig wissen willst - nun, der Thron, auf dem wir sitzen, ist eigentlich der seine.'

'Sagst du das in allem Ernst, Vater? Bist du dir sicher, daß das wahr ist, was du sagst?'

'Ganz sicher', antwortete er.

Ich daraufhin: 'Warum trittst du dann den Thron nicht an ihn ab?'

Er: 'Weißt du denn nicht: "AI mulku aqim..." Du bist mein Sohn. Aber wenn es so wäre bzw. wenn ich wüßte, daß du mich um den Thron bringen und ihn an dich reißen willst, würde ich dir das, in dem deine Augen stecken, abschlagen.' (Mit anderen Worten: Dann würde ich dir den Kopf abschlagen)

Später - nach diesem Vorfall - machte Harun Geschenke. Viel viel Geld gab er aus und schickte es dem einen und anderen. Dem einen fünftausend Rotgolddinare, dem anderen viertausend und so fort. Ich dachte, bestimmt wird er jenem Mann, den er so höflich behandelte, eine sehr hohe Summe zukommen lassen.

Aber ihm schickte er den geringsten Betrag. (200 Dinare)

Ich fragte ihn deshalb: 'Ihm schickst du nur so wenig, warum?'

Er: 'Weißt du denn nicht, daß sie unsere Konkurrenten sind? Daher empfiehlt es sich, sie immer knapp bei Kasse zu halten. Sie dürfen nicht über ausreichend Finanzen verfügen. Wenn sie nämlich genügend Geld haben, kann es sein, daß sie sich rüsten und sich mit hunderttausend Schwertern gegen deinen Vater erheben.'

 

Sein Einfluß

Wie groß der Einfluß der Imame (a.s.) war, ist aus all dem zu erkennen. Sie hatten weder Waffen noch standen ihnen Publikationsmittel zur Verfügung. Was sie aber besaßen, waren die Herzen. Die Herzen der Mitmenschen. Selbst in Haruns engstem Kreis gab es Schiiten.

Mit anderen Worten, Recht und Wahrheit sind nicht unterzukriegen und auf die Dauer totzuschweigen. Heute lasen wir beispielsweise in der Presse, daß Malik Hussein sagte, er habe nun verstanden, daß selbst sein Chauffeur mit den Partisanen zusammenarbeite. Auch sein Koch gehöre zu ihnen. Ali Ibn Yaqtayn aber war sogar der Minister Hāruns, also der zweite Mann im Staate. Aber - ein echter Schiit, wenngleich ein "getarnter". Und als solcher unterstützte er die Ziele Mussa bne Ğa'fars, obwohl er dem Schein auf der Seite Hāruns stand. Allerdings, zwei-, dreimal erstattete man Bericht gegen ihn, doch Mussa bne Ğa'far konnte Schwierigkeiten für Ali Ibn Yaqtayn verhindern, indem er - diese frühzeitig erkennend, und zwar aufgrund seiner außergewöhnlichen Voraussicht, die eben nur ein Imam hat - Maßnahmen traf, so daß ihm, also Ali Ibn Yaqtayn, Unannehmlichkeiten erspart blieben.

In Hāruns Staatsapparat gab es Leute, die dem Imam in hohem Maße verbunden waren, dies jedoch geheimhielten und somit auch keinen direkten Kontakt zu dem Imam hatten.

Ein Iraner jener Zeit - aus Ahwāz stammend und ebenfalls Schiit -berichtet: "Man verlangte von mir eine überaus schwere Steuerabgabe. Wenn ich diese hätte zahlen müssen, wäre das mein Ruin gewesen. Nun traf es sich aber, daß der Gouverneur von Ahwäz abgesetzt und ein anderer ernannt worden war. Ich trug mich nun mit der Sorge, daß dieser neue Gouverneur in die Steuerakten sehen und von mir ebenfalls die hohe Steuerleistung verlangen könnte. Wie gesagt, das hätte meinen Ruin bedeutet.

Einige meiner Freunde klärten mich auf: 'Der neue Gouvernuer ist in Wirklichkeit ein Schiit, genau_wie_du.'

Ich aber hatte nicht den Mut, zu ihm zu gehen und ihm das zu sagen. Einfach deswegen nicht, weil ich das nicht glauben konnte. Und so entschloß ich mich, nach Medina zu reisen, zu Mussa bne Ğa'far. (Damals war der Imam noch nicht in Haft). Wenn er mir bestätigen würde, daß der neue Gouverneur tatsächlich Schiit ist, dann...

Ich reiste also nach Medina und suchte den Imam auf. Dieser schrieb zwei, drei Zeilen. Zwei, drei Anordnungen und zwar in einem Stil, den ein Imam nur denen gegenüber anwendet, die zu ihm gehören. Es waren Anordnungen wie:

 

'Der Bitte des Gläubigen zu entsprechen, ist dir geboten. Ihm aus seiner Not zu helfen ist das, zu was Gott aufruft.'

Ich nahm den Brief mit nach Ahāwz. Weil ich wußte, daß ich vorsichtig zu Werke gehen mußte, machte ich mich eines Abends auf den Weg zu dem Gouverneur. Der Torhüter öffnete mir. Ich sagte ihm, er möge dem Gouverneuer ausrichten, jemand sei da, der ein Schreiben von Mussa bne Ğa'far für ihn hätte. Es dauerte nicht lange, und er kam selbst und begrüßte mich. Als ich ihm sagte, daß ich ihm einen Brief von dem Imam bringe, nahm er die Zeilen entgegen, erkannte die Schrift des Imam und küßte sie. Dann küßte er mich. Meine Wangen, meine Augen. Und führte mich unverzüglich in sein Haus. Wie ein braves Kind saß er nun vor mir. Fragte:

- Du warst beim Imam?
-Ja.

- Du hast mit eigenen Augen den Imam gesehen?
-Ja.

- Was ist dein Problem?

-      Man hat mir so hohe Steuern auferlegt, die meinen Ruin bedeuten, wenn
ich sie bezahlen müßte...

Noch am gleichen Abend ordnete er an, ihm die Steuerakten zu bringen, die er nun korrigierte. Und da der Imam noch geschrieben hatte: 'Wer einen Gläubigen erfreut, den wird Gott reichlich belohnen', fügte der Gouverneur hinzu:

- Erlaubst du, daß ich noch etwas für dich tue?

- Natürlich.

- Alles, was ich besitze, möchte ich noch heute abend mit dir teilen. Die
Hälfte meines Barvermögens bekommst du jetzt sofort. Den Wertmeiner
übrigenGüter werde ich taxieren lassen und dir dann die Hälfte davon geben.
Nimm es bitte von mir an...

Der Iraner schloß ab mit den Worten: So war es. Einige Zeit später, als ich auf einer Reise den Imam wieder besuchte, erzählte ich ihm, was sich zugetragen hatte. Er lächelte und freute sich...

Was befürchtete Hārun also? Welche Tatsache schreckte ihn, daß er sich so verhielt?

Eben dieses:

"Worte genügen nicht, seid Vorbilder in der Praxis, durch euer Tun!" 92

Vergessen wir nicht: Nicht allein durch das geschriebene und gesprochene Wort wird publiziert und bekanntgemacht. Ganz abgesehen

92 Usūl Kāfī, Kap. "Sidq" u. "Wara'"

 

davon, daß die Wirkung des gesprochenen oder geschriebenen Wortes lange nicht so groß und nachhaltig ist wie die des praktizierten Wortes..

Wer Mussa bne Ğa'far, dessen hochverehrten Vätern oder aber Söhnen und Nachkommen begegnete und einige Zeit mit ihnen zusammen war, erkannte. Begriff, daß sie wirklich und wahrhaftig Gott kannten. Daß sie wirklich und wahrhaft voller Gottesfurcht waren und Gott über alles liebten. Daß alles, was sie taten, tatsächlich Gottes wegen war...

Beides war charakteristisch sie

Beides war charakteristisch für unsere Imame (a.s.) - ihre Ehrfurcht vor Gott, ihre Gottgewißheit und ihr Mitempfinden für die Notleidenden. Völlig klar und offenkundig trat dies bei ihnen in Erscheinung.

Sie waren von einer Gottgewißheit erfüllt, die wirklich erstaunlich war. In ihrer Ehrfurcht vor Ihm bebten sie geradezu und weinten - als würden sie Ihn konkret vor sich sehen. Ihn, die Auferstehung, die Rückkehr zu Ihm, das Paradies, die Höllenverdammnis...

Über Mussa bne Ğa'far wird berichtet:

Seine Niederwerfungen vor Gott dauerten lange und waren begleitet von heißen Tränen... 93

Zum anderen aber - wie gesagt - ist es ihr starkes Mitempfinden für die Notleidenden und Schwachen, für die Entrechteten und Geknechteten. Auch dies war typisch für sie alle. Überhaupt - für sie war der "Mensch" wirklich von Wert. Und der Wert, den sie ihm beimaßen, war ein anderer als der, der ihm allgemeinhin beigemessen wird. Denken wir nur an Imam Hassan, an Imam Hussayn. An Imam Zaynul 'Ābidin, an Imam Bāqir, Imam Sādiq, Imam Kāzim und die späteren Imame (a.s.). Wenn wir in die Geschichte hineinblicken und uns in das Leben eines jeden von ihnen vertiefen, so stellen wir fest, daß das, nämlich ihre Hilfe und Unterstützung für die Bedrängten, Bedürftigen und Schwachen, ihr Programm war. Zudem: Sie halfen persönlich, eigenaktiv sozusagen. Beauftragten damit nicht andere. Nein, sie selbst taten es.

Daß sich dies natürlich herumsprach, steht außer Frage...

93 Muntahal Amāl, B. 2, S. 222

 

Was planten Hārun und sein Stab?

Während der Zeit, da der Imam verhaftet und hinter Kerkermauern zubrachte, setzten Hārun und dessen Leute alles daran, das Image Mussa bne Ğa'fars (a.s.) zu ruinieren. So wurde zum Beispiel eine junge, bildhübsche Unfreie zu ihm ins Gefängnis geschickt. Sie war beauftragt, dem Imam -sozusagen - zu dienen und ihn mit Speise und Trank und allem, was er brauchte, zu versorgen. Sie also - eine junge hübsche Unfreie - hatte sich um das alles zu kümmern. In der Hoffnung, daß er - ein Mann - vielleicht doch ein Auge auf sie würfe und in den Bann ihrer Schönheit und Jugend geriete. Schließlich war er ein Mann. Allein mit einer jungen Frau - in einem Raum.

Zumindest aber könnte man Gerüchte über ihn in die Welt setzen...

Doch was geschah?

Entgegen ihrer Erwartung erfuhren sie dann eines Tages, das sich in der jungen Frau eine Art Revolution vollzogen habe. Sie sei völlig umgewandelt. Und auch sie werfe sich nun vor Gott nieder, in tiefer Andacht... Stundenlang. Wie Mussa bne Ğa'far.94

Diese junge Frau war nun also schon die zweite in dem Kerkerverließ, die sich in Gottesanbetung niederwarf. Der Imam und sie. Dies wurde Hārun mitgeteilt, woraufhin er sie holen und zu sich bringen ließ. Auch er erkannte, daß sie völlig verändert war. Sie schaute nicht ihn an, sondern sah zum Himmel hoch oder senkte ihre Blicke.

Man fragte sie: Was ist mit dir los?

Sie antwortete: Als ich ihn, diesen Mann im Gefängnis sah, wußte ich nicht mehr, wie mir geschah. Eine Wandlung trat in mir ein. Ich begriff, daß ich in meinem bisherigen Leben viel gesündigt hatte. Ich habe viel zu bereuen, und ich denke, daß ich mein restliches Leben damit zu tun habe. Nämlich zu bereuen, umzukehren.

Und so war und blieb sie, bis daß sie starb...

Buschr Hāfī und Imam Kāzim

Eines Tages kam der Imam (a.s.) - in Bagdad - an einem Haus vorüber, aus dem Gegröhle, wilde Musik, Lauten- und Guitarrenklänge und das Stampfen vieler Tanzbeine drangen. Jemand kam mit Abfällen aus dem Haus

94 Die einzige Beschäftigung des Imam im Gefängnis war Gottesanbetung. Was anderes konnte er nicht tun. Und Tag und Nacht - und dies über lange Zeit hinweg - nur in Gottesanbetung niederzuknien und in Andacht versunken zu sein, ist gewißlich anstrengend und nur bei echter Liebe zu Gott möglich.

 

heraus. Er wollte sie augenscheinlich am Straßenrand ablegen, damit die Stadtreiniger sie fortbrächten.

Der Imam fragte ihn nach dem Besitzer des Hauses:

- Ist er ein Freier oder ein Knecht?Eine seltsame Frage.

Der Mann antwortete:

-      Kannst du das an all der Pracht des Hauses nicht schon selbst erkennen?
Es ist das Haus des Buschr, eines angesehenenMannes. Eines aus den
Kreisen der Adeligen. Versteht sichdoch wohl von selbst, daß er ein Freier
ist!

Der Imam daraufhin:

-      Völlig richtig. Er ist ein Freier. Wäre er ein Knecht 95, würde nicht
dieser Lärm aus seinem Hausedringen.

Was sie sonst noch miteinander sprachen, darüber wird nichts berichtet. Nur soviel noch:

Nach einer kleinen Weile ging der Imam weiter.

Inzwischen aber hatte Buschr seinen Bediensteten, der doch nur Abfälle hinaustragen sollte - eine Arbeit, die höchstens zwei, drei Minuten in Anspruch nahm - vermißt. Wo blieb er nur so lange?! Er kam hinaus und stellte ihn zur Rede.

-      Warum trödelst du so?

- Jemand sprach mich an und wollte etwas von mir wissen.
-Was?

- Eine merkwürdige Frage war es, die er mir stellte.

- Nun sag es schon - was fragte er dich?

-      Er wollte wissen, wer der Besitzer dieses Hauses ist, ein Freier oder ein
Knecht?

Und ich sagte ihm: Natürlich, ein Freier ist es! Und er erwiderte: Ganz bestimmt ist es ein Freier. Denn wäre er ein Knecht, dränge dieser Lärm nicht aus seinem Hause heraus...

-      Wie sah der Mann aus?

Als der Bedienstete ihn beschrieb, begriff Buschr. Es konnte nur Mussa bne Ğa'far gewesen sein. Und so fragte er nun, welchen Weg der Imam eingeschlagen habe.

-      Er ging diese Straße weiter, in dieser Richtung...

Barfüßig - er nahm sich nicht einmal die Zeit, Schuhe anzuziehen - lief Buschr dem Imam hinterher. Also auf bloßen Füßen rannte er los, denn wenn er sich erst seine Schuhe holen und anziehen würde, könnte es sein, daß er

95 "Knecht Gottes"

 

ihn nicht mehr fände. (Und genau das war es, das in ihm, in seinem Inneren, eine Revolution verursachte.)

Buschr rannte und rannte und holte den Imam schließlich ein. Warf sich ihm zu Füßen und sagte:

- Sag mir genau, was hast du zu meinem Bediensteten gesagt?

- Ich habe ihm folgendes ... gesagt.

Buschr begriff, was der Imam mit seinen Worten gemeint hatte. Sprach:

- Ab jetzt, von diesem Augenblick an, will ich ein Knecht Gottes sein.

Und  er  war  es.   Von  der  gleichen  Stunde  an  ward  Buschr  ein

Gottesknecht...

Von dieser Begebenheit hörte Hārun. Er fühlte sich und sein Kalifat gefährdet. Meinte: Sie dürfen nicht existieren... Und so war seine Rede dem Imam gegenüber:

- Dein Dasein allein schon ist meiner Meinung nach sündhaft.

- Was tat ich denn? Habe ich gegen dich rebelliert, einen Aufstand gegen
dich angezettelt? Welche Schuld beging ich,daß du so denkst?, antwortete
er:

Hārun wußte darauf nichts zu antworten. Doch seine vorausgegangenen Worte waren schon beredt genug:

'Dein Dasein allein schon ist sündhaft'.

Kurz - die Imame (a.s.) unterließen dennoch nichts, über den wahren Sachverhalt aufzuklären. Und sie - die Schi'ah und auch andere - begriffen und verstanden...

Safwan Gammal und Hārun

Und nun zu Safwān Ğammāl. Er besaß - wie man heute so sagt - ein Transport-Unternehmen. Zumeist waren es Kamele, die damals, in jenen Tagen, als Transport- und Reisemittel dienten. Er war so bekannt und sein Unternehmen so groß, daß sich sogar das Kalifat ab und an seiner Firma bediente.

Eines Tages, als Harun wieder einmal nach Mekka reisen wollte, beschloß er, sich an Safwāns Unternehmen zu wenden. Ein entsprechender Vertrag mit ihm wurde getroffen. Nun war aber Safwān Schi'it und ein Freund Imam Kāzims.

 

Er ging zu dem Imam und erzählte ihm von dem Abkommen mit Hārun. Der Imam fragte ihn:

- Warum vermietest du denn bloß diesem Tyrannen deine Kamele?

- Ich hab sie ihm nicht zu schlechten Zwecken vermietet. Er will mit
ihnen nach Mekka - zum Hag, zur Erfüllung seiner religiösenPflicht. Wenn
nicht, hätte ichsie ihm nicht zur Verfügung gestellt.

Der Imam daraufhin:

- Hast du dein Geld dafür schon bekommen oder noch nicht? Das heißt,
hat er dir den Mietpreis schon bezahlt oder hast du noch etwas von ihmzu
bekommen?

- Ich hab ihn noch zu bekommen.

- Nun, dann befrag dich selbst mal ganz aufrichtig: Möchtest du, daß er
wenigstenssolange lebt, damit er heimkehren und dir dein Geld geben kann?

- Ja, natürlich.

- Nun, sofern du wünschst, daß er - dieser Tyrann - länger lebt, ist nicht
recht.

Safwān kehrte nachdenklich heim.

Nach einiger Zeit erfuhren sie, daß er sein ganzes Unternehmen, sämtliche Kamele, auf einen Schlag verkauft hatte. Daß er sich von dieser Beschäftigung ganz zurückgezogen hatte.

Dann, nachdem er alles verkauft hatte, ging er zu dem, mit dem er den Vertrag - im Zusammenhang mit Haruns Mekkareise - geschlossen hatte. Sagte:

-      Ich habe mein Unternehmen verkauft. Damit ist unser Vertrag aufgelöst,
denn ich habe mich voll und ganz von dieser Ast Unternehmungen gelöst.

Hārun erfuhr davon. Er befahl:

-      Bringt ihn her zu mir.

Sie brachten ihn zu ihm. Hārun fragte:

-      Was ist los?

-     Ich bin alt geworden, ich kann mein Unternehmen nicht weiterführen.
Es ist zuviel für mich, darum muß ich mich nach einer Arbeit umsehen, die
leichter ist und meinem Alterentspricht...

Inzwischen hatte aber Hārun von dem wahren Sachverhalt erfahren. Und so bohrte er weiter:

- Sag die Wahrheit, warum hast du dein Unternehmen verkauft?

- Ich hab's dir doch gesagt.

- Nein, das ist nicht der wahre Grund. Ich weiß, was geschehen ist. Mussa
bne Ğa'far hat vernommen, daß du mir deine Kamele vermietethast. Und
daraufhinhat er dir gesagt, daß das religionsgesetzlich nicht richtig ist.
Leugnedarum nicht, das wird dir nichts nützen. Bei Gott - wenn nicht die

 

lange Beziehung zwischen uns und dir und deiner Familie wäre, glaube mir, auf der Stelle würde ich dich hinrichten lassen!

Das also sind die Hintergründe, die zum Schahādat Imam Mussa bne Ğa'fars (a.s.) führten. Persönlichkeit und Verhalten der Imame (a.s.) waren so hervorragend, daß die Kalifen um ihre Stellung besorgt waren.

Zudem, sie - die Imame - klärten zwar auf, publizierten und sagten, was zu sagen war, jedoch in einer Weise, daß man - soweit dies möglich war -keine Handhabe gegen sie in die Hand bekam.

Einige meinen, verschwiegen vorzugehen bedeute, daß man nur still und stumm dasitzt und die Hände in den Schoß legt. Doch dem ist und war nicht so. Die Imame (a.s.) mußten ihre Aufgabe erfüllen. Das erforderten Zeit und Bedingungen. Sie mußten sich bemühen und ihrer Verpflichtung und Verantwortung nachkommen. Doch so, daß man möglichst keinen Beweis und Vorwand gegen sie finden konnte.

Drittens: Sie besaßen einen erstaunlich hohen Widerstandsgeist. Ich sagte ja schon - als man dem Imam sagte, er brauche nur eine mündliche Entschuldigung und auch nur Yahyā gegenüber vorzubringen, antwortete er:

'Mein Leben ist nun sowieso zuende...'

Auch ein anderes Mal schickte Harun jemanden ins Gefängnis, um den Imam vielleicht doch zu einem "Geständnis" zu bringen. Wieder die gleichen Worte, die ihm von Hārun ausgerichtet wurden: 'Ich mag dich, ich bin dir zugetan. Auch mir gefällt es nicht, dich hier festzuhalten. Aber die Situation erfordert es, du kannst jetzt nicht nach Medina zurück. Ich habe veranlaßt, dich an einen sicheren Ort, gleich in meiner Nähe, zu bringen. Auch einen Extra-Koch habe ich für dich schicken lassen, da es sein kann, daß du unser Essen nicht gewohnt bist. Was immer du zu essen wünschst, sag es, es wird dir zubereitet und gebracht.'

Und wer ist es, der den Auftrag hatte, dem Imam dies alles zu sagen? Jener gleiche Fadl Ibn Rabi', in dessen Gefängnis der Imam bereits schon einmal war. Er - einer der hochrangigen Offiziere Hāruns. In seiner Uniform, bewaffnet und gegürtet mit seinem Schwert, ging er Imam Mussā Kāzim (a.s.). Der Imam betete gerade. Merkte, daß Fadl Ibn Rabi1 gekommen war. Und Fadl wartete, bis der Imam das Gebet beendet hatte, um ihm dann Hāruns Botschaft auszurichten...

Als das Gebet dann beendet war und der Imam gerade eben die abschließenden Worte 'As salāmu alaykum wa rahmatullāhi wa barakatuh' gesprochen hatte, sagte er unverzüglich: 'Allāhu Akbar' und erhob sich erneut zum Gebet.

 

Wiederum stand Fadl da und wartete. Auch dieses Gebet war beendet, und wiederum sprach der Imam, sofort nach den Worten 'As salāmu alaykum wa rahmatullāhi wa baraktuh', erneut "Allāhu Akbar" und stellte sich aufrecht hin zum Gebet.

Einige Male noch wiederholte er dies. Fadl begriff, daß der Imam dies absichtlich tat. Zunächst hatte er angenommen, daß er vielleicht soviel beten müsse - vier Rak'at, möglicherweise sechs oder auch acht Rak'at, hintereinander. Dann aber merkte er, daß dies nicht der Fall war. Daß der Imam nicht so viele Gebete hintereinander verrichten mußte, sondern: Er wollte nicht mit ihm sprechen, wollte ihn nicht empfangen. Das war es. Auf diese Weise wollte er der Botschaft aus dem Wege gehen.

Fadl aber hatte seinen Auftrag zu erfüllen. Auch durfte er sich nicht zu lange bei Mussa bne Ğa'far aufhalten, denn Hārun könnte mißtrauisch werden und annehmen, Fadl hecke mit dem Imam etwas aus.

Darum - dieses Mal, noch hatte der Imam die letzten Worte des Gebetes nicht gesprochen, begann er sogleich, die Botschaft Hāruns mitzuteilen. Mussa bne Ğa'far wollte noch "As salāmu alaykum wa ..." sagen, doch Fadl war mit seiner Rede bereits angefangen. Alles, was Hārun ihm aufgetragen hatte, sagte er. Allerdings, Harun hatte ihn gewarnt und ihm gesagt: Wenn du hingehst zu Mussa bne Ğa'far, so sage auf keinen Fall, daß "Amir al Mu'minin" dir dies sagen läßt. Sage ihm, dein Vetter Hārun bestellt dir das.'

Ja, und so richtete Fadl nun in aller Höflichkeit aus, was Hārun ihm aufgetragen hatte. Sagte: 'Hārun, dein Vetter, entbietet dir sein "Salām" und läßt dir ausrichten, daß ihm völlig klar ist, daß du schuldlos bist und nicht gefrevelt hast. Jedoch die Situation erfordert, daß du hier festgehalten wirst und vorläufig nicht nach Medina zurückkannst. Bis sich die Lage geändert hat. Hārun richtet dir ferner aus: Ich habe dir einen Extra-Koch geschickt. Jede Speise, die du wünschst, wird er dir zubereiten.'

Es wird berichtet, daß der Imam daraufhin antwortete:

'Ich habe hier kein Geld und wenn ich etwas Besonderes möchte, so will ich das von meinem eigenen und mir erlaubtem Geld ausgeben. Ich kann also nicht einfach den Koch rufen lassen und ihn beauftragen, mir dieses und jenes zuzubereiten. Auch bin ich nicht jemand, der hingeht und sagt: Was steht mir zu? Bringt mir das, was mir in diesem Monat zugeteilt ist. Zudem - ich bitte niemanden um etwas...' 96

Jedenfalls - an all dem erkannten die Kalifen, daß sie den Imamen (a.s.) nicht beikommen konnten. In keinster Weise. Sie konnten sie nicht dazu bringen, sich ihnen zu unterwerfen. Andererseits - auch sie, die Kalifen,

96 "Muntahiyul Āmāl", B. 2, S. 216

 

wußten, daß sie das Schahādat der Imame (a.s.) teuer zu stehen kommen würde. Jedoch ihrer Ansicht und Gewaltpolitik - die sie nach wie vor beibehielten- gemäß, war dies (Schahādat) dennoch die einfachere Lösung.

Schahādat Imam Mussa Kazims (a.s.)

Ich sagte es bereits - das letzte Gefängnis, in dem der Imam festgehalten wurde, war das des Sandi Ibn Schāhik. Wie ich las, war er ein Nicht-Muslim. Er war jemand, der jeglichen Auftrag, den man ihm erteilte, peinlich genau und mit aller Härte durchführte. Man hatte den Imam in ein finsteres Verließ geworfen. Und späterhin verbreitete man sogar, der Imam sei eines natürlichen Todes gestorben.

Wie berichtet wird, hatte Yahyā Barmaki Hārun versprochen - um dessen Gnade für seinen Sohn zu erreichen (die Geschichte erzählte ich bereits) -das, was die anderen nicht getan hatten, zu tun. Und so ging er zu Sandi und sagte ihm: Bring du den Imam um.

Sandi war einvestanden. Yahyā beschaffte ein schweres Gift und händigte es Sandi aus. Das Gift wurde in eine Dattel injiziert, die man dem Imam gab, damit er sie äße.

Parallel dazu waren angesehene Persönlichkeiten der Stadt - große geistliche Gelehrte und Richter, die das Vertrauen der Bevölkerung besaßen -eingeladen worden. Auch der Imam wurde hinzugeholt, und dann sprach Hārun: 'Leute, seht nur, welche Gerüchte die Schi'iten verbreiten. Sie behaupten, Mussa bne Ğa"far erginge es in der Haft sehr schlecht. Doch, wie ihr euch selbst überzeugen könnt, ist er bei voller Gesundheit und Kraft.'

Noch hatte Hārun seine Rede nicht beendet, als der Imam sprach: 'Er lügt. Gerade eben wurde mir Gift eingegeben. Länger als zwei, drei Tage werde ich nicht mehr leben.'

Hāruns Ziel war verfehlt. Was er mit dieser Einladung bezweckt hatte, war nicht erreicht worden. Als der Imam das Schahādat gefunden hatte, brachte man daher seinen Leichnam zunächst zur Brücke von Bagdad, und forderten die Bevölkerung auf, hinzugehen und den Leichnam zu betrachten. 'Seht, ihm fehlt nichts. Nicht ein1 Arm ist ihm gebrochen worden, sein Kopf ist noch dran, am Hals sind keine Würgemale, sein Körper ist heil und unversehrt. Ihr seht also, wir haben ihn nicht getötet. Er ist eines natürlichen Todes gestorben.'

Drei Tage lang lag der Leichnam des Imam dort, um den Leuten einzureden, daß der Imam nicht gewaltsam ums Leben gebracht worden war.

 

Allerdings, der Imam hatte viele Freunde. Doch sie - die bereit waren, ihr Leben für einzusetzen und hinzugeben - wie ein Schwamm über dem Feuer -waren die Schiiten.

Eine bewegende Begebenheit wird berichtet. Einige der Anhänger des Imam - Schi'iten aus Iran - waren nach Bagdad gekommen. Zu reisen war damals sehr beschwerlich und anstrengend. Und sie sagten sich: 'Da wir es nun geschafft haben, die strapaziöse Reise hinter uns zu bringen und hier angelangt sind, wollen wir auf jeden Fall jenen geliebten Gefangenen besuchen. Einen Gefangenen zu besuchen, ist ja wohl kein Vergehen.'

Doch der Besuch wurde ihnen verwehrt. Sie sagten sich: 'Wir werden darum bitten, vielleicht erlaubt man es uns dann.' Sie gingen wieder hin zum Gefänngis. Baten um einen Besuch bei Mussa bne Ğa'far (a.s.). Und diesmal hieß es tatsächlich: 'Na gut, es sei euch erlaubt. Wartet hier, wir werden dafür sorgen, daß ihr ihn sehen könnt.'

Und sie glaubten dem Versprechen. Warteten und meinten, nach dem Besuch bei dem Imam heimkehren und in ihrer Heimat sagen zu können: 'Ja, wir waren in Bagdad, haben den Imam aufgesucht und ihn dies und jenes gefragt, worauf er uns das und jenes antwortete...

So warteten und warteten sie. Bis daß sich endlich das Tor auftat und vier Träger heraustraten, die einen Leichnam auf ihren Schultern trugen. Der Gefängnisbeamte sagte zu ihnen: 'Seht her, dies ist euer Imam…'

Quelle: Die Imame (a.s.) und ihr Weg

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