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Tuesday 17th of September 2019
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Pluspunkte der Religion

2.7 Pluspunkte der Religion

Die Religion dient also unter anderem der Berichtigung und Entfaltung des Menschen und ist der

einzige Weg zu dessen Wohlergehen. Einer Gesellschaft, die sich nicht an der Religion orientiert

und sich ihr nicht verbunden fühlt, geht Objektivität und tatsächliche Aufgeklärtheit abhanden.

Sie vergeudet ihr kostbares Leben mit Oberflächlichkeiten und seichten Vorstellungen, denen

entsprechend sie handelt und in die Irre stolpert. Vernunft und Gewissen tritt sie mit Füßen und

verfängt sich in Ignoranz und Torheit, in Hässlichkeiten und Niedrigkeiten. Mit dem Resultat, das

ihr das, was sie von den Tieren unterscheidet, verloren geht..., das heißt ihre „Menschlichkeit“.

Ganz abgesehen davon, dass eine solche Gesellschaft wirkliche Entfaltung und Reife und folglich

ewige Glückseligkeit nicht erreicht, hat sie schon in diesem ihrem kurzen, flüchtigen Erdendasein

die finsteren Folgen ihrer Verirrungen – sozusagen als Vorgeschmack – zu kosten. Das bittere

Ergebnis ihrer Ignoranz und Oberflächlichkeit wird sie jedoch früher oder später voll und ganz zu

spüren bekommen. Spätestens dann wird ihr – voller Reue darüber, sich dermaßen kurzsichtig

und töricht verhalten zu haben – klar werden, dass der einzige Weg zum Glück in der Religion,

im aufrichtigen Glauben an Gott beruht.

lm 9. und 10. Vers der Sure 91, Schams, spricht der Erhabene Gott:

َاµٰ _ قَدۡ أَفۡلَحَ مَن زَك

َاµٰ o س_ ابَ مَن دَ % وَقَدۡ َ

Wer sich von Hässlichem fernhält ist errettet. Und der, welcher Verderblichem und

Schlechtem „Tor und Tür“ öffnet, wird sein Ziel – d.h. Glückseeligkeit und Errettung nicht

erreichen.

Es gilt also zu wissen und zu bedenken, dass das, was zu Wohlergehen und Glück des einzelnen

als auch der Gesellschaft führt, in dem Befolgen der göttlichen Weisungen beruht. Das heißt, die

religiösen Regelungen und Bestimmungen sind tatsächlich zu praktizieren bzw. zu respektieren,

wenn man nicht „verelenden“ will. Andernfalls..., sich nur als „religiös“ und „gottglaubend“ zu

bezeichnen, ohne dementsprechend zu leben, ist zwecklos. Das, was von Wert ist, ist die

Wahrheit selbst, nicht aber ein leeres verbales Beteuern der Wahrheit. Wer ein rohes,

niederträchtiges Verhalten an den Tag legt, sich jedoch „Muslim“ nennt und auf den „Engel des

Glücks“ hofft, ist wie ein Kranker, der die ärztliche Verordnung in den Wind schlägt, aber

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dennoch Genesung erwartet. Ganz gewiss wird er sehr lange darauf warten müssen..., richtiger

gesagt, sein Warten wird vergeblich sein.

Der Erhabene Gott spricht im 62. Vers der Sure 2, Baqarah:

وَٱلۡيَوۡمِ ٱلۡأخَِر _ I ِِٔينَ مَنۡ ءَامَنَ بِٱ i ٰ _ صَٰرَىٰ وَٱلص _ نَ هَادُواْ وَٱلن Jِ_X ُواْ وَٱ g نَ ءَامَ Jِ_X ا فَلَهُمۡ ¸ ن ٱ وَعَمِلَ صَٰلِ ً۬ _ إِ

بهِمۡ + أَجۡرُهُمۡ عِندَ رَ

Wer von den Muslimen, Juden, Sabäern3 oder Christen wirklich an Gott und die

Auferstehung glaubt und gute Werke tut, wird von Gott belohnt werden.

Einige gehen nun möglicherweise in der Annahme, das dieser Koranvers besagt, das alle, die an

Gott und die Auferstehung glauben und gut handeln, zu den Erretteten zählen, auch wenn sie die

göttlichen Propheten bzw. einige von ihnen nicht akzeptieren. Sie sollten jedoch bedenken, das es

in den Versen 150 und 151 der Sure 4 „Nissa“, heißt, das der Allwissende Gott diejenigen, die

den Propheten oder einigen von ihnen keinen Glauben schenken, als „Kafir“, als „Gott-

Trotzende“ und „Ungläubige“ bezeichnet.

ِ وَيَقُولُونَ نُؤۡم . وَرُسُ _ I قُواْ بَيۡن ٱ + ُرِيدُونَ أَن يُفَر J ِ وَ . وَرُسُ _ I َكۡفُرُونَ بِٱ J نَ Jِ_X ۡفُرُ | ن ٱ نُ بِبَعۡضٍ۬ وَنَ _ إِ

لاً AB سَ ِ £ ذُو ا بَيۡنَ ذَٲ َِ ¾ِ _ رِيدُونَ أَن يَت J بِبَعۡضٍ۬ وَُ

ا¦ كَ هُمُ ٱلۡكَٰفِرُونَ حَق۬

.

مهِينً۬ا v . َذَا ً۬ { نَ J لۡكَٰفِرِ ! ِ F أُوْلَٰٓ وَأَعۡتَدۡ َ

Mit anderen Worten:

Jene, die Gott und Seinen Propheten trotzen, die Gott und Seine Propheten voneinander

trennen und sprechen:

„Einigen der Propheten schenken wir Glauben, den anderen nicht“, die also einen Weg

zwischen Glauben und Unglauben eingeschlagen haben, sind wahrlich „Kafire“.4

Das heißt also, dass nur dem der Glaube an Gott und die Auferstehung ein effektiver Gewinn ist,

der auch die göttlichen Gesandten akzeptiert, sich wohl verhält und Gutes tut.

2.8 Leben in der Gemeinschaft

3 Sabäer: Jene Gruppe der Zarathustrier, die dem jüdischen Glauben zugeneigt ist, wird

als Sabäer oder Sãbier bezeichnet

4 Gleich den Juden, die Jesus (a.s.) und Muhammad (s.a.a.s.) leugnen

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Wenn wir ein wenig in die Geschichte der Völker und Gesellschaften hineinschauen, stellen wir

fest, dass der Mensch niemals etwas anderes anstrebte und wollte als sein Glück. Das aber ist

selbstredend nur dann möglich, wenn ihm das, was er zu einem menschenwürdigen Leben

benötigt, zur Verfügung steht.

Nun ist es aber so – und ein jeder ist darüber im Bilde – dass der Mensch nicht alles, was er zu

seinem Wohlergehen bedarf und braucht, selbst und allein „beschaffen“ bzw. bewerkstelligen

kann. Dass er – sich selbst überlassen – nur schwerlich in der Lage ist, sämtlichen Bedürfnissen

seines Lebens entsprechen und sich entfalten zu können. Darum sucht er „Hilfe“ im sozialen

Leben, das heißt im Miteinander mit seinen Mitmenschen. Die Zusammenarbeit mit anderen

macht es ihm möglich, auf relativ einfache Weise seinen Erfordernissen gerecht werden zu

können. Hand in Hand mit seinen Mitmenschen sorgt er für das, was er benötigt..., genauer

gesagt, was benötigt wird.

Mit anderen Worten: Jeder in der Gesellschaft trägt seinen Teil dazu bei, um das, was ganz

allgemein zum menschlichen Leben notwendig ist, zu beschaffen bzw. bereitzustellen Alles, was

durch die Konstruktivität bzw. Produktivität der einzelnen Gesellschaftsmitglieder erreicht wird,

wird „zusammengetragen“ und „zusammengefügt“, woraufhin dann ein jeder – im allgemeinen

entsprechend seiner Bemühungen, Leistungen und sozialen Situation bzw. Position – Anteil an

dieser „Gesamtheit der Mittel“, an diesem „Gesamtsozialprodukt“ hat und mit dessen Hilfe das

Rad seines Lebens in Gang halten kann.

Gemeinsam mit den anderen bemüht er sich also um das, was er zu seinem Leben und

Wohlergehen braucht. Das besagt, das im Grunde alle füreinander arbeiten und schaffen und ein

jeder an der Gesamtheit des Erreichten und Erworbenen teilhat.

2.9 Ohne Regelungen geht es nicht

Selbstredend wollen alle aus dieser besagten „Gesamtsozialprodukt“, zu dem sie entsprechend

ihrer Fähigkeiten und Möglichkeiten beigetragen haben, schöpfen. Und das sich dabei ihre

Interessen überschneiden, ist eine völlig natürliche und bekannte Folge. Wohl einem jeden ist

klar, dass dieses – besonders deswegen, da es um materielle Aspekte und Nutznießungen geht –

zu einer Reihe von Konflikten und Reibereien führen würde, wenn keine entsprechenden

Regelungen vorhanden wären. Daher also, um ein gesundes gesellschaftliches Leben

aufrechterhalten bzw. ermöglichen zu können, sind Bestimmungen notwendig, mittels derer

chaotischen Zuständen in der Bevölkerung vorgebeugt werden kann. Denn: Ohne geeignete

Anordnungen und Richtlinien, mittels derer für ein geregeltes und konstruktives soziales Leben

gesorgt wird, käme es ganz gewiss zu katastrophalen Folgen. Und niemand dürfte daran zweifeln,

dass sich eine Gesellschaft, in der statt einer ordentlichen Gesetzgebung das „Dschungelgesetz“

herrscht, nicht über Wasser halten kann.

Diese Gesetze und Regelungen in den verschiedenen Gesellschaften sind jedoch nicht einheitlich.

Da sie in engem Bezug zu den jeweiligen kulturellen und geistigen Bedingungen und

Anschauungen der einzelnen Völker als auch den differenten Herrschaftssystemen stehen,

unterscheiden sie sich. Aber: Keine Gesellschaft kann ohne – ihre Zustimmung findenden –

Regelungen, Bestimmungen, Sitten und Gepflogenheiten sein, und niemals hat es in der

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bisherigen Menschheitsgeschichte ein Volk gegeben, in dem es keine allgemeinen Bräuche,

Richtlinien und Weisungen gegeben hätte.

2.10 Freiheit kontra Gesetz?

Was ihn selbst, seine eigene Person und sein individuelles Leben betrifft, handelt der Mensch

normalerweise eigenem Willen gemäß. Er regelt seine Angelegenheiten aufgrund eigener

Entscheidung. Handlungs- und Bewegungsfreiheit ist es was er möchte, braucht und sich nicht

nehmen lassen will. Am liebsten wäre ihm natürlich eine uneingeschränkte Freiheit, weshalb er

nach Möglichkeit dem, was ihm Grenzen setzt, zu entfliehen sucht. Verbote und ähnliches sind

ihm bitter, und Druck, Drohungen und Gewalt empfindet er als Zumutung, gerade als seelische

Pein.

Diesem seinen inneren „Freiheitsdrang“ widersprechen daher sämtliche Regelungen und

Bestimmungen, die ihn einschränken..., wenn gleich sie andererseits notwendig sind, da sie für

ein geordnetes, reibungsloses Leben in der Gemeinschaft sorgen. Das sie erforderlich sind, ist

ihm durchaus bewusst. ihm ist klar, dass dann, wenn die einzelnen nicht bereit sind, um der

Ordnung und Sicherheit in der Gesellschaft willen ihre Freiheit zu „beschneiden“ und das

öffentliche Recht und Gesetz zu akzeptieren, in kürzester Zeit chaotische Zustände herrschen

wurden. Ein Chaos, das allen, auch ihm selbst, jegliche Freiheit und Ruhe rauben würde.

Folgendes kleine Beispiel Veranschaulicht diese Realität:

Wenn der eine dem anderen ungehindert und ungestraft den Bissen Brot fortnehmen kann, so

wird es der andere mit der Zeit ebenso halten. Die Rücksichtslosigkeiten, die die einen den

anderen gegenüber an den Tag legen, werden sie letztendlich wie ein Bumerang selbst treffen.

Darum, weil die anderen ein solches Verhalten nicht dulden werden und entsprechend reagieren.

Unrecht und Gewalt, die jemand seinen Mitmenschen zufügt, werden diese ihm mit gleicher oder

ähnlicher Münze zurückzahlen. Und da der Mensch dieses weiß, hält er seinen Freiheitsdrang in

Grenzen und fügt sich den gesellschaftlichen Bestimmungen, womit er zum Schutze seiner

eigenen Freiheit und Sicherheit in der Gesellschaft beiträgt.

2.11 Schwachstellen „weltlicher“ Gesetze

Wie gesagt, die freiheitsfordernde menschliche Natur und die gesellschaftlichen Regelungen und

Bestimmungen harmonieren nicht sonderlich gut miteinander. Das heißt, letztere werden von so

manchen wie Ketten an den Füßen empfunden, die sie an einem „freien Land“ hindern, weshalb

sie sie gern abstreifen würden. Genau das aber ist die große Gefahr, von der die bürgerlichen und

öffentlichen Gesetze bedroht sind.

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Darum gibt es parallel zu diesen gesellschaftlichen Verordnungen weitere Bestimmungen, die

dem Schutze der ersteren dienen. Das heißt, letztere sind dazu gedacht, das dem Gesetz nicht

zuwidergehandelt wird.

Es ist nicht zu leugnen, dass das Vorhandensein dieser Reglungen – im Grunde die Angst vor

Bestrafung oder aber Hoffnung auf Belohnung – dazu beiträgt, dass die festgesetzten Regelungen

eingehalten werden. Weitgehend wenigstens, denn hundertprozentiger Verlass ist nicht auf sie.

Darum, weil die strafrechtlichen Bestimmungen mit dem gleichen Problem zu tun haben, mit

dem die übrigen gesetzlichen Verordnungen konfrontiert sind..., unter anderem mit der nach

Freiheit drängenden menschlichen Natur. Überall auf diesem Erdenrund wird versucht, sie zu

umgehen bzw. ihrem Zugriff zu entkommen.

Beredtes Beispiel hierfür u.a. jene Gewaltmächtigen, die ohne Furcht und Sorge und völlig

offenkundig und unbehelligt gegen das Gesetz verstoßen und soviel Einfluss bzw. Druck auf die

zuständige Gerichtsbarkeit ausüben, dass diese sich veranlasst sich, beide Augen zuzudrücken

und dem finsteren Treiben dieser Kategorie Gesetzesbrecher stattzugeben.

Doch auch andere, denen derlei Macht und Einfluss nicht gegeben ist, sind in der Lage,

Nachlässigkeit und Schwäche der Verantwortlichen ihrer Gesellschaften auszunutzen und

unbemerkt und insgeheim ihre gesetzwidrigen Unternehmungen durchzuführen. So manch einer

ist es, dem es mittels Bestechung oder aber aufgrund freundschaftlicher bzw.

verwandtschaftlicher Beziehungen zu einflussreichen Persönlichkeiten gelingt, ans Ziel seiner

Wünsche zu kommen. Kurz, Zuwiderhandlungen gegen Recht und Gerechtigkeit finden

tagtäglich in masse – und zwar in allen Erdteilen – statt..., zum Verlust und Verderb der

menschlichen Gesellschaft, die folglich immer mehr von einem menschenwürdigen Kurs abirrt.

2.12 Hintergründe dieser Gesetzesschwäche

Was ist die Ursache dieser Gefahr, die die gesellschaftlichen Regelungen und Bestimmungen

bedroht? Und wie ist dieser Freiheitsdrang, der dem Menschen innewohnt, effektiver zu zügeln,

damit Gesetzesübertretungen bzw. Verstöße gegen die bürgerlichen und öffentlichen Rechte und

Pflichten vermieden werden können?

Der eigentliche Grund, der zugleich der gravierendste Faktor zur Verelendung der menschlichen

Gesellschaft darstellt – etwas, dem auch mit Regelungen und Verordnungen nicht beizukommen

ist – beruht darin, dass die „weltliche“ Gesetzgebung mehr oder weniger nur die materielle

Dimension des sozialen Lebens berücksichtigt. Geistig- geistliche Aspekte bzw. Wünsche und

Neigungen des Menschen werden nicht bedacht. Das, dem Aufmerksamkeit geschenkt wird, sind

der Schutz der öffentlichen Ordnung und Ruhe. Mit anderen Worten: Ein reibungsloser Ablauf

des Gemeinschaftlichen Lebens, damit es in den Reihen der Gesellschaftsmitglieder nicht zu

Konflikten und Kontroversen kommt.

Das, was das „weltliche“ bürgerliche bzw. öffentliche Recht und Gesetz will ist, dass seine

Artikel beachtet und Tun und Lassen der Bürger unter „Kontrolle“ bleiben. Ansonsten aber, mit

deren „Seelenleben“, Natur und Neigungen, – die ja der eigentliche Auslöser zu Unbehagen

gegenüber den freiheitseinschränkenden Gesetzen sind – hat es nichts zu tun.

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Genau das aber ist das große Manko der „weltlichen“ Gesetzgebung. Denn dort, wo die Natur des

Menschen – dessen Mentalität, Neigungen und Eigenschaften, u.a. seine Eigenliebe und

Triebhaftigkeit, die ja, so sie nicht gebremst werden, der Ausgangspunkt zu Niedrigkeiten sind –

nicht berücksichtigt wird, kommt es zu Unausgeglichenheit, Spannungen und Verirrungen in der

Bevölkerung. Resultat: Immer zahlreicher und heftiger werdende Entgleisungen bzw. Verstöße

gegen Recht und Ordnung.

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