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Saturday 23rd of March 2019
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AUFBRUCH VON MEDINA

1. AUFBRUCH VON MEDINA

Am 20. Redschab in der 60. Hidschra starb Muawiye. Über 20 Jahre hatte dieser Tyrann über die Muslime geherrscht. Er war der Sohn des Abu Sufyan und der Hinda, die jeden Stein umgedreht hatten um den heiligen Propheten (Allahs Segen und Heil auf ihm und seine Familie) zu verfolgen. Abu Sufyan wurde Muslim, als überzeugt war, dass Mekka gegenüber dem Propheten (Allahs Segen und Heil auf ihm und seine Familie) kapituliert hatte. Sein Sohn Muawiye jedoch lehnte es ab den Islam zu akzeptieren und ging nach Jemen ins Exil. Als er aber sah, dass ganz Arabien sich dem Islam zuwandte sah er keine Alternative mehr und akzeptierte den Islam.

Nachdem der heilige Prophet (Allahs Segen und Heil auf ihm und seine Familie) zu seinem Schöpfer zurückgekehrt war schlug Muawiye und dessen älterer Bruder sich auf die Seite der Feinde Hathret Alis (Friede sei mit ihm). Er spielte eine wichtige Rolle in der Enteignung der Führung Imam Alis (Friede sei mit ihm). Dafür wurde erst sein älterer Bruder und dann Muawiye selbst vom Herrscher jener Zeit mit dem Gouverneursamt in Syrien belohnt.

Als Hathret Ali (Friede sei mit ihm) Kalif wurde entließ er Muawiye wegen dessen Korruption und antiislamischem Verhalten. Muawiye weigerte sich seine Stellung aufzugeben, dies führte zur Schlacht von Siffin. Als Muawiye die Schlacht fast verloren hatte bestach und trickste er die Mehrheit von Imam Alis Armee aus veranlasste sie darauf zu bestehen, den Disput durch einen Schiedsspruch zu schlichten. Mit derselben Methode gelang es ihm dem Schiedsmann ein Urteil zu seinen Gunsten zu fällen.

Muawiye bestimmte sich selber als unabhängigen Amir-e-Shaam (Herrscher von Damaskus) während Hathret Ali der Kalif war. Schon bald nach dem Martyrium Imam Alis war Muawiye durch Bestechung, Verrat, Tyrannei und Unterdrückung erfolgreich darin, Kalif zu werden.

Muawiye war nicht am Islam interessiert. Er benutzte den Islam nur für seine Macht und den Ruhm. Er zögerte nie damit die islamischen Gesetze mit Füßen zu treten. Wenn ihm ein Ausspruch des Propheten (Allahs Segen und Heil auf ihm und seine Familie) nicht passte, befahl er, diesen aus allen Aufzeichnungen herauszureißen. Er richtete eigens ein besonderes Amt unter Abu Huraira ein um Ahadith zu fabrizieren, die ihn und seine Methoden befürworteten. Muawiye hasste Hathret Ali und alle Mitglieder der Ahl-al-Bayt (Friede sei mit ihnen). Die Schia wurden gnadenlos verfolgt. Jeder der es wagte, etwas zugunsten der Ahl-al-Bayt (Friede sei mit ihnen) zu sagen, wurde ermordet oder in die Kerker geworfen. Nun war Muawiye tot und sein Sohn Yezid machte sich selber zum Kalifen. Yezid war schlimmer als sein Vater. Zusätzlich zu all den üblen Eigenschaften seines Vaters machte er den Islam öffentlich lächerlich. Man sah ihn oft betrunken Lieder singend, die sich über das Gebet, den heiligen Propheten (Allahs Segen und Heil auf ihm und seine Familie) und dessen reiner Nachkommenschaft lustig machten. Der Unterschied zwischen Vater und Sohn war folgender: Muawiye benutzte den Islam. Yezid war dazu entschlossen, den Islam zu auszulöschen. Sobald Yezid Kalif wurde sandte er einen Brief an den Gouverneur von Medina, Waleed bin Utba, worin er ihn aufforderte, Biat (Treue Eid) von Imam Hussain zu verlangen. Das bedeutete, dass Imam Hussain ihm den Treueeid schwören sollte. Yezid glaubte, durch den Treue Eid des Imam Hussain könne ihn niemand beschuldigen, das Kalifat unrechtmäßig an sich gerissen zu haben. Waleed erhielt den Brief am 27. Redscheb. Er schickte eine Nachricht an Imam Hussain, das dieser am Abend zum Palast kommen solle. Mit seinen Brüdern, Söhnen und Neffen ging Imam Hussain zum Palast. Der Imam bat sie alle draußen zu warten während er alleine in den Palast trat. Waleed zollte dem Imam keinerlei Respekt sondern forderte ihn eher arrogant dazu auf Yezid den Treue Eid zu schwören. Der Imam erwiderte, dass die Frage um die Biat eine ernste Angelegenheit sei und öffentlich im Lichte des Tages diskutiert werden solle. Der Imam kam traurig aus dem Palast. Er bat seine Gefährten sich für den kommenden frühen Morgen für eine Reise vorzubereiten. Er beauftragte Hathret Abbas damit sich um die Vorbereitungen zu kümmern und fügte hinzu: „Abbas, Fatimah Sughra ist krank. Sie wird nicht in der Lage sein, eine lange Reise zu überstehen. Sie wird in Medina bleiben müssen.“

Tief in Gedanken versunken näherte sich Hathret Hussain langsam der Moschee. Er konnte nicht einmal an einen Treueschwur an Yezid erwägen. Nicht weil es um seinen Stolz oder sein Recht auf das Kalifat ging. Biat an Yezid würde die Billigung seiner Taten und Lebensstil bedeuten und dies würde mit Sicherheit zur totalen Vernichtung des Islam führen. Es war die Pflicht des Imams den Islam aufrechtzuerhalten und zu verteidigen. Wenn er in Medina bleiben würde ohne den Treueid zu leisten, würde Yezid nicht davor zurückschrecken ihn hier zu attackieren. Der Imam hätte zwar den Vorteil all seine Verwandten und die Bevölkerung Medinas auf seiner Seite zu haben, aber zwei ernsthafte Nachteile wären, dass erstens alle seine Freunde in Medina gefährdet sein würden und zweitens, selbst wenn Yezid besiegt werden würde, würde die Geschichte auf diese Schlacht als eine Schlacht um das Kalifat blicken.

Auch wenn Yezid getötet werden würde, würde die Ungerechtigkeit, Unterdrückung und die unmoralische Lebensweise die Muawiye und Yezid vorangetrieben hatten nicht sterben.

Imam Hussains Mission war, das Übel was diese beiden Männer so gefördert hatten zu vernichten. Dafür musste er den Geist des Islam in den Muslimen wiederbeleben.

Hathret Hussain erreichte die Moschee. Er entzündete eine Kerze und ging auf das Grab des heiligen Propheten (Allahs Segen und Heil auf ihm und seine Familie) zu. Der Gedanke, dass er vielleicht dieses Grab das letzte Mal sah erfüllte ihn mit Trauer. Er setzte sich zum Grab nieder, legte seine Wange darauf und schluchzte. „Ich bin gekommen um Dir auf Wiedersehen zu sagen, oh Großvater (Allahs Segen und Heil auf ihm und seine Familie). Ich muss Medina verlassen um den Islam zu retten. Bete, dass Allah mir Geduld gibt.“

Danach ging der Imam zum Grabe seiner Mutter, Hathret Sayyida Fatimah Zahra (Friede sei mit ihr). Er war unfähig zu sprechen. Er küsste das Grab und sagte leise Lebewohl. Einige Zakirs (Rezitatoren) berichten, als Imam Hussain sich vom Grab entfernte war Hathret Fatimahs (Friede sei mit ihr) Stimme aus dem Grab zu hören: „Gott schütze dich mein Sohn! Geh, ich werde auch immer bei Dir sein.“

2. DIE ERSTE REISE – MEDINA NACH MEKKA

Nachdem Imam Hussain den Gräbern seines Großvaters und seiner Mutter Lebewohl gesagt hatte ging er zu Sayyida Zainabs (Friede sei mit ihr) Haus.

Hathret Zainab (Friede sei mit ihr), die Schwester des Imam Hussain, war mit ihrem Cousin Hathret Abdullah ibne Dschafar ibne Abu Talib verheiratet. Nachdem Hussain und Abdullah sich begrüßt hatten, berichtete der Imam was geschehen war und was er weiter zu tun gedachte. Hathret Abdullah versuchte ihn davon zu überzeugen in Medina zu bleiben aber der Imam beharrte darauf, dass dies der einzige Weg war den Islam zu bewahren. Er bat Abdullah darum, Zainab (Friede sei mit ihr) mit ihm gehen zu lassen woraufhin Abdullah zu seiner Ehefrau blickte und „Bismillah!“ sagte. Sayyida Zainab sagte ihrem Gatten und den Kindern Aun und Muhammad Lebewohl und die Geschwister gingen zu Hathret Hussains Haus.

Als alle Männer, die Imam Hussain zum Gouverneurspalast begleitet hatten zurückkehrten, erfuhren die Frauen die Nachricht von der Reise. Hathret Abbas, Ali Akbar, Qasim und all die jungen Männer waren damit beschäftigt alles für die Reise vorzubereiten. Fatimah Sughra (Friede sei mit ihr) sah all dies mit an. Sie war ans Bett gefesselt, so krank, dass sie nicht einmal aufstehen konnte. Niemand erwähnte, ob sie ebenfalls mitgehen sollte und sie entschied zu warten, bis ihr Vater zurückkam.

Fatimah Sughra (Friede sei mit ihr) war die Tochter Imam Hussains (Friede sei mit ihm) und ungefähr acht Jahre alt. Im Bett liegend betete sie, dass ihr Vater sie mitnahm. Wie könnte sie denn allein Leben? Wie könnte sie ohne Ali Asghar überleben? Seit seiner Geburt verbrachte sie all ihre Zeit neben seinem kleinen Bettchen, spielte mit ihm. Er begann nun Gesichter zu erkennen und lachte wenn er Sughra erblickte. Bald würde er anfangen zu sprechen und sie war gespannt darauf, ihn ihren Namen sagen zu hören. „Ya Allah!“, murmelte Sughra, „Ich hoffe ich werde nicht in Medina alleingelassen.“

In diesem Augenblick hörte sie die Schritte ihres Vaters, wischte sich schnell die Tränen aus den Augen und stütze sich in eine sitzende Position, ein tapferes Lächeln auf den Lippen, um ihrem Vater gesund genug zu erscheinen und ihn davon zu überzeugen, dass sie reisen könne.

Imam Hussain setzte sich auf Sughras Bett, legte seine Hand auf ihren Kopf und sprach: „Als Du geboren wurdest, mein Liebes, benannte ich dich nach meiner Mutter Fatimah Zahra. Wie du weißt wurde sie auch Saabira genannt, das bedeutet die Geduldige. Ich möchte, dass auch Du eine Saabira bist und dich damit einverstanden erklärst mit Ummul Baneen und Umme Salmah in Mednia zu bleiben. Willst du das tun?“

Was sollte Sughra sagen? Sie nickte mit dem Kopf und kämpfte gegen ihre Tränen an. Der Imam küsste sie und verließ das Zimmer.

Immer wenn die Kinder der Ahl-al-Bayt (Friede sei mit ihnen) irgendwelche Sorgen hatten, gingen sie damit stets zu Hathret Abbas. Auch Sughra dachte lächelnd an ihren Onkel und ließ ihn rufen. Sicherlich würde er einen Weg finden ihr Problem zu lösen.

Abbas kam in Begleitung mit Ali Akbar. Sughra sah sie beide an und sagte: “Ich weiß wie sehr ihr beiden mich liebt, wie könnt ihr mich dann nur allein zurücklassen? Wer soll mich begraben wenn ich sterbe?“ Sie erklärten ihr, dass sie zu krank zum reisen sei und dass sie sie abholen würden, wenn sie sich ersteinmal irgendwo angesiedelt hätten.

Fatimah Sughra erwiderte darauf: “Ich akzeptiere das und möchte meinem Vater nicht widersprechen. Ich werde tapfer sein und hierbleiben.“, liebevoll blickte sie auf ihren Bruder und sagte zu ihm: „Ali Akbar, versprich mir eines. Wenn du verheiratet bist und nach Medina zurückkehrst, ich aber schon gestorben bin, versprich mir mein Grab mit deiner Braut zu besuchen und eine Fatiha zu rezitieren.“ Akbar und Abbas konnten ihre Tränen nicht mehr zurückhalten als sie ihr Auf Wiedersehen sagten.

In der Morgendämmerung begann die Abreise der Karawane. Auf der einen Seite von Ummul Baneen, auf der anderen Seite von Umme Salmah gestützt winkte Sughra ihr nach. Es war schwierig gewesen sie von Asghar zu trennen als sie ihn geküsst hatte und Imam Hussain musste sie mit Hathret Rubaab (Friede sei mit ihr) trösten als sie sich von ihm verabschieden musste.

Die Geschichte Kerbelas ist eine Erzählung von fünf tränenreichen Reisen. Dies war die erste Reise, von Medina nach Mekka. Jede dieser Reisen hat seine eigenen Helden und Heldinnen. Der Held dieser ersten Reise ist Imam Hussain und die Heldin das Andenken Fatimah Sughras, seiner geliebten Tochter, die er zurücklassen musste. Der Imam blickte immer wieder zurück, bis sie an einem Winkel abbogen. Stets lächelte er mutig und winkte seiner geliebten Tochter zurück. Ali Akbar war nicht einmal dazu fähig, da er seine Tränen nicht mehr kontrollieren konnte.

Als sie außer Sichtweite waren zügelte Imam Hussain sein Pferd und fing an zu weinen. Es ist immer schwierig und traurig für Eltern, sich von ihren Kindern zu trennen.

Tage wurden zu Monaten. Sughra verbrachte ihre Zeit in der Moschee oder damit Ummul Baneen, Hathret Abbas’ Mutter, zu besuchen. Ramadhaan ging vorüber. Der Tag des Eids war für Sughra sehr schwierig. Sie dachte weiterhin stets an Asghar, Akbar und an ihre geliebte Schwester Sukaina. Dann kam Muharrem und Sughras Unruhe wuchs. Eines Nachts erwachte sie. Sie fühlte etwas Durst und füllte einen Becher mit Wasser. Als sie ihn an ihre Lippen legte starrte sie das Wasser an und schrie. Der Becher fiel aus ihren Händen. Umme Salmah kam hinzugelaufen. „Was ist passiert Sughra?“, Sughra zitterte vor Angst am ganzen Körper und rannte in die Arme Umme Salmahs. „Oh Großmutter!“, rief sie auf den Becher zeigend „als ich den Becher an meine Lippen führte sah ich Ali Asghars Reflektion im Wasser. Ich sah, wie er seine kleinen Ärmchen zu mir ausstreckte und dann hörte ich ihn reden. Er sagte ‚Al atash, ya Ukhti Fatimah! (Ich bin durstig, oh meine Schwester Fatimah!)’“.

Dies war die Nacht des neunten Muharrem, eine Nacht vor Aschura (Lail-at-tul-Aschura).

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