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Sunday 16th of June 2019
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Frieden und Gerechtigkeit

Frieden und Gerechtigkeit

 Frieden durch Hingabe

Unsere Zeit ist ausgeprägt von einer rein materialistischen Weltanschauung. Die Negation der spirituellen Werte hat die Menschen in eine gefährliche Sackgasse geführt : bedrohliches Wettrüsten, sowohl auf der Erde als auch im Weltraum, eine Weltordnung, die dem einen Teil der Menschheit Überfluß und dem anderen Hunger und Elend bringt, fortschreitende Umweltzerstörung usw. Dies alles ist Ausdruck der Gottesferne des heutigen Menschen und seiner mangelnden Bereitschaft, Verantwortung für die Schöpfung zu tragen, sowohl auf der persönlichen als auch auf der soziopolitischen Ebene. Allerdings beginnen viele Menschen auch wieder, den wahren Zweck ihres Daseins auf dieser Erde zu begreifen und nach Auswegen aus dem materialistischen Dilemma zu suchen.

Der Weg, der zum Frieden ( arabisch : salam ) führt, heißt auf arabisch Islam, d.h. Hingabe an den Einen Gott mit dem Versuch, unser Leben in Einklang mit Seinen Geboten zu bringen und dadurch in Harmonie mit uns selbst und mit anderen Geschöpfen zu leben, in Dankbarkeit gegenüber dem allgegenwärtigen Gott und dem Bewußtsein Seiner Anwesenheit :

"Wahrlich, im Gedanken Gottes finden die Herzen Frieden." (Sure 13, Vers 28 ).

Erst innerer Frieden kann zu äußerem Frieden führen. Menschen, die ihre Verbindung zu Gott aufrechterhalten, sind zu friedlichen zwischenmenschlichen Beziehungen fähig.

 Frieden durch Gerechtigkeit

Frieden ist nur auf der Grundlage von Gerechtigkeit möglich. Die Schaffung von Gerechtigkeit ist das Ziel aller Propheten gewesen :

"Wahrlich, Wir (Gott) sandten unsere Gesandten mit klaren Beweisen und mit ihnen das Buch und die Waage herab, auf dass die Menschen Gerechtigkeit verwirklichen." ( Sure 57, Vers 25 ).

Die gläubigen Menschen sollen ihre Egoismen überwinden und stets für die Gerechtigkeit eintreten :

"O ihr Gläubigen, seid standhaft in der Gerechtigkeit und wahrhafte Zeugen vor Gott, sei es wider euch selbst, eure Eltern und nahen Verwandten; Arm oder Reich, Gott ist beiden näher als ihr. Folgt nicht euren Begierden, damit ihr gerecht handeln könnt. Wenn ihr ( die Wahrheit ) auch verhehlt oder ihr ausweicht, so hat Gott doch bestimmt Kunde darüber, was ihr tut." ( Sure 4, Vers 135 )

Gemeinsam für Frieden :

Frieden schaffen ist unsere alle Aufgabe. Nur wenn wir alle folgendes realisieren, kann sich eine konstruktive Zusammenarbeit im Dienste des Friedens entwickeln :

Gesellschaft menschlicher gestalten. Dazu bedarf es dem andersartigen gegenüber Toleranz und Achtung. Vor allem sollten wir jedem seine individuelle kulturelle und religiöse Identität zugestehen und die Menschen als gleichwertige Mitglieder einer großen Familie anerkennen.

Zusammenhänge erkennen zwischen Armut und Elend von Millionen von Menschen und dem materiellen Wohlstand und Fortschritt der Industrienationen; das verlangt ein gesteigertes Bewußtsein für die Probleme der Menschen in den Ländern der "Dritten Welt".

Eurozentrismus überwinden, d.h. uns nicht länger im Mittelpunkt des Weltgeschehens sehen. Wir dürfen die Forderung nach Frieden und Gerchtigkeit nicht auf unseren Lebensraum begrenzen. Denn gerade dort, wo Unfrieden mit militärischen Mitteln gestiftet wird, müssen wir aktiv für Frieden eintreten. Strukturelle Gewalt entwürdigt den Menschen ebenso wie physische Gewalt, und im Quran heißt es dazu :

"Unterdrückt nicht und laßt euch nicht unterdrücken." ( Sure 2, Vers 279 ).

Mit Unterdrückern kann es darum ebensowenig Frieden geben wie mit Aggressoren.

Feindbilder abbauen, die uns täglich von den Massenmedien geliefert werden, Feindbilder schüren Haß, trennen die Völker und verhindern Verständigung.

Waffenexporte verhindern. Die eigentlichen Nutznießer militärischer Konflikte sind internationale Rüstungskonzerne. Durch gezielte Waffenlieferungen sichern sich die Großmächte ihre strategischen, politischen und militärischen Interessen in der Welt.

Umweltschäden entgegenwirken. Dies ist nur durch eine tiefgreifende Veränderung unseres Verhaltens und Bewußtseins möglich. Wir sind nicht die Herren dieser Erde, sondern von ihrem Schöpfer als Statthalter eingesetzt, um sie zu bebauen und zu bewahren.

Verantwortung nach ethischen Werten ausrichten. Die Trennung der politischen Entscheidungsbefugnis und ethischem Empfinden bzw. religiösem Bewußtsein hat maßgeblich zur weltweiten Krise beigetragen, in dem sich Politiker mehr an Sachzwängen orientieren als an ihrem Gewissen.

 

Die Stellung des Nachbarn aus islamischer Sicht

Viele Urlauber kennen die Gastfreundschaft der Orientalen. Gastfreundschaft gehört einfach zur islamischen Lebensweise dazu. Nun das kommt nicht von ungefähr. Im Quran gibt es Stellen, die sich darauf beziehen, wie wir uns unserem Nachbar gegenüber verhalten sollen, zum Beispiel:  

„Und dient Allah und setzt Ihm nichts zur Seite; und seid gut zu den Eltern und zu den Verwandten, den Waisen, den Armen, dem NACHBARN, sei er verwandt oder aus der Fremde, dem Begleiter an der Seite.... Seht Allah liebt nicht den Hochmütigen, den Prahler, die da geizig sind und den Leuten gebieten, geizig zu sein, und verbergen, was Allah ihnen in Seiner Huld gegeben hat....." [4:36-37]

Dazu gibt es eine schöne Geschichte:

Eines Tages kam ein fremder Mann nach Medina. Der Prophet (ص) fragte: „Wer wird diesen heute Nacht als Gast aufnehmen?" Einer seiner Gefährten antwortete: „Ich nehme ihn als Gast auf, o Gesandter Gottes." Er ging mit ihm in sein Haus. Dann sagte er zu seiner Frau: „Hast du etwas zu essen?" Sie sagte: „Nein, nur das, was ich meinen Söhnen zu essen geben wollte." Er sagte: „Lenke sie mit etwas anderem ab. Und wenn sie zu essen verlangen, dann lege sie zum Schlafen hin." Dann, wenn unser Gast eintritt, lösche die Lampe und tue so, als würden wir mit ihm essen" Sie tat, wie ihr Mann es gesagt hatte. Sie saßen mit dem Gast zusammen und täuschten ihm in der Dunkelheit vor, sie würden auch mit ihm essen. Der Gast aß, sie aber verbrachten die Nacht hungrig. Am nächsten Morgen ging  der Gefährte zum Gesandten Gottes. Kaum hatte ihn dieser gesehen, als er ihn mit Freude begrüßte und sagte: „Gott hat das bewundert, was ihr eurem Gast getan habt."

Der große Theologe al-Ghazali spricht gar vom Recht des Nachbarn:

Weißt du, was das Recht des Nachbarn ist? Wenn er dich um Hilfe bittet, hilfst du ihm; wenn er dich um Beistand angeht, gewährst du ihm Beistand; wenn er von dir borgen will, leihst du ihm; wenn er arm wird, ersetzt du ihm den Verlust; wenn er krank wird, besuchst du ihn; wenn er stirbt, geleitest du ihn zum Begräbnis. Wenn ihm Gutes widerfährt, gratulierst du ihm; wenn ihn ein Unglück trifft, tröstest du ihn. Baue ohne seine Erlaubnis kein höheres Haus als seines, so dass du ihm die Luft wegnimmst. Füge ihm keinen Schaden zu. Wenn du Obst gekauft hast, dann schenke ihm davon, und wenn du es nicht tust, dann schicke es unbemerkt in sein Haus; dein Kind soll nicht damit ausgehen, um sein Kind zu ärgern. Setz ihm nicht zu mit dem Geruch deines Kochtopfes, ohne ihm davon eine Kelle abzugehen.

Der Prophet (ص) ermahnte uns gütig zu unseren Nachbarn zu sein und sie nicht zu belästigen. Er sagte einmal: „Wer zufrieden schläft, während sein Nachbar hungert, gehört nicht zu mir.“

Imam Ali (ع) sagte: „Du sollst die Sachen deines Nachbars schützen, wenn er abwesend ist. Du sollst ihn respektieren wenn er anwesend ist. Du sollst ihm helfen, wenn er im Irrtum liegt. Begehe nichts Schändliches gegen ihn. Wenn du etwas Schlechtes über deinen Nachbarn hörst, behalte es für dich. Wenn du weißt, dass er dein Ratschlag annimmt, dann helfe ihm dadurch. Lass ihn nicht allein, wenn er in Schwierigkeiten ist. Helfe deinem Nachbarn bei Problemen, vergebe ihm, wenn er dir etwas Schlechtes antut und verhalte dich ihm gegenüber großzügig.“

In einer anderen Geschichte wird folgendes erzählt:

Es war Nacht und Imam Hassan (ع) konnte nicht schlafen. Er beobachtete seine Mutter beim Gebet bis zum nächsten Morgen. Sie betete die ganze Nacht hindurch, ohne eine Pause einzulegen. Imam Hassan (ع) hörte wie seine Mutter für alle Muslime betete. Sie nannte alle beim Namen und erflehte von Allah Wohlstand und Glückseligkeit für sie. Am Morgen fragte Imam Hassan seine Mutter: „Mutter, ich habe dir die ganze Nacht hindurch zugeschaut und du hast für alle Muslime gebetet. Du hast sie alle beim Namen genannt und von Allah alles Gute für sie erfleht. Aber wieso hast du nicht ein einziges Mal für dich selber gebetet?

Seine Mutter, Fatima az-Zahra' (ع), antwortete: „Mein geliebter Sohn! Zuerst kommen die Nachbarn und erst dann unser Haus. 

Imam Zain-ul-Abidin (ع) sagte: „Das sind deine Pflichten gegenüber deinem Nachbarn: Beschütze seine Interessen, wenn er weg ist; begegne ihm mit Respekt, wenn er vor dir steht; helfe ihm, wenn er unter Ungerechtigkeit leidet; du sollst nicht ständig nach Fehlern bei ihm suchen; wenn du etwas schlechtes über ihn hörst, behalte es für dich; versuche ihn von unzulässigem Verhalten abzuhalten, wenn er dann auf dich hört; lasse ihn niemals bei einem Unheil allein; vergebe ihm, wenn er dir schlechtes antut. Kurz gesagt: Lebe mit ihm ein schönes Leben auf der Basis des höchsten islamischen Ethikkodexes." 

Der Prophet (ص) sagte:

- Zu euren Nachbarn zählen die 40 Häuser vor, hinter, rechts und links von euch.

- Wer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt, darf seinen Nachbarn kein Leid antun. (Bihar al-Anwaar)

- Wenn er Hilfe braucht, dann helfe ihm. Wenn er etwas leihen will, dann gibst du es ihm. Wenn er etwas benötigt, dann stillst du sein Bedürfnis. Wenn er glücklich ist, dann gratuliere ihm zu seiner Freude. Wenn er krank wird, dann gehe ihn besuchen. Wenn ihn Unheil trifft, dann tröste ihn. Wenn er stirbt, gehe zu seinem Begräbnis. Erbaue dein Haus nicht so, dass keine frische Luft in sein Haus durchströmen kann, es sei denn er erlaubt es dir. Wenn du Früchte kaufst, dann versorge auch sein Haus damit. (Bihar al-Anwaar)

- Jibril (Gabriel) erzählte mir soviel von den Rechten der Nachbarn, dass ich dachte sie würden auch als Erben in Frage kommen. (Bihar al-Anwaar)

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