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Thursday 27th of June 2019
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Und nun zum großen Plus des Islam

2.17 Und nun zum großen Plus des Islam

Ebenso wie die Religion im Verhältnis zu weltlichen Gesellschaftsordnungen eine Sonderstellung

einnimmt, zeichnet sich auch der Islam – verglichen mit den übrigen Religionen – durch ihn

charakterisierende Vorzüge aus.

Diese Realität wird anhand folgender Gegenüberstellung deutlich:

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2.17.1 Der Islam im Vergleich zu anderen Religionen

Unter allen Religionen ist der Islam die einzige, die hundertprozentig „sozial“, das heißt dem

gesellschaftlichen Leben des Menschen – abgesehen von dessen individuellem – volle

Aufmerksamkeit schenkt und entsprechende Richtlinien anbietet.

Die Richtlinien und Belehrungen des Islam sind nicht wie die heutigen christlichen Lehren, die

ihr Augenmerk im wesentlichen auf das jenseitige Glück der menschlichen Gesellschaft richtet,

zu deren irdischem Wohlergehen jedoch mehr oder weniger schweigt. Und sie sind auch nicht

wie die des heutigen Judentums, dem es allein um Belehrung und Wohl eines einzigen – des

jüdischen – Volkes geht.

Das, was der Islam lehrt, beschränkt sich auch nicht lediglich auf ein paar ethische und

gottesdienstliche Themen. Vielmehr betrifft das, was er sagt, Erziehung, Entwicklung, Bildung

sowie das dies- und jenseitige Wohlergehen aller Menschen. An welchem Ort und zu welcher

Zeit sie auch seien mögen.

Anders könnte es auch gar nicht sein, da ansonsten eine Reformierung der gesamten Menschheit

und das Glück aller Menschen nicht möglich wären. Denn erstens..., wollte man nur eine

Gesellschaft oder Bevölkerung von all den vielen, die es auf Erden gibt, reformieren, die übrigen

aber nicht, so wäre das – angesichts der immer enger werdenden Beziehungen und Kontakte

zwischen den Ländern und Nationen – ein fruchtloses Unterfangen. In etwa wie das Klären eines

einzigen Wassertropfens in einem Bassin oder See voll schmutzigen Wassers.

Und zweitens: Die Berichtigung nur einer einzigen Gesellschaft – unter Ausschluss der vielen

anderen – widerspricht dem universalen Reformgedanken, d.h. dem Bestreben, die Menschheit

insgesamt zu korrigieren bzw. zu reformieren.

Im Islam sind sämtliche Gedanken und Fragen, die sich der Mensch im Zusammenhang mit der

Schöpfung der Welt und seinerselbst stellt, berücksichtigt worden. Zudem all das, was zu des

Menschen Entwicklung bzw. Dekadenz führt, die Vielfalt seines Tun und Lassens im

gesellschaftlichen sowie individuellen Leben und vieles andere Interessante und Wissenswerte

mehr.

Was Überzeugung und Denken betrifft, so ist im Islam das, welches getragen ist von Objektivität

und somit vom Tawhid-Gedanken7 von Wert, weshalb es die Basis aller übrigen Überlegungen

sein sollte.

Zur Ethik im Islam soviel: Sie geht konform mit der Vernunft und fußt auf dem Tawhid-Prinzip.

Zudem gibt der Islam eine Reihe von Weisungen an die Hand, die ebenfalls von der

menschlichen Vernunft akzeptiert werden, da sie mit dieser harmonieren. Diese Bestimmungen

und Gebote berücksichtigen sämtliche Details des menschlichen Lebens und machen die

individuellen als auch sozialen Rechte und Pflichten deutlich..., für Mann und Frau, schwarz und

7 Tawhid: Gewissheit von dem Eins- und Einzigsein Gottes. Ein-Gott-Bekennen

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weiß, jung und alt, Städter und Landbewohner, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, für Vermögende

und Nicht-Vermögende, in Normal- und Ausnahmesituationen.

Im 24. Vers der Sure 14, Ibrahim, heißt es:

سمَاءِٓ _ بِتٌ۬ وَفَرۡعُهَا فِى ٱل . بَةٍ أَصۡلُهَا َ + بَةً۬ كَشَجَرَةٍ۬ طَي + كَلِمَةً۬ طَي

Weißt du nicht, was Gott über ein gutes Wort sagt? Es ist wie ein guter Baum, dessen

Wurzel fest ist und dessen Zweige in den Himmel reichen.

Wer sich mit der islamischen Theologie und den Maximen der islamischen Ethik, sowie Fiqh-

Wissenschaft8 befasst, erkennt eine Weite, die sein Erfassen übersteigt. Der Vielfalt und Tiefe

ihrer zahllosen Aspekte, Momente und Dimensionen, die wiederum untereinander in

harmonischer Verbindung stehen und der Mannigfaltigkeit ihrem Nuancen und Stufen, die

ineinander übergehen und eine Einheit bilden, ist der begrenzte Menschenverstand nicht

gewachsen. Diese Gesamtheit, diese „Einheit“ wurde dem Propheten (s.a.a.s.) von dem Einzigen

Gott offenbart, auf das er sie den Menschen vermittle und nahe bringe, zu deren Gedeihen,

Vervollkommnung und Gottesdienerschaft;

2.17.2 Ein Vergleich zwischen Islam und anderen Gesellschaftsordnungen

Wenn wir die sogenannten fortgeschrittenen Gesellschaften ein wenig eingehender betrachtet,

wird uns klar, das deren Wissenschaften und industrielle Entwicklung – auch wenn sie imposant

ist und in der Lage versetzt, Mond und Sterne zu erreichen und eine erstaunliche Technologie

hervorzubringen – dennoch eine „heile und glückliche Welt“ nicht zu schaffen vermochte.

Darum, weil selbiger Fortschritt bei aller Anerkennung, der ihm zu zollen ist – und sämtliche

„modernen“ Gesellschaftsmethoden Tor und Tür zu einer unheilvollen Zukunft öffneten.

Beweis dafür sind u.a. die beiden Weltkriege, die sich infolge eines einzigen Vierteljahrhunderts

zutrugen, und zu entsetzlichem Blutvergießen und Elend sowie dem Tode Millionen unschuldiger

Menschen führten. Doch damit nicht genug. Die Menschheit ist von einem dritten Weltkrieg

bedroht, der ihre völlige Vernichtung verheißt.

Ganz abgesehen davon ist im Rahmen dieser besagten und recht suspekten „Entwicklung“, die

soviel Leid und Not heraufbeschwor, den übrigen, das heißt schwächeren und nicht bzw. kaum

entwickelten Völkern dieser Erde der Stempel „Knechtschaft“ und „versklavt“ auf die Stirn

gedrückt worden. Im Namen der „Freiheit“.

Vier große Kontinente werden in Ketten gelegt, unter das koloniale Joch gezwungen und

genötigt, sich bedingungslos dem europäischen Kontinent zu fügen. Und auch heute ist es nicht

anders. Die „Supermächtigen“ sind es, die auf Erden das Sagen haben. Eine kleine Gruppe nur,

die jedoch den Ton angibt und sich anmaßt, über Leben und Tod, über Eigentum und Ehre Aberund

Abermillionen Menschen dieses Erdenrundes zu bestimmen.

8 Fiqh: Islamisches Rechtsverständnis

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Allerdings..., es ist nicht zu leugnen, dass die fortgeschrittenen Nationen selbst in relativen

Wohlstand leben. Recht viele ihrer Ziele haben sie erreicht, unter anderem wissenschaftliche und

technologische Errungenschaften. Ganz abgesehen davon, das sie in ihren eigenen Ländern der

sozialen Gerechtigkeit näher gekommen sind. Dennoch, auch sie waren und sind von Unheil und

Miseren bedroht. Ganz zu schweigen von dem ungeheuren Kriegselend, in das sie aufgrund ihrer

internationalen Konflikte bzw. Politik hineingeschlittert waren und das weltweite Ausmaß fand.

Augenblick für Augenblick steuert die Menschheit einer weiteren Katastrophe entgegen, die ohne

Zweifel bittere und grauenvoller sein wird als die vorangegangenen.

Offenkundig ist, dass all diese „süßen und bitteren Früchte“ die Ernte des Baumes „Zivilisation

und gesellschaftliches Leben“ sind..., das direkte Ergebnis der Vorgehensweise jener

Gesellschaft, die sich dem äußerlichen Schein nach auf dem Weg des Fortschritts befinden.

In diesem Zusammenhang sei an folgendes erinnert, das nicht vergessen werden sollte. Und zwar:

Die positiven, der Menschheit zum Wohle gereichenden Errungenschaften – das heißt die

erfreuliche Ernte dieses besagten Baumes „Zivilisation und gesellschaftliches Leben“ – sind

zweifellos durch das Mitwirken einer Reihe wertvoller menschlicher Eigenschaften wie Streben

nach Wissen und Entwicklung, Aufrichtigkeit, Verantwortungs- und Pflichtbewusstsein, Einsatz

und Engagement möglich geworden. Das heißt also nicht allein durch das „Gesetz“. Denn

Gesetze sind in den minder entwickelten Ländern Afrikas und Asiens ebenfalls anzutreffen,

dieweil Elend und Armseligkeit dort immer mehr um sich greifen und von Fortschnitt kaum die

Rede ist.

Was aber die „bittere Ernte“ angeht, die das menschliche Leben verfinstert und alle, auch die

fortschrittlichen Gesellschaften, dem Untergang zutreibt, so sind dafür Gegebenheiten

verantwortlich zu machen, die von einer kranken Moral herrührt, von Faktoren wie Eigensucht,

Profitgier, Neid, Missgunst, Begierde, Ungerechtigkeit, Rohheit, Grausamkeit, Skrupellosigkeit,

Hochmut, und dergleichen mehr.

Bei genauerem Betrachten der islamischen Weisungen stellen wir fest, das der Islam den

Menschen – genauer gesagt: die menschliche Gesellschaft – aufruft, die zuerst genannten, das

heißt ihre positiven Eigenschaften zu fördern und die negativen abzubauen bzw. auszumerzen.

Ganz generell gebietet er all das, was gut und recht und den Menschheit zum Wohle ist und baut

darauf die „islamische Erziehung und Bildung“ auf.

Das aber, was Leben und Entwicklung der menschlichen Gesellschaft im Wege steht – auch

wenn es dem einen oder anderen Volk oder Stamm von „Nutzen“ sein sollte – verwirft und

untersagt er.

Was ist daraus zu schließen?

Erstens: Richtlinien und Weisungen des Islam sind weitaus optimaler und der menschlichen

Gesellschaft dienlicher als die „weltlichen“, d.h. der von Menschenhirn erdachten

Gesetzesordnungen und Vorhaltensvorschriften.

Im 30. Vers der Sure 30, Rum, lesen wir:

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اسِ لَا يَعۡلَمُونَ _ ثَرَ ٱلن u ن أَ ۡ _ يمُ وَلَٰكِ + نُ ٱلۡقَ JK+ ٱ £ ذَٲ َِ Iِ _ ٱ

So halte dich an Gottes Weisungen. Das ist der rechte Weg9. Nur die meisten begreifen es

nicht!

Zweitens: Die positiven, erfreulichen Resultate der heutigen Zivilisation haben ihren eigentlichen

Ausgangspunkt in den segensreichen Ergebnissen des Islam. Sie sind das Resultat dessen, was

beispielsweise dem Westen – und zwar durch den Segen des Islam – in die Hände fiel. Vergessen

wir nicht, dass dem Islam vor vielen Jahrhunderten schon, lange bevor sich die westliche

Zivilisation anbahnte, die menschliche Gesellschaft zu seinen wertvollen Maximen einlud. Das

Abendland war es dann, das den Segen, der von diesen ethischen und lebensnahen Weisungen

ausging und jene erstaunliche Entfaltung in der islamischen Welt bewirkt hatte, erkannte, nutzte

und den Muslimen daraufhin sogar – hinsichtlich Ordnung, Genauigkeit, Streben nach Wissen

und Fortschritt – „voraneilte“.

Als Amir al Mu’minan (a.s.) im Sterben lag, sagte er zu den Muslimen:

Es möge verhütet sein, das ihr so säumig und nachlässig seid, dass die anderen euch

voraneilen und die koranischen Weisungen optimaler nutzen als ihr...

Drittens: Gemäß koranischem Wort hat die Moral – die ethische Gesinnung – das Hauptanliegen

und jene Basis zu sein, auf der Gesetze aufgebaut werden. Denn wenn erstere in den Hintergrund

gerückt bzw. vergessen wird, wird auch die Gesetzgebung lediglich materielle Momente

berücksichtigen und die Gesellschaft nach und nach ebenfalls nur materiellen Dingen und

Belangen Interesse schenken. Ethisches bzw. geistig-geistliches Denken und Orientiertsein, das

den Menschen über das Tier hinaushebt, wird ihm abhanden kommen. Sie wird zu einem

„reißenden Tier“ und gar schlimmer noch. Wird sich wie das Vieh nur noch für Weiden, Fressen,

Schlaf und derlei Dinge interessieren, weshalb Prophet Muhammad (s.a.s.) sprach:

لاق % D بعثت لاتمّم مكارم

Mein Hauptanliegen gilt der ethischen Erziehung und Entwicklung des Menschen.

9 Die richtige Religion

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3 Weltanschauliches

3.1 Die Frage nach dem Schöpfer

Aufgrund seines ihm von Gott gegebenen natürlichen Strebens fragt der Mensch nach dem „Wie“

und „Warum“ aller Erscheinungen, Dinge, Gegebenheiten und Vorgänge, die er wahrnimmt. Das,

was um ihn und in ihm ist, will er ergründen. Über ihre Entstehung, Beschaffenheit und ihren

Sinn und Zweck möchte er Kenntnis erhalten. Er fragt nach Grund und Ursache. Und dass er

fragt und ergründen will, gehört zu seinen menschlichen Besonderheiten, zu seinem Mensch-

Sein. Niemals geht er allen Ernstes davon aus, dass etwas aus sich selbst, ohne Grund und

Ursache – rein zufällig – entstanden sein könnte.

Ein Autofahrer, dessen Wagen mit einem Male stehen bleibt, steigt aus und schaut überall dort

nach, wo er die Ursache zu dem plötzlichen Stillstand seines PKWs vermutet. Und wenn er ihn in

Gang setzt, macht er von den technischen Dingen, die zur lnbetriebnahme des Wagens

vorgesehen und installiert wurden, Gebrauch. Nie und nimmer setzt er sich hinters Lenkrad in der

Hoffnung, der Wagen würde nun ganz von allein, ohne sein (des Autofahrers) Zutun, losfahren.

Ist der Mensch hungrig, beschafft er sich Brot und isst. Und wird er durstig, sorgt er dafür, dass

er zu trinken bekommt. Wird ihm kalt, zieht er sich wärmer an. Niemals verfällt er auf den

Gedanken, das sich die Dinge von allein regeln.

Will zum Beispiel jemand ein Haus bauen, so weiß er, dass er dazu Baumaterialien, Maurer und

Handwerker benötigt. Er weiß: Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, das das Haus aus sich selbst

entsteht.

Seitdem der Mensch auf Erden weilt, sind Berge, Wälder und Meere um ihn herum. Seit alters

her sieht er Mond und Sterne über sich, die in geordnetem Lauf ihre Bahn ziehen und die

leuchtende Sonne, die am Tage seine Umwelt erhellt, des Nachts aber für ihn nicht zu sehen ist.

Und immer fragten und forschten Wissenschaftler und Gelehrte nach Grund und Ursache des

Entstehens bzw. Daseins der Dinge auf Erden und im All. Niemals aber begnügten sie sich damit,

zu sagen:

Seitdem der Mensch existiert, waren sie da. Wir gehen davon aus, dass sie ganz von selbst, rein

zufällig, ohne Grund und Ursache entstanden sind...

Dieser „instinktive“ Wunsch, zu ergründen, dieser natürliche Wissensdrang, nach der Ursache

aller Dinge zu forschen, veranlasst den Menschen, sich auch um die Klärung der Frage nach den

Entstehung der Welt und der erstaunlichen Ordnung und Harmonie in ihm zu fragen. Danach, ob

die Dinge und Erscheinungen in diesem weiten Universum, die alle irgendwie miteinander in

Bezug stehen und ein riesiges Seins-Ensemble, eine gewaltige Gesamtheit bilden, ganz von allein

entstanden sein können oder aber nicht viel eher in einem „Urgrund“ ihre Ursache und ihren

Ausgangspunkt haben?! Das heißt, aus einem anderen Sein Existenz erhalten!! Ob diese

wunderbare Schöpfungsordnung, die nach konstanten Gesetzen im gesamten Kosmos wirksam

und deren Dasein überall festzustellen ist..., ob ein jedes, das ist und in die Richtung seines

- 34 -

eigenen spezifischen Zwecks und Ziels dirigiert wird, von einer allwissenden und allmächtigen

Kraft erschaffen wurde und erhalten wird oder aber aufgrund eines Zufalls entstand und

existiert?!

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