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Wednesday 18th of September 2019
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Koranischer Vorschlag

3.14.5.18Koranischer Vorschlag

„Kafaran“ und „Muschrikan“- das heißt Gottlose und Polytheisten – in deren Herzen Irrglaube

und Hochmut feste Wurzeln geschlagen hatten. waren keinesfalls damit einverstanden, der

Einladung zum Ein-Gott-Bekennen zu folgen. Sie wiesen den Islam strikt zurück und wollten die

Wahrheit unter keinen Umständen akzeptieren. Ebenso hartnäckig lehnten sie den Propheten ab,

leugneten seine göttliche Gesandtschaft und sagten: Er ist ein Scharlatan, ein Magier. Der Koran,

den er als Gottes Wort vorstellt, ist nichts weiter als das, was er sich selbst ausgedacht hat.

Um dieser unwahren Behauptung und Verleumdung ein Ende zu setzen, schlug der Koran ihnen

vor:

Wenn ihr meint, dass die Worte des Korans, die der Gesandte Gottes rezitiert, von diesem selbst,

das heißt also, dass sie Menschenwerk sind, so kommt und bringt Verse gleich der koranischen

hervor. So könntet ihr das, was ihr behauptet, beweisen.

Im Heiligen Koran, im 34.Vers der Sure 52, Tur, lesen wie dieses Gotteswort:

ۦ إِن كَانُواْ صَٰدِقِينَ .ۡ ِِۤ . م+ فَلۡيَأۡتُواْ بِحَدِيثٍ۬

Sie sagen, der Prophet habe den Koran selbst erdacht. Nun, wenn sie so meinen, dann

sollen sie selbst Verse wie die des Koran hervorbringen, um somit die Richtigkeit ihrer

Behauptung nachweisen zu kِnnen.

Und im 38.Vers der Sure 10. Yunus, heißt es:

إِن كُنتُمۡ صَٰدِقِينَ Iِ _ من دُونِ ٱ + تَطَعۡتُم o وٱدۡعُو ا مَنِ ٱسۡ .ۡ ۦِِ . م+ سُورَةٍ۬ . أَمۡ يَقُولُونَ ٱفۡ ٰ تر ه قُلۡ فَأۡتُواْ ِ

Sie sagen, der Koran sei nichts als Blendwerk. Ihn als Gottes Wort zu bezeichnen, sei Lüge.

Sprich: Wenn das, ihr behauptet, wahr ist, so bringt doch eine Sure wie die des Heiligen

Koran hervor. Sie kِnnen sich hierbei von ihren Gِtzen und von einem jeden, den sie

wollen, helfen lassen.

Nun, wie gesagt, die arabischen Götzendiener und Gottesleugner, die Meister der Redekunst

waren, entzogen sich jedoch – bei all ihrer Arroganz und Selbstherrlichkeit – geflissentlich dieses

Vorschlags. Auf einen „literarischen Wettstreit“ mit dem Koran verzichteten sie. Stattdessen

zogen sie es vor, mit dem Schwert gegen ihn vorzugehen. Zu töten war ihnen lieber als auf

literarische Ebene eine Niederlage hinnehmen zu müssen.

Die Großen der Redekunst sahen sich außerstande, etwas wie den Koran schaffen zu können.

Und nicht nur sie, die zu Zeiten der Hinabsendung des Korans lebten, sondern auch diejenigen,

die nach ihnen kamen, waren dessen nicht fähig. Mit dem Resultat, das sie sich letztendlich, als

sie sahen, das all ihre Mittel und Ränke nichts nutzten, aufgaben und das Feld verließen.

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Es wird jedoch immer jene geben, die aus irgendwelchen Motivationen heraus „auf der Lauer

liegen“, von dem Gedanken getragen, eine Gelegenheit zu finden, dem Koran Dominanz und

Würde zu nehmen. Und so sich ihnen die Gelegenheit dazu bietet, werden sie gewisslich nichts

unterlassen und alles tun, um dieses „Ziel“ zu erreichen. Dennoch..., weder vermochten sie es

bisher, noch werden sie es in Zukunft können.

Kurz, der Vorwand, der Koran sei Blendwerk und Scharlatanerei, entbehrt jeglicher Grundlage

und ist hinfällig. Und wenn der Koran aufgrund seiner sprachlichen Eleganz und Aussagekraft

die Herzen in seinen Bann zu ziehen vermag, so ist das auf seine natürliche, klare Schönheit

zurückzuführen und hat mit Zauberei und Magie nichts zu tun. Wenn er das, was er sagen will,

zum Ausdruck bringen, von Gott und Tawhid überzeugen und Wissen vermitteln kann, dessen

Richtigkeit die menschliche Vernunft erkennt, wenn er ein Verhalten und eine Gesinnung

empfiehlt, die Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit, Hilfsbereitschaft, Menschenfreundlichkeit, Hoffnung

und Zuversicht beinhalten, so wird sich das Gewissen gewiss nicht dagegen sperren, sondern

vielmehr befürworten. Schließlich ist es nichts als die Wahrheit, als die reine, klare Wahrheit...

Jedenfalls..., es gelang den Sprachgewandten nicht, den Nachweis für ihre Behauptung, der

Koran sei Menschenwort, zu erbringen. Und niemand wird es können, bis in alle Ewigkeit hinein

nicht. Niemand wird jemals fähig sein, mit diesem Himmlischen Buch zu wetteifern bzw. zu

konkurrieren. Darum, weil die koranische Sprache so vollkommen, so außerordentlich schön,

gehaltvoll, ausgefeilt und präzis, so voller Harmonie und Weisheit ist, dass sie unendlich weit

über aller menschlichen Redekunst steht...

Der eine oder andere mag einwenden: Für jegliche menschliche Fertigkeit, Kunst oder auch

Tugend gibt es jene, die die „Ersten“ in dem betreffenden Metier sind. Was sollte uns also daran

hindern, anzunehmen, das Muhammad Ibn Abdullah (s.a.a.s) in der arabischen Sprache ganz

besonders gewandt gewesen ist und diese seine Gewandtheit ihn dazu befähigte, den Koran zu

verfassen?

Antwort: Wenn dem so gewesen wäre, wenn der Koran aus seinem Munde stammen würde, so

hätte man doch – da es in diesem Fall Menschenwort gewesen wäre – mit ihm wetteifern können.

Das aber vermochten weder die großen Redemeister noch die Widersacher des Koran. Das

könnten sie selbstverständlich auch nicht, und niemand wird es je können. Denn jede Fertigkeit,

Kunst oder Eigenschaft, durch die ein genialer Mensch brilliert, ist und bleibt dennoch etwas, das

durch menschliche Fähigkeit möglich wurde. Durch menschliche Kraft und Begabung. Auch

andere talentierte Menschen vermögen dieses Können zu erreichen..., wenigstens in etwa,

vielleicht sogar noch mehr.

Dem Meisterkalligraphen ist die Feder nicht aus der Hand zu nehmen und dem großen Maler

nicht der Pinsel. Ihre Genialität ist nicht zu leugnen. Doch bei genügend Talent, Fleiß und Übung

ist es zu schaffen, wenigstens in etwa so elegant zu schreiben wie der Meisterkalligraph oder ein

kleines Gemälde im Stile des großen Malers zu schaffen.

Das besagt: Wenn der Heilige Koran das redegewandte sprachliche Werk eines Menschen wäre

und nicht Gottes Wort, so müsste es möglich sein, das Sprachgewandte oder Literarisch-

Talentierte ein Buch wie den Koran, zumindest aber eine Sure in der Art der koranischen

hervorbringen. Wenigstens in etwa und wenn auch unter großen Mühen...

Kurz, der Heilige Koran rief die Menschen auf, ein Wort gleich dem seinen zu schaffen.

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.ۡ ِِ . م+ فَلۡيَأۡتُواْ بِحَدِيثٍ۬

سُورَةٍ . فَأۡتُواْ ِ

مُفۡتَرَيَٰتٍ .ۡ ۦِِ . م+ قُلۡ فَأۡتُواْ بِعَشۡرِ سُوَرٍ۬

وَلَوۡ كَانَ بَعۡضُہُمۡ لِبَعۡضٍ۬ ظَهِيرًا . لَا يَأۡتُونَ بِمِثۡ ۦِِ

(52:34, 10:38, 11:13, 17:88)

Doch sie vermochten und vermögen es nicht.

Abschließend sei noch auf folgenden Punkt hingewiesen. Der Koran ist nicht allein hinsichtlich

seiner sprachlichen Reinheit und Schönheit unnachahmbar, sondern ebenfalls im Hinblick auf

seine hohe Aussage, die Antworten für sämtliche Belange und Bedürfnisse des Menschen und der

menschlichen Gesellschaft beinhaltet. Ganz abgesehen davon, das er Kunde gibt über das Sein,

die Schöpfungsordnung, die Wahrheiten der jenseitigen, immateriellen Welt etc...

Kurz..., wie er selbst ganz konkret erklärt, vermag niemand ein Buch hervorzubringen, das ist wie

der Koran...

3.15 Ahl-Bayt des Gesandten Gottes (a.s.)

Mit „Ahl-Bayt“ sind von Wort und Sitte her jene gemeint, die zur „Hausgemeinschaft“ des

Mannes gehören, wie Gattin, Söhne, Töchter und Hausangestellte. Also alle, die unter „seinem“

Dach leben und vereint sind. Bisweilen wird der Begriff „Ahl-Bayt“ auch in erweitertem Sinne

benutzt. Das heißt, er umfasst zudem die näheren Angehörigen wie Vater, Mutter, Geschwister,

Kinder, Großeltern, Onkel und Tanten, deren Kinder...

Jedoch im Zusammenhang mit dem „Ahl-Bayt“ des Propheten trifft – laut Koran und Sunna –

keine der beiden Definitionen zu. Gemäß zahlreichen und zuverlässigen Überlieferungen –

schiitischen als auch sunnitischen – ist „Ahl-Bayt“ die gottgegebene Bezeichnung für die kleine

Gemeinschaft Prophet Muhammad (s.a.a.s.), Hadrat Ali, Hadrat Fatimah-Zahra, Hassan und

Hussayn (a.s.). Das besagt, das die weiteren Hausangehörigen oder Verwandten des Gesandten

Gottes (wenngleich sie im Allgemeinen ebenfalls zu einem „Ahl-Bayt“ zählen) zu diesem

speziellen „Ahl-Bayt des Propheten“ nicht gehören. Selbst Hadigah-Kubra, die geschätzteste der

Gattinnen Hadrat Muhammads (s.a.a.s.) und Mutter Hadrat Fatimahs (a.s.) als auch Ibrahim, ein

früh verstorbener Sohn des Propheten und somit mit diesem in engster verwandtschaftlicher

Beziehung stehend, zählen nicht zu dem in diesem Sinne gemeinten „Ahl-Bayt des Gesandten

Gottes“.

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Gemäß zuverlässiger Ahadit sind auch die weiteren neun der insgesamt zwölf Unfehlbaren

Imame in dieses „Ahl-Bayt des Propheten“ mit eingeschlossen.

Das besagt, dass mit „Ahl-Bayt“ insgesamt die vierzehn Unfehlbaren – die vierzehn „Ma’sumin“

– gemeint sind, und mit „Ahl-Bayt des Propheten“ die weiteren dreizehn Unfehlbaren aus seinem

Hause.

Mit anderen Worten: Fatimah-Zahra (s.a.) und die zwölf Imame (a.s.).

Ahl-Bayt (a.s.) zeichnet sich durch höchste Tugenden, Qualitäten und außergewöhnliche

Vorzüglichkeiten aus, die kein normal-menschliches Wesen sonst erreichen kann.

Auf die beiden wichtigsten Hervorragendheiten und Charakteristika dieses Ahl-Bayts (a.s.)

weisen folgende Koranverse hin.

Erstens: Im 33. Vers der Sure 33, Ahzab, spricht Gott:

رَكُمۡ تَطۡهِيرًا + ۡتِ وَيُطَه N رجۡسَ أَهۡلَ ٱلۡبَ + ُمُ ٱل | لِيُذۡهِبَ عَن Iُ _ رِيدُ ٱ J مَا ُ _ إِن

Das heißt also, dass ihnen „Ismat“ und „Taharat“ gegeben ist. Mit anderen Worten, sie sündigen

und vergehen sich nicht und sind rein. Aufgrund dieses ihres Fernseins von Sünde, Ungutem und

folglich ihrer Reinheit begehen sie weder Fehler noch Irrtum.

Zweitens: Aus dem Hadit „Tiqlayn“, dem Worte unseres verehrten Propheten (s.a.a.s), auf den

wir zuvor schon hinwiesen, erfahren wir, das sich Koran und Ahl-Bayt des Propheten nie

voneinander trennen. Dass sie immer miteinander und einander verbunden sind. Und dass sie –

Ahl-Bayt (a.s.) – sich niemals hinsichtlich ihres Erkennens und Begreifens der Aussage des

Heiligen Korans und der islamischen Zielsetzungen irren.

Dieses aber bedeutet, dass Wort und Vorgehen Ahl-Bayts (a.s.) – ebenso wie Wort und Vorgehen

(Sunna) des Gesandten Gottes (s.a.a.s.) – bindend und Orientierung sind..., eben das, wovon die

Schi’ah überzeugt ist und was sie beherzigt.

3.15.1 Der hohe Rang Ahl-Bayts (a.s.)

Sunniten und Schiiten überliefern zahlreiche Aussagen des Gesandten Gottes, die auf den hohen

Rang seines Ahl-Bayts hinweisen. Als Beispiel sei – im Zusammenhang mit Hadrat Ali, Hadrat

Fatimah-Zahra, Hassan und Hussayn (a.s.) an folgende Begebenheit erinnert:

Im Jahre 6 n.H. entsandte das christliche Oberhaupt des Gebietes Nagran einige Gelehrte seiner

Gemeinde nach Medina. Diese christliche Delegation suchte den Gesandten Gottes auf und

begann mit ihm zu diskutieren und zu disputieren und beharrte hartnäckig auf ihren

Behauptungen (im Zusammenhang mit der Divinität Jesu, die sie lehrten, d.Ü.), wenngleich sie

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diese nicht begründen konnte. Da kam von Gott folgender Koranvers – die Ayah „Mubahilah“43

hernieder:

F سَاءَٓ َ U وَأَبۡنَاءَٓكُمۡ وَِ F اءَٓكَ مِنَ ٱلۡعِلۡمِ فَقُلۡ تعََالَوۡاْ ندَۡعُ أَبۡنَاءَٓ َ R هِ مِنۢ بَعۡدِ مَا َ A كَ فِ R_ آ E فَمَنۡ َ

َٰذِبِينَ | َلَى ٱل { Iِ _ عۡنَتَ ٱ _ َجۡعَل ل g َہِلۡ فَ TۡB ثم نَ _ نَا وَأَنفُسَكُمۡ ُ o سَاءَٓكُمۡ وَأَنفُسَ U وَِ

Nachdem du nun deutliche Beweise in der Hand hast, antworte, wenn jemand darüber mit

dir streiten will: Kommt, lasst uns unsere Frauen und Kinder zusammenrufen, gemeinsam

mit ihnen die Lügner verdammen und Gott anrufen, seinen Zorn über sie kommen zu

lassen.44

Der Prophet ging vor, wie Gott es ihn mit diesem Vers geheißen hatte. Er schlug daher der

Nagraner Delegation die „Mubahilah“ vor. Das heißt, das sie sich mit ihren Frauen und Kindern

an einem verabredeten Ort einfinden und gemeinsam mit ihnen die Lügner verdammen sollten,

auf dass der Erhabene Gott über sie (die Lügner) Seinen Zorn hinabsende.

Die Nagraner waren einverstanden. Am nächsten Tag fanden sie sich zur „Mubalah“ ein,

ebenfalls etliche Muslime. Sie alle erwarteten die Ankunft des Propheten. Es interessierte sie

unter anderem zu erfahren, in wessen Begleitung und wie, d.h. mit welchem Aufwand, er zur

„Mubahilah“ käme...

Und sie sahen, wie Hadrat Muhammad (s.a.a.s.) herbeikam, schlicht und einfach, Hussayn (a.s.)

auf seinem Arm und Hassan (a.s.) an der Hand, gefolgt von seiner Tochter Fatimah (a.s.) und

hinter ihr Ali (a.s.). Und sie hörten, wie der Prophet zu der kleinen, ihn begleitenden Gruppe

sprach:

„Um was ich Gott anrufe, bittet auch ihr Ihn!“

Bei dem Anblick dieser kleinen Schar, die Wahrheit und Klarheit ausstrahlte als auch die

Gewissheit, dass sie sich voll und ganz auf den Erhabenen Gott verließ und Ihn als ihren

einzigen, allmächtigen Schutz, Beistand und allwissenden „Schiedsrichter“ wusste, begannen die

Nagraner zu erbeben.

Ihr Delegationsleiter sprach zu ihnen: „Bei Gott! Ihre Gesichter..., wenn ich in ihre Gesichter

sehe, weiß ich, das nicht nur wir, sondern die gesamte Christenheit auf Erden der Vernichtung

anheimfällt, so sie Gott anrufen...“

Darum baten sie den Propheten, auf die „Mubahilah“ zu verzichten. Hadrat Muhammad (s.a.a.s.)

fragte: „Wollt ihr euch dem Islam zuwenden!“ Sie antworteten:

„Wir sind nicht stark genug, um gegen die Muslime zu kämpfen. Doch wir sind bereit, jährlich

eine Abgabe an euch zu leisten und im Schutze des Islam zu leben (als Christen).“ Auf diese

Weise fand ihre Kontroverse ein Ende...

43 Sure 3, Al-Imran, Vers 61

44 Damit dadurch klar werde, wer der Lügner ist, den Gott mit seinem Zorn straft

- 98 -

3.15.2 Was wird daraus ersichtlich?

Dass der Gesandte Gottes (s.a.a.s.) mit Ali, Fatima, Hassan und Hussayn (a.s.) zur Mubahilah

kam, macht deutlich, wen er als seine „Ahl-Bayt“ betrachtete. Mit anderen Worten, wen er als

„wir“ und als „Frauen und Kinder“, von denen in dem zitierten Koranvers die Rede ist, verstand.

Das heißt niemand anders als der Prophet, Ali, Fatimah, Hassan und Hussayn.

Genauer formuliert: Mit dem Wort „wir“ meinte er sich und Ali (a.s.). Mit „unsere Frauen“,

Fatimah (s.a.). Und mit „unsere Kinder“, Hassan und Hussayn (a.s.).

Offenkundig wird damit, dass er Ali (a.s.) wie sich selbst einstufte und das „Ahl-Bayt des

Propheten“ aus den genannten vier Personen besteht. Wenn mehr dazu gehörten, hätte er sie

gewiss zur Mubahilah mitgenommen. Doch er selbst definierte die Begriffe „wir“, „unsere

Frauen“ und „unsere Kinder“ in der eben beschriebenen Weise.

Zudem ist an die Fehler- und Sündlosigkeit dieser vier Ahl-Bayt-Mitglieder zu erinnern, worüber

der bereits zitierte 33. Vers der Sure 33, Ahzab, Aufschluss gibt:

رَكُمۡ تَطۡهِيرًا + ۡتِ وَيُطَه N رجۡسَ أَهۡلَ ٱلۡبَ + ُمُ ٱل | لِيُذۡهِبَ عَن Iُ _ رِيدُ ٱ J مَا ُ _ إِن

Wahrlich, Gott mِchte euch, die ihr das Ahl-Bayt des Propheten seid, von allen Unguten

und Unsauberen frei und euch gereinigt und rein sein lassen.

Zweitens: Wie sunnitische als auch schiitische Quellen überliefern, sprach der Prophet:

بها نجا و من تخلّف عنها غرق _ نة نوح من ر A تى كمثل سف N ل اهل ب . م

Mein Ahl-Bayt ist wie die Arche Noah. Ein jeder, der auf ihr Zuflucht sucht, findet

Rettung. Wer sich aber von ihr fernhنlt, wird untergehen.

Drittens: Weiteren Überlieferungen zufolge äußerte der Gesandte Gottes (s.a.a.s.):

ردا J تى لن يفترقا حتّى N ترتى اهل ب { و I كم الثّقلين كتاب ا ّ A رك ف . انّى

لى الحوض ما ان تمسّكتم بهما لن تضلّوا من بعدى {

Ich hinterlasse euch zur Erinnerung zwei Kostbarkeiten, die sich niemals voneinander

trennen werden. Diese beiden sind das Buch Gottes und mein Ahl-Bayt. Solange ihr an

diesen beiden kostbaren Treuhandgaben festhaltet und bei ihnen Zuflucht sucht, werdet ihr

nicht in der Irre gehen.

- 99 -

3.16 Imamat

Eine jede staatliche Einrichtung – welche auch immer – die öffentlichen Angelegenheiten gerecht

zu werden hat, benötigt dazu fähige Kräfte und insbesondere eine kompetente, verlässliche

Führung. Dieses gilt für sämtliche Einrichtungen, Organisationen, Ämter und Behörden. Sie alle

sind auf fähige, vertrauenswürdige Kräfte und „Dirigenten“ angewiesen.

Zweifellos ist davon auch die „Einrichtung Islam“ – deren Aufgaben- und

Verantwortungsbereich weltweit und universal ist – nicht ausgeschlossen. Auch sie benötigt

einen fähigen Dirigenten und Betreuer und ist auf Kräfte angewiesen, die gewissenhaft (die

religiösen „Statuten“ bzw. Bestimmungen als auch das islamische Überzeugungsgut der

menschlichen Gesellschaft vermitteln, darauf achten, das die göttlichen Weisungen getreulich

einschalten werden und dafür sorgen, das Veruntreuung und Nachlässigkeiten im Zusammenhang

mit der Publikation des Wortes Gottes vermieden werden.

Betreuung und Beaufsichtigung der Angelegenheiten der islamischen Gesellschaft als auch die

Führung ganz allgemein gehören zum Aufgabenbereich „Imamat“. Derjenige, der mit diesem

Amt beauftragt ist, ist der Imam.

Die Schi’ah45 ist davon überzeugt, das nach dem Gesandten Gottes ein von Gott bestimmter

Imam gegeben sein muss, der für den Schutz der religiösen Weisungen, Maximen und

Wissensdinge sorgt und verantwortlich ist. Der den Menschen auf den rechten Weg, den Weg zu

Gott führt.

Wer sich aufrichtig um „Ma’arif Islam“ – das heißt um das, was der Islam sagt und lehrt –

bemüht, wird erkennen, das das „Imamat“ zu den Grundfesten der heiligen islamischen Lehre

gehört. Etwas, auf das in jenen Koranversen, in denen der Erhabene Seine Religion erklärt und

vorstellt, hingewiesen wird.

3.16.1 „Imamat“, eine Notwendigkeit

Wie wir bereits sagten: Der Herr und Schöpfer der Welten hat dafür gesorgt, das eine jede Seiner

Kreaturen auf das für sie vorgesehene Ziel, das in ihrer Vervollkommnung beruht, „hingesteuert“

wird. Ein Obstbaum zum Beispiel wird in Richtung Wachstum, Blüte und Frucht „rechtgeleitet“.

Sein Entwicklungsweg bzw. seine Vervollkommnung verläuft selbstredend völlig anders als die

eines Vogels. Und so ist es mit einem jeden Geschöpf. Ein jedes legt seinen für es spezifischen

Weg zu Entwicklung und Vervollkommnung zurück..., nicht den einer anderen Kreaturenart.

Das gleiche gilt selbstverständlich auch für die Gattung „Mensch“. Auch er – ein Geschöpf

Gottes – ist von der „Allgemeinen Göttlichen Rechtleitung“ erfasst.

Wir erinnern noch einmal daran: Glück und Vervollkommnung des Menschen stehen in engem

Zusammenhang mit seiner ihm gottgegebenen Entscheidungs- und Willensfreiheit. Das heißt, sie

45 Schi’ah: Schiiten, Taschayyuh

- 100 -

sind davon abhängig, wie er diese seine „Befugnis“ nutzt. Seine Willens- und

Entscheidungsfreiheit aber macht eine besondere, besser gesagt „zusätzliche“ göttliche

Rechtleitung erforderlich. Diese zusätzliche Rechtleitung, die selbstredend ebenfalls Bestandteil

der Allgemeinen Göttlichen Rechtleitung ist, erfolgt mittels der Religion Gottes, die die

Propheten verkünden.

Durch die „Missions- bzw. Öffentlichkeitsarbeit“ des Gesandten Gottes werden Mensch und

Menschheit auf jenen rechten Weg – „Sirat al mustaqim“ – gewiesen. Das heißt auf jenen Weg,

der sie zu ihrem Glück und Wohl in dieser und jener Welt führt. Damit sie aufgrund möglicher

falscher Entscheidungen nicht in die Irre gehen und nicht mit der Ausrede argumentieren können:

Wir haben es nicht gewusst! Wir haben uns falsch entschieden, darum fehlten wir... Ein Punkt,

auf den in dem 165. Vers der Sure 4, Nissa’, hingewiesen wird:

رسُلِ v ةُۢ بَعۡدَ ٱل ç_ حُ Iِ _ َلَى ٱ { اسِ _ لن ! َكُونَ ِ J لا _ نَ لِئَ J ذِرِ g نَ وَمُ J شرِ+ َB مv رسُلاً۬ v

Der gleiche Grund, der Prophetenschaft und Prophetentum erforderlich macht, trifft für die

Notwendigkeit von „Imamat und Imam“ zu. Nach dem Dahinscheiden des letzten Propheten,

Hadrat Muhammads (s.a.a.s), der in seiner Reinheit bzw. Unfehlbarkeit – „Ismat“ – die göttliche

Religion geschützt und die Gesellschaft geführt und rechtgeleitet hatte, musste der Erhabene Gott

also jemanden schicken, dem die gleichen Vorzüglichkeiten und Hervorragendheiten gegeben

waren.46 Darum, damit die göttliche Religion bewahrt und die Gesellschaft nicht ohne Führung

bliebe. Andersfalls wäre die „ Allgemeine Göttliche Rechtleitung“ „brüchig“ und „defekt“

geworden und die Menschheit hätte einen Vorwand in der Hand gehabt, zu sagen:

Wir hatten niemanden bei uns, der uns geleitet und geführt hatte...

3.16.2 Ohne Imam geht es nicht

Ebenso wie der menschliche Verstand wegen seines Nicht-Unfehlbarseins die menschliche

Gesellschaft nicht in die Lage versetzt, auf die Propheten verzichten zu können, erübrigt sich

auch – trotz des Vorhandenseins der Religionsgelehrten – keinesfalls das Gegebensein eines

Unfehlbaren Imam. Die Geistlichen, so gelehrt und wissend sie auch immer sein mögen, können

nie und nimmer den Unfehlbaren Imam, den mit „Ismat“ ausgerüstet ist, ersetzen. Deswegen,

weil es nicht allein darum geht, das der Mensch die Religion Gottes befolgt, sondern das diese

unverändert bleibt. Das ihr nichts hinzugefügt oder genommen wird, das sie der Menschheit in

ihrer reinen und ursprünglichen Form vermittelt wird und nicht Irrtümern, Veruntreuung und

dergleichen zum Opfer fällt...

Sicher ist, dass die religiösen Gelehrten der islamischen Ummah47, so gottesfürchtig,

gewissenhaft und verantwortungsbewusst sie auch immer sein mögen, dennoch gegen Fehler

46 Selbstverständlich mit Ausnahme von Prophetenschaft und Offenbarung, die nur den

Gesandten Gottes auszeichnen

47 Ummah: Islamische Gesellschaft bzw. Gemeinde

- 101 -

nicht „immun“ sind. Das bedeutet, dass es nicht ausgeschlossen und von der Hand zu weisen ist,

das ihnen nicht doch hier und da – so unbeabsichtigt dieses auch sein mag – ein Irrtum unterläuft,

durch den eine göttliche Weisung ein verändertes Aussehen erhält. Bestes Beispiel dafür sind die

verschiedenen Glaubensrichtungen und unterschiedlichen Auffassungen zu einigen Fiqhbetreffenden

Aspekten, die in der islamischen Welt entstanden sind.

Mit anderen Worten, ein Imam muss gegeben sein! Ein Imam, unter dessen Aufsicht die Gebote,

Aussagen und Wissensdinge der Religion in ihrer reinen Form erhalten bleiben, der sie vor

Entstellung und Erlöschen bewahrt und bei dem Orientierungshilfe zu bekommen ist.

3.16.3 Prophet Muhammad (s.a.a.s.) zum Thema „Wilayat und Führung“

Im 128. Vers der Sure 9, Bara’at, spricht der Erhabene Gott folgendes über Hadrat Muhammad

(s.a.a.s.):

تمۡ حَرِيصٌ v َلَيۡهِ مَا عَنِ { زٌ J مۡ عَزِ | منۡ أَنفُسِ ُ + مۡ رَسُولٌ۬ u اءَٓ ُ R لَقَدۡ َ

رحِيمٌ _ ينَ رَءُوفٌ۬ g ُم بِٱلۡمُؤۡمِ ِ | َلَيۡ {

Ein Prophet kam zu euch, der von euch selbst ist. Eure Schwierigkeiten und euer Leid

bereiten ihn Kummer. Er ist euch allen zugetan und gegenüber den Glنubigen voller

Mitgefühl und Güte...

Es ist unvorstellbar, dass Prophet Muhammad (s.a.a.s.), der laut Heiligem Koran gegenüber

seiner Gemeinde gewissenhafter und gütiger als jeder andere war, hinsichtlich eines der

göttlichen Gebote – das für die islamische Gesellschaft zweifellos von besonderer Bedeutung ist

und seitens der menschlichen Vernunft bejaht wird – nachlässig vorgegangen sein sollte.

Hadrat Muhammad (s.a.a.s.) wusste, das diese menschheitsdienliche „Ordnung bzw. Einrichtung

Islam“ mit ihrer universalen und weitweiten Relevanz nicht von kurzfristiger Bedeutung war, die

er – nachdem er sie zehn, zwanzig Jahre lang beaufsichtigt und geleitet hatte – sich selbst

überlassen konnte. Nein! Sie war und ist von immerwährender Aktualität und Wertigkeit und hat

die gesamte Menschheit bis ans Ende aller Tage rechtzuleiten. Und da er voraussah, was

tausender Jahre nach ihm sein würde, teilte er die entsprechenden Weisungen für die Zeiten nach

ihm mit. Ihm war bekannt und bewusst, dass die Religion Gottes eine „Ordnung und

Einrichtung“ für die gesamte menschliche Gesellschaft ist. Dass sie – wie keine andere Ordnung

oder Einrichtung – ohne Betreuung und Führung sein kann. Fehlt die gute „Regie“, geht sie

zugrunde. Mit anderen Worten, es muss jemand da sein, der fähig ist, auf sie achten und sie

schützen zu können. Kurz, sie benötigt. eine kompetente Betreuung und Leitung..., jemanden, der

ihre Weisungen und Lehre gegen Entstellung und Vernichtung bewahrt, die Gesellschaft führt

und in Richtung ihres dies- und jenseitigen Wohlergehens lenkt.

Wie könnte es also möglich sein, das der Prophet nicht an die Zeit nach seinem Tode gedacht und

nicht vorgesorgt hatte. Es entsprach seinem Brauch, dann, wenn er Medina auch nur für einige

wenige Tage verließ, jemanden – an seiner Stelle – mit der Betreuung der öffentlichen

- 102 -

Angelegenheiten zu betrauen und für einen jeden Ort, der zum islamischem Territorium gehörte,

eine fähige Person mit dessen Leitung zu beauftragen. Einer jeden Patrouille, einer jeden

Division, die er entsandte, gab er einen Kommandanten mit auf den Weg. Es kam sogar vor, dass

er nicht nur- einen Befehlshaber ernannte, sondern mehrere. Mit den Worten: „Wenn der erste

fault, befehligt der nächste das Heer. Und wenn dieser zu Boden stürzt, der dritte...“ Und sie alle

nannte er namentlich und in der entsprechenden Reihenfolge.

Wie könnte es angesichts dieses seines Brauches, ein Gebiet oder eine Truppe nicht ohne

Betreuer und Dirigenten zu lassen, denkbar sein, das er an die Zeit seiner letzten großen Reise in

die Ewigkeit nicht gedacht und die große islamische Gesellschaft sich selbst überlassen hätte?!

Ohne Betreuung und Führung? Das er nicht einen Nachfolger bestimmte?!

Wer ein wenig gründlicher dieses Thema beleuchtet und die hohen Ziele des Islam und dessen

Überbringer als auch dessen Brauch bedenkt, wird ohne Zweifel dem zustimmen, das „Imamat

und Wilayat“ eine selbstverständliche Regelung zur „Führung und Betreuung der islamischen

Gemeinde und deren Belange“ betreffen.

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