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Wednesday 18th of September 2019
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Ungerechtigkeit, Tyrannei...

4.26 Ungerechtigkeit, Tyrannei...

Der Erhabene Gott hat im Heiligen Koran aberhunderter Male auf das Übel von Unrecht und

Tyrannei hingewiesen und vor dieser Hässlichkeit, die wahrhaftig dämonisch ist, eindringlich

gewarnt. In zwei Dritteln der Koransuren – insgesamt sind es 114 Suren – ist von Unrecht und

Tyrannei die Rede.

Niemand ist auf Erden, der nicht wusste, wie hässlich und unheilvoll Unrecht und

Ungerechtigkeit sind, wie viel Leid und Unglück durch sie geboren werden, wie viel Zerstörung,

Blutvergießen, Tränen...

- 160 -

Offenkundig ist aber auch, dass tyrannische Herrschaften, so gewaltig und stabil sie auch

scheinen mögen, auf keinem festen Fundament ruhen. Dass den Tyrannen über kurz oder lang

das Dach ihres Schlosses über ihren Köpfen zusammenstürzt...

Gott spricht im 144. Vers der Sure 6, An’am:

ظٰلِمِينَ _ لَا يَہۡدِى ٱلۡقَوۡمَ ٱل Iَ _ ن ٱ _ ...إِ

Gewiss wird Gott die Unrechttuenden nicht ans letztliche Ziel gelangen lassen.

Und die Imame (a.s.) sagten:

Besitz und Macht lassen sich durch Unglauben wohl erhalten, nicht aber durch Tyrannei.

4.27 Zwischenmenschliche Beziehungen

Der Mensch lebt in der Gemeinschaft und kann der Begegnung mit anderen nicht entfliehen. Ein

guter Umgang mit seinen Mitmenschen ist ihm somit nur zum Wohl. Sein soziales Empfinden als

auch seine gesellschaftliche Situation werden dadurch unterstützt. Gute gesunde

zwischenmenschliche Beziehungen tragen dazu bei, dass er Tag für Tag „hinzugewinnt“, sowohl

hinsichtlich seines materiellen als auch geistigen Lebens. Ganz abgesehen davon, dass er seine –

Probleme leichter zu bewältigen vermag, wenn er nicht allein dasteht. Er tut daher gut daran, den

Mitmenschen so zu begegnen, dass er sie „für sich gewinnt“ und sie ihm wohlgesonnen sind.

Sein gutes, gesittetes und freundliches Verhalten führt dazu, dass sie ihn „mögen“ und die Zahl

jener, die ihm zur Seite stehen, anwächst.

Einem jeden dürfte dieses bekannt sein: Wer anderen grob bzw. gleichgültig begegnet, ruft in

ihnen Antipathie hervor. Sie werden ihm ebenfalls die „kalte Schulter“ zeigen und ihn gar meiden

und fliehen. Es wird soweit kommen, dass er in der Gesellschaft, zu der er gehört und in der er

lebt, isoliert ist..., ein Fremder in der eigenen Heimat.

Derartiges aber, nämlich gemieden von allen zu sein, zählt zu den betrüblichsten Dingen, die

einem Menschen begegnen können.

Darum ruft der Islam zu guten, gesunden zwischenmenschlichen Beziehungen auf, zu

Wohlverhalten den Mitmenschen gegenüber. Er gibt hervorragend Empfehlungen zu einem

erfreulichen Miteinander an die Hand. Unter anderem:

Grüße, wenn du anderen begegnest…und bemühe dich, stets als erster zu grüßen!

Prophet Muhammad (s.a.a.s.) war auch diesbezüglich bestes Vorbild. Er entbot seinen

Friedensgruß – „Salam alaykum“ – in der Regel als erster, ob er Frauen, Kindern oder Männern

begegnete. Das heißt er grüßte, noch bevor man ihn grüßte. Es war ihm sehr daran gelegen, als

erster zu grüßen. Doch kam ihm hin und wieder jemand zuvor, so beantwortete er dessen Gruß

freundlicher und zuvorkommender als dieser ihn gegrüßt hatte.

- 161 -

Im 86. Vers der Sure 4, Nissa’, lesen wir dieses Gotteswort:

دوهَ ا .ٓ.. v ۡہَا أَوۡ رُ g واْ بِأَ حسَنَ مِ v ةٍ۬ فَحَي _ يتُم بِتَحِي +A وَإِذَا حُ

Wenn euch jemand grüكt, so antwortet seinem Gruك ebenso oder noch wohlgefنlliger.

Auch mahnte Gott, dass ein jeder dem anderen bescheiden und respektvoll begegnen sollte.

Hierzu lesen wir im 63. Vers der Sure 25, Furqan:

نَ ي Jِ_X ... F َلَى ٱلۡأَرۡضِ هَوۡ ً { رحۡمَٰنِ ٱ مۡشُونَ _ وَعِبَادُ ٱل

Würdige Gottesgeschِpfe sind, die dem Mitmenschen mit allem Respekt und in aller

Demut (Bescheidenheit) begegnen.

Auf folgendes ist in diesem Zusammenhang hinzuweisen, um Missverständnisse auszuschalten.

Wenn Gott sagt, begegne dem anderen in „Demut“, so ist mit dieser „Demut“ nicht gemeint, dass

man sich vor dem Mitmenschen erniedrigt und wertlos zeigt. womit der eigenen Persönlichkeit

Schaden zugefügt wird. Sondern mit dieser „Demut“, von der hier die Rede ist, ist gemeint, dass

man bescheiden bleibt und mit seinen eigenen Erfolgen und Leistungen vor anderen nicht prahlt.

Das man keine Privilegien erwartet, andere nicht abwertet und gering einstuft.

Und wenn zu Respekt und Hochachtung anderen gegenüber aufgerufen wird, so heißt das

keinesfalls, andere zu hofieren, vor ihnen zu „buckeln“, zu „kriechen“ bzw. ihnen zu

„schmeicheln“. Sie sind zu respektieren, wie es ihnen zukommt. Die „Großen“ der Gesellschaft

entsprechend ihrer Verdienste und die übrigen so, wie es ihrer menschlichen Würde zukommt.

Gemeint ist auch nicht, dass man ein jegliches „menschenunwürdiges“ Tun übersieht und

schweigend hinnimmt. In der Annahme, seinen Respekt anderen gegenüber zum Ausdruck

bringen zu müssen. Oder sich in einer Versammlung, in der sich alle in menschenunwürdiger

Weise verhalten bzw. Dinge tun, die dem göttlichen Gebot widersprechen, zu fügen, „mit dem

Strome zu schwimmen“ und mitzumachen, und nicht „unangenehm aufzufallen“.

Nein, derlei ist mit „Respekt“ und „Hochachtung“ nicht gemeint. Vielmehr ist es so, das mit

unserem Respekt anderen gegenüber unser Respekt vor deren menschlicher Würde zum

Ausdruck gebracht werden soll. Diese aber hat mit der äußeren Gestalt des Betreffenden, dessen

„Habitus“ und fragwürdigen Orden etc. nichts zu tun...

Daher..., wenn jemand hingeht und diese seine menschliche Würde und gute, gottwohlgefällige

Gesinnung zugrunde richtet, so gibt es keinen Grund, derlei zu würdigen.

Prophet Muhammad (s.a.a.s) sprach:

Sich anderer zu fügen darf nicht soweit gehen, dass gegen Gottes Wort verstoكen wird.

4.28 Nicht mit Worten, nicht mit Taten

- 162 -

Nicht mit Worten, nicht durch unser Verhalten dürfen wir anderen Leid zufügen. Das heißt,

weder dürfen wir unsere Mitmenschen beschimpfen, verleumden, verhöhnen und dergleichen,

noch ihnen durch unser Vorgehen und Handeln weh tun. Kurz, Unrecht und Leid, das anderen

zugefügt wird und Unheil, das verursacht und verbreitet wird, sind Dinge, die Wohl, Frieden und

Ruhe des menschlichen Lebens – des individuellen wie auch sozialen – stören und zunichte

machen.

Derartigem beugt das islamische Gesetz, das vor allen Dingen dem Wohl der Gesellschaft

Bedeutung beimisst, mit seinen Bestimmungen vor. Gott sagt im 58. Vers der Sure 33, Ahzab:

ن ٱ و Jِ_X ي نًا i م ِ v َٰنًا وَإِثمًۡا T َمَلُو ا به T بُو ا فَقَدِ ٱحۡ o َسَsu َٰتِ بِغَيۡرِ مَا ٱ g ينَ وٱلۡمُؤۡمِ g يُؤۡذُونَ ٱلۡمُؤۡمِ ِ

Wer muslimische Frauen und Mنnner ungerechtfertigt behelligt, belنdt sich mit groكer

Sünde.

Und Prophet Muhammad (s.a.a.s.) sprach:

Wer sich gegen einen Muslim schlecht verhنlt, verhنlt sich mir gegenüber schlecht. Und

wer sich mir gegenüber schlecht verhنlt, verhنlt sich Gott gegenüber schlecht. Er wird in

Thora, Evangelium und Koran verflucht.

Auch mahnte er:

Wer einen Muslim mit bِsen, harten Blicken نngstigt, den wird Gott am Tage der

Auferstehung in Angst und Schrecken versetzen.

4.29 Suche die Guten

Der Mensch hat in der Regel zu vielen Kontakt. Mit den einen mehr, mit den anderen weniger.

Einige aber sind es, denen er besonders verbunden ist, zu denen er freundschaftliche Beziehungen

unterhält. Sie sind ihm lieber und vertrauter als die übrigen. Unter anderem deswegen, weil sie

denken und empfinden wir er. Sie sind ihm nicht fremd, stehen ihm innerlich nah.

Nun ist es aber so, dass Verhalten und Gesinnung jener, mit denen man oft zusammen ist,

Einfluss auf uns nehmen und auf uns, wie man so sagt, „abfärben“. Darum ist es wichtig, darauf

zu achten, mit wem wir in engeren Kontakt treten. Es sollten Freunde sein, von denen wir lernen

können, die uns nicht „ausnutzen“ und uns nicht zu Hässlichkeiten verleiten. So wird

Freundschaft zu einem Gewinn für uns. Ganz abgesehen davon, dass gute Freunde unserem

Image zugute kommen und uns in unserem Leben Halt und Stütze sind.

Amir al Mu’minan Ali (a.s.) sagte:

لى الخير { £ صحاب من يد ّ D ير %

- 163 -

Die besten Freunde sind dir jene, die dich zum Guten motivieren.

Auch erinnerte an dieses:

. المرء يوزن بخلي

Sage mir, mit wem du umgehst, und ich sage dir wer du bist.

Das heißt, die Wertigkeit eines Menschen ist auch unter Berücksichtigung jener, mit denen er

befreundet ist, festzustellen.

4.30 Meide üble Charaktere

Sich mit üblen „Charakteren“ zu befreunden ist niemals ein Gewinn, im Gegenteil. Derartige

Freundschaften und Beziehungen führen dazu, dass Klarheit und wahre Freude aus unserem

Leben weichen. Fragen wir beispielsweise „Kriminelle“, warum sie auf die schiefe Bahn geraten

sind, so antworten sie in der Regel: Wir hatten schlechten Umgang. Wir gaben uns mit „üblen

Charakteren“ ab, mit Dieben, Hehlern, Ganoven, Rauschgiftsüchtigen... Sie haben uns zu unseren

Straftaten verleitet. Kaum ein Straffälliggewordener ist anzutreffen, der aus freien Stücken, d.h.

ohne dazu animiert bzw. motiviert worden zu sein, seine „kriminelle Laufbahn“ eingeschlagen

hätte.

Amir al Mu’minan Ali (a.s) warnte:

Hüte dich vor Umgang mit Frevlern. Sie werden dich zu dem machen, was sie selbst sind.

Darum, weil sie dich nicht akzeptieren, wenn du anders sein willst als sie.

Auch mahnte er:

لنّافة . عك AB ك و مصادقة الفجر فانهّ ي _ ا ّ

Halte dich fern von Gaunern und Ganoven, da sie dich zu einem schnِden Preis

verschachern werden.

4.31 Aufrichtigkeit

Das, was einer Gesellschaft zugrunde liegt, sind die ihrer einzelnen Mitglieder zueinander. Diese

Kontakte werden vor allen Dingen durch Worte hergestellt. Man spricht miteinander, teilt sich

gegenseitig seine Gedanken, Wünsche, Hoffnungen, Erwartungen und Besorgnisse mit..., sagt,

was man benötigt, schaffen und erreichen möchte. Das heißt, die gesunde Kommunikation, das

aufrichtige Gespräch, das Wahrheiten vermittelt, zählt zu den Notwendigkeiten einer intakten

- 164 -

Gesellschaft. Wenn sie sich entfalten und Fortschritte erzielen möchte, kann sie darauf nicht

verzichten.

All das Positive, das durch Aufrichtigkeit geboren wird, lässt sich in einigen wenigen Sätzen

zusammenfassen:

Erstens: Der Aufrichtige genießt das Vertrauen seiner Umwelt, welche sich nicht genötigt sieht,

die jedes seiner Worte zu überprüfen.

Zweitens: Er steht vor sich selber „aufrecht“ da und ist vor den ständigen Sorgen, die das Lügen

dem Lügner bereitet, bewahrt.

Drittens: Der Aufrichtige hält sich an sein Versprechen und hütet das was man ihm anvertraut,

denn er ist ehrlich und somit zuverlässig in Wort und Tat.

Viertens: Durch Aufrichtigkeit wird Missverständnissen und Konflikten vorgebeugt. Denn das

Gros aller Kontroversen und zwischenmenschlichen Probleme entsteht dadurch, dass man

zueinander nicht ehrlich ist.

Fünftens: Die meisten moralischen „Mankos“ und Vorstöße gegen Recht und Gerechtigkeit

lassen sich durch Aufrichtigkeit vermeiden bzw. ausschalten. Darum, weil viele nur deswegen,

am irgendwelche „Schwachstellen“ zu bemänteln, zur Lüge und anderen Hässlichkeiten greifen.

Amir al Mu’minan Au (a.s.) mahnte:

Wahrer Muslim ist der, welcher auch wenn es zu seinem Nachteil wنre die Wahrheit

kundtut und ihr vor der Lüge gleichwohl diese dein نuكerem Schein nach zu seinem

Vorteil wنre, den Vorzug gibt. Durch diese Aufrichtigkeit aber findet er zu innerer Ruhe,

nicht durch Lüge.

4.32 ـber die Lüge

Das Negative der Lüge ist im Großen und Ganzen bekannt. Darum wollen wir nur noch an

folgenden Punkt erinnern:

Unaufrichtigkeit ist der Erzfeind einer jeden Gemeinschaft und Gesellschaft und führt zu deren

Ruin, wenn nicht Abhilfe geschaffen wird. Darum, weil die Lüge wie Rauschgift wirkt, das nach

und nach des Menschen Vernunft und Gewissen einschläfert. Weil sie die Tatsachen verschleiert

und letztendlich die Fähigkeit raubt, Schlechtes von Gutem unterscheiden zu können.

Im Islam wird daher die Lüge als eine große Sünde betrachtet und gewertet.

Prophet Muhammad (s.a.a.s.) sagte:

- 165 -

Drei Gruppen sind munafiq, d.h. heuchlerisch, und unehrlich..., auch wenn sie das Gebet

sprechen und fasten sollten: Zum einen die Lügner, dann diejenigen, die das, was sie

versprechen, nicht halten und drittens jene, die an dem, was man ihnen anvertraut, Verrat

begehen.

Imam Ali (a.s.) mahnte:

Der wird die Süكe des Glaubens kosten, der die Lüge auch wenn sie nur im Scherz über

die Lippen kنme konsequent meidet.

Zu Lügen ist nicht nur religionsrechtlich gesehen hässlich und sündig, sondern wird „instinktiv“

vom Menschen abgelehnt. Sein Gewissen, sein inneres Erkennen sträuben sich gegen

Unehrlichkeit und Unwahrheiten. Nein, die Lüge ist des Menschen nicht würdig...

Unter anderem deswegen, weil ein gesundes Miteinanderleben und – arbeiten durch

Unaufrichtigkeit „zersetzt“ und „faulig“ wird. Und so in einer Gemeinschaft statt der Ehrlichkeit

die Lüge herrscht, wird erstere – d.h. die Gemeinschaft – rasch zugrunde gehen. Schließlich sind

Zuverlässigkeit und Vertrauen jene wesentliche Basis, die einer jeden Gesellschaft – sei sie groß

oder klein – Halt geben. Wie schlimm lebt es sich doch in einer „Gemeinschaft“, in der der eine

dem anderen misstraut, in der Unehrlichkeit und Argwohn das Zepter führen! Mehr oder weniger

isoliert voneinander leben die einzelnen „miteinander“, eben wegen des Misstrauens und der

Unzuverlässigkeit, die unter ihnen gegeben sind...

Ganz abgesehen davon: Der Mensch hat in seinem Leben ununterbrochen mit externen Faktoren

zu tun. Mit ihnen steht sein Leben in engem Zusammenhang. Er arbeitet, schafft und müht sich

und benutzt dazu sein Denken, Wissen und seine Informationen. Informationen, die er selbst

erwirbt oder aber durch seine Mitmenschen erhält...

Kurz, er ist auf richtige Kenntnisse angewiesen..., sei es, das er sie selbst gewinnt oder durch

andere in Erfahrung bringt. Dass falsche Mitteilungen und Resultate das Rad seines Lebens aus

der Bahn werfen können, ist allseits bekannt. Wird ihm – um ein simples Beispiel anzuführen –

gesagt, dass er jenen Weg einzuschlagen hat, um ans Ziel zu kommen, sich dieser Weg aber als

Irrweg oder Abgrund erweist, so schliddert er, wenn er dieser falschen Information Glauben

schenkt und sich an ihr orientiert, möglicherweise in ein höchst unerfreuliches Fiasko hinein...,

ganz zu schweigen davon, dass er seine Zeit und Kraft vergeudet.

Kurz, wenn es die Lüge ist, die in einer Gesellschaft das Sagen hat, wird sich niemand mehr auf

den anderen verlassen können, da nur noch falsche Informationen und Berichte kursieren und

einer dem anderen mit Argwohn und Misstrauen begegnet. Ein großes Dilemma für die

betroffene Gesellschaft, ein Dilemma, das sie in den Ruin treibt.

Daher: Ein Lügner ist eine „Person ohne Persönlichkeit“, ist jemand, der gewissenlos betrügt...,

ein Feind der Gesellschaft. Er ist unzuverlässig, unglaubwürdig und schaufelt sich selbst – sich

mit eigenen Händen der göttlichen Verdammnis aussetzend – sein Grab...

- 166 -

4.33 ـble Nachrede, Verleumden

Über andere negativ zu sprechen – und dazu noch hinter ihrem Rücken – ist „üble Nachrede“.

Und wenn derartiges gar auf Unwahrheit beruht, so bezeichnet man es als „Verleumdung“.

Gott hat den Menschen – mit Ausnahme der Propheten und Imame (a.s.) – nicht „unfehlbar“

erschaffen. Und ein jeder begeht, aufgrund seiner „Schwachstellen“, Fehler und strauchelt hin

und wieder. Mit anderen Worten, die meisten leben ihr Leben samt ihren Mängeln und

Unzulänglichkeiten, ohne dass diese den Mitmenschen sonderlich auffallen.

Auch hierin – d.h., dass die Unzulänglichkeiten des Menschen seiner Umwelt mehr oder weniger

verborgen bleiben – ist die Weisheit des Allmächtigen und Erhabenen Gottes zu erkennen. Wie

könnte sich auch der einzelne in Ruhe entfalten und an sich selbst „arbeiten“, wenn er ständig auf

seine schwachen Punkte hingewiesen und an den Pranger gestellt würde.

Gott hat aber in Seiner grenzenlosen Huld und Weisheit einen „Schleier“ über die Mängel des

Menschen gelegt. Entfernte man diesen nur für einen Augenblick, so wären seine Mitmenschen

über seine Schwächen gleich im Bilde. Man würde ihn mit „anderen Augen“ betrachten und

möglicherweise einen Bogen um ihn machen. Das aber wäre das Ende einer intakten

Gesellschaft...

Der Erhabene Gott hat daher strikt untersagt, über andere „schlecht zu reden“, sie in den Augen

anderer abzuwerten. Damit das Milieu ein gutes und freundliches sei, in dessen Frieden einem

jeden die Gelegenheit gegeben ist, sich unbehelligt und in aller Ruhe berichtigen zu können.

Gott spricht im 12. Vers der Sure 49, Hugurat:

Meidet üble Nachrede, denn über seine muslimischen Geschwister schlecht zu sprechen ist

so, als würde man am Fleisch seines toten (wehrlosen) Bruders nagen.

Zu verleumden aber ist noch um ein Vielfaches schlimmer als üble Nachrede. Wie abgrundtief

hässlich und niedrig derartiges ist, ist dem, der sich sein menschliches Empfinden bewahrt hat,

offenkundig. Gott weist auf das schwere Vergehen dessen, der verleumdet, hin und spricht im

105. Vers der Sure 16, Nahl:

Die Verleumder glauben nicht an Gott

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